Lando Norris - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020 xpb
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
Charles Leclerc  - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
Lando Norris - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
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McLaren-Schlussspurt zum Podium

„Wollte Pace nicht zu früh zeigen“

Lando Norris hat in Spielberg das erste Podium seiner Karriere gefeiert. Mit einem fulminanten Schlussspurt schnappte sich der Youngster im Fernduell mit Lewis Hamilton Rang drei. Von Teamchef Andreas Seidl gab es anschließend ein Extralob.

Nach den durchwachsenen Wintertests reiste McLaren mit einigen Fragezeichen zum Saisonstart nach Spielberg. Der große Sprung von Racing Point macht den Kampf um die Mittelfeld-Krone dieses Jahr zu einer deutlich schwierigeren Angelegenheit. Und auch Renault schien ein gutes Stück näher gekommen zu sein.

Die Freitagstests bestätigten zunächst die Befürchtungen. Noch vor dem Qualifying prognostizierte Teamchef Andreas Seidl, dass die Konkurrenz von Racing Point für McLaren außer Reichweite liege. Doch dann brannte Lando Norris eine Hammer-Runde in den Asphalt, die ihm Startplatz drei einbrachte. Carlos Sainz auf Rang acht konnte mit Lance Stroll wenigstens einen Racing Point hinter sich halten.

Seidl lobte die Zusammenarbeit seiner Piloten und der Ingenieure: "Wir konnten uns Tag für Tag verbessern. Es ist ein gutes Zeichen, dass wir nach den nicht so guten Longruns am Freitag dann im Rennen auf einem Level mit Racing Point und Ferrari kämpfen konnten. Wie das Kräfteverhältnis genau aussieht, ist wegen der unterschiedlichen Reifenstrategien aber schwer zu sagen."

Einfach zu lesen ist dagegen das Ergebnis. Mit einem fulminanten Schlussspurt konnte Lando Norris noch Lewis Hamilton abfangen. Der Weltmeister rutschte durch seine 5-Sekunden-Strafe auf Rang vier vom Podium. Am Ende betrug der Abstand im Fernduell nur zwei Zehntel zugunsten von Norris.

Lando Norris & Sergio Perez - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
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Vor dem Angriff auf das Podium setzte sich Norris robust gegen Sergio Perez durch.

Schnellste Rennrunde für Norris

Das Podium war eine echte Teamleistung. In der allerletzten Runde wurde Norris von seinem Renningenieur angewiesen, auf jedem Beschleunigungsstück maximale Motorpower abzurufen. Der sogenannte "Überholmodus" steht über die Lebensdauer einer Antriebseinheit nur für eine begrenzte Anzahl an Kilometer zur Verfügung. Der Poker hätte also auch schiefgehen können.

Doch Norris quetschte alles aus seinem McLaren heraus und setzte am Ende sogar noch die schnellste Rennrunde – seine erste in der Formel 1 überhaupt. Auf die Frage, warum er es denn so spannend machte, scherzte der 20-Jährige: "Ich habe getan, was getan werden musste. Ich wollte ja nicht zu früh unsere wahre Pace zeigen. Am Ende machten zwei Zehntel den Unterschied. Ein kleiner Verbremser oder eine etwas schlechtere Pace vom Auto – und schon hätte es nicht gereicht."

Norris warnte aber auch davor, das Ergebnis überzubewerten: "Wir wissen, dass wir noch nicht die Pace haben, um aus eigener Kraft aufs Podium zu fahren. Wir sind Risiken eingegangen und konnten die Fehler der anderen ausnutzen. Am Ende hat es sich ausbezahlt. Ich habe nach ein paar Jahren mal wieder einen kleinen Pokal mitgenommen. Ich hoffe, da werden noch einige folgen. Ich weiß aber natürlich, dass es in naher Zukunft mit weiteren Podiumsplätzen schwierig sein wird."

Lando Norris - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
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McLaren-Boss Zak Brown nahm seinen Schützling im Ziel in die Arme. Social Distancing war für einen Moment vergessen.

McLaren hat noch Potenzial

Im Jubel über das Podium und den zweiten Platz in der Teamwertung versuchte auch Seidl den Ball flachzuhalten: "Es geht in die richtige Richtung. Es war aber auch nur das erste Rennen. Wir sollten jetzt nicht zu früh in Euphorie verfallen, sondern müssen analysieren, was wir noch verbessern können. Carlos ist auf Rang fünf gefahren und war dabei noch gar nicht ganz zufrieden mit dem Auto. Das ist ein gutes Zeichen. Ich denke, wir können schon beim zweiten Spielberg-Rennen noch besser sein."

Auf neue Teile müssen die Piloten aber noch eine Weile verzichten. Der Teamchef verspricht aber bereits, dass der MCL35 dieses Jahr noch ein paar Ausbaustufen verpasst bekommt: "Das Team um James Key hat für die nächsten Wochen und Monate ein paar gute Upgrades in der Pipeline. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir weiter um die vorderen Plätze im Mittelfeld kämpfen können", so Seidl.

Für Lando Norris gab es nach dem Husarenritt in den Schlussrunden ein Sonderlob vom bayerischen Teamchef: "Das war wirklich eine Achterbahnfahrt. Da gab es einen Moment, an dem wir das Podium schon fast verloren geglaubt hatten. Wir haben Lando den Abstand zu Lewis immer durchgegeben. In der letzten Runde konnte er dann alles rausholen, was im Auto steckte. Dass er es am Ende geschafft hat, ist wirklich beeindruckend. Das ganze Wochenende von ihm war beeindruckend."

Lando Norris - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
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Der erste Pokal in der Karriere konnte wegen der Corona-Maßnahmen nur verhalten gefeiert werden.

Seidl gegen Stallregie

Laut Seidl ist Norris nicht nur fahrerisch verbessert aus der Winterpause gekommen, der Youngster zeige auch mehr Reife. "Er hat als Fahrer den nächsten Schritt gemacht. Zusammen mit dem Team hat er die letzte Saison gut analysiert und die richtigen Schlüsse gezogen. Aber auch charakterlich hat er sich weiterentwickelt. Er ist erwachsener geworden. Ich denke, wir werden noch viel Spaß mit ihm in der Zukunft haben."

Dass Norris nun auch im Rennen regelmäßig auf einem Niveau mit Teamkollege Sainz herumgeigt, kann für das Team aber auch problematisch werden. Künftig werden sich beide McLaren-Piloten auf der Strecke wohl häufiger begegnen. Vor dem Abgang von Sainz zu Ferrari will der junge Herausforderer noch einmal seine Claims im Team abstecken.

Seidl macht sich keine große Sorgen, dass es irgendwann kracht: "Unsere Philosophie ist es, sie so lange gegeneinander fahren zu lassen, bis sie das erste Mal einen Crash produzieren. Das gilt vor allem für den Beginn der Saison. Es ist wichtig, dass die Fahrer wissen, dass sie ihr Duell auf der Strecke ausfechten können. Natürlich ist das immer mit etwas Risiko verbunden. Ich habe da aber viel Vertrauen in Carlos und Lando."

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