Schumacher - Ferrari - Montoya - Williams Motorsport Images

Langsamster und schnellster Grand Prix

Die zwei Rekord-Rennen

1000. GP

Der langsamste Grand Prix aller Zeiten fand gleich am Anfang statt. Juan-Manuel Fangio gewann in Monte Carlo 1950 mit einem Schnitt von 98,701 km/h. Es wird ein Rekord für die Ewigkeit bleiben. Michael Schumacher wird bald nicht mehr Sieger des schnellsten Rennens aller Zeiten sein.

Quizfrage: Wo fand der langsamste Grand Prix aller Zeiten statt, wo der schnellste? Und wie schnell waren sie? Über das langsamste Rennen könnte es Diskussionsbedarf geben. Auf dem Papier ist es der GP Kanada 2011 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 74,864 km/h für Sieger Jenson Button. Doch stecken zwei Stunden Standzeit mit drin, weil ein Wolkenbruch die Strecke von Montreal überschwemmt hat. Tatsächlich steht der GP Monaco 1950 am unteren Ende der Tabelle.

Juan-Manuel Fangio brauchte für die 100 Runden 3:13.18,7 Stunden und kam so auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 98,701 km/h. Es ist bis heute der einzige Grand Prix, der die 100 km/h-Marke unterschritten hat. Der zweite Grand Prix der Geschichte war ein denkwürdiges Rennen. Ferrari gab sein Debüt, nachdem Alfa Romeo acht Tage zuvor in Silverstone das Rennen klar dominiert hatte. Um die Teilnehmer möglichst früh an die Strecke zu locken, bestimmte der Veranstalter, dass die ersten beiden Startreihen nur am ersten Trainingstag ausgefahren werden würden.

Fangio siegt deutlich

Die Alfa-Phalanx bekam erste Risse. Argentiniens neuer Star Froilan Gonzalez im Maserati und Philippe Etancelin im Talbot-Lago mogelten sich zwischen die Alfa Romeos von Juan-Manuel Fangio, Nino Farina und Luigi Fagioli. Ferrari tauchte erst am zweiten Trainingstag mit zwei Autos für Alberto Ascari und Luigi Villoresi auf. Trotz schnellerer Rundenzeiten blieb ihnen nur die dritte Startreihe neben Lokalheld Louis Chiron. Fagiolis Samstagszeit von 1.51,7 Minuten hätte für Startplatz 2 gereicht, doch auch sie blieb unberücksichtigt.

Juan Manuel Fangio - Alfa Romeo 158 - GP Monaco 1950
Motorsport Images
GP Monaco 1950: Zweites Rennen der Geschichte, der erste Sieg für Juan Manuel Fangio.

Die 100 Runden-Schlacht bei bewölktem Wetter brachte die erste große Kollision in der Grand Prix-Geschichte. Nino Farina rutschte in der Tabakkurve auf der nassen Piste aus. Luigi Fagioli traf den Alfa Romeo seines Teamkollegen und mit ihnen verkeilten sich neun weitere Fahrzeuge zu einem undurchdringlichen Autoknäuel. Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe löste auch noch ein Feuer aus. Durch ein Leck im Tank des Maserati von Gonzalez war Benzin an der Unfallstelle ausgelaufen.

Juan-Manuel Fangio fand einen Weg durch den Schrottplatz. Sein siebter Sinn und seine Detailbesessenheit retteten ihn. Als er in der zweiten Runde auf die Tabakkurve zuflog, beobachtete Fangio, dass die Blicke der Zuschauer auf der Tribüne nicht seinem Alfa Romeo folgten, sondern stur auf die nächste Kurve gerichtet waren. Das sagte ihm: Dort musste etwas passiert sein. Dann erinnerte er sich an ein Foto aus dem Jahr 1936, bei dem vier Autos kollidiert waren. Er merkte sich den Notausgang. Fangio fiel das Foto auf einer Party im Fürstenpalast auf.

Der Rest des Rennens war für Fangio nur noch Formsache. Er gewann mit über einer Runde Vorsprung auf Alberto Ascari, der mit dem Ferrari ein glänzendes Debüt hinlegte. Für Fangio war die Arbeit noch nicht getan. An den beiden Tagen nach dem Grand Prix chauffierte er seine verletzten Landsleute Pian und Gonzalez in Spezialkliniken nach Bologna und Novara. Dafür hatte er extra den Beifahrersitz in seinem Straßen-Alfa Romeo ausgebaut. So brachte er eine Trage unter.

Mit Spezial-Kit zu 247,586 km/h Schnitt

Wie anders liest sich da die Geschichte des schnellsten Rennens aller Zeit. 2003 war der Sport schon vom Perfektionswahn besessen. Vieles war vorbestimmt. So auch ein Ferrari-Sieg in Monza. Ferrari hatte von 2000 bis 2004 die Formel 1 dominiert. Gegenwehr gab es nur wenig. In Monza 2003 immerhin die Williams-BMW. Michael Schumacher legte die 306,720 Kilometer Renndistanz in nur 1:14.19,838 Stunden zurück. Das entspricht einem Schnitt von 247,586 km/h.

Das Trainingsduell ging an Michael Schumacher. Sein WM-Gegner Juan Pablo Montoya suchte seine Chance bereits in der ersten Runde. Er zog seinen Williams-BMW auf der Außenspur der Roggia-Schikane neben den Ferrari und schaltete dann aus Versehen zu schnell vom zweiten in den vierten Gang. Der Ferrari zog mit der besseren Beschleunigung Richtung erste Lesmo-Kurve davon. Danach kam Montoya nur noch zwei Mal in die Nähe seines WM-Rivalen. Bei Halbzeit trennten die beiden 0,9 Sekunden. Auch nach der Serie der zweiten Boxenstopps hing die Nase des Williams im Getriebe des Ferrari. Die Entscheidung fiel beim Überrunden. Montoya verlor hinter Heinz-Harald Frentzen und Zsolt Baumgartner im Jordan fünf Sekunden.

Michael Schumacher schlug im Titelrennen ausgerechnet auf der Paradestrecke für Williams-BMW zurück. Ferrari konterte mit einem Spezial-Kit des F2003-GA für die Hochgeschwindigkeitsbahn, das den PS-Vorteil des BMW-Motors ausglich. Dazu kam die Verwirrung im Michelin-Lager nach der von Ferrari vom Zaun gebrochenen Reifen-Affäre.

Schumi-Rekord in Gefahr

Michelin brachte schmalere Vorderreifen mit nach Monza. Williams, McLaren und Renault behaupteten zwar, dass sie keinen Unterschied spürten, doch es fiel auf, dass mit Michael Schumacher, Rubens Barrichello und Jacques Villeneuve drei Fahrer auf Bridgestone-Reifen auf einer Michelin-freundlichen Strecke in den Punkterängen landeten. Für Ralf Schumacher waren die WM-Hoffnungen schon eine Woche vor dem GP Italien zerplatzt. Der WM-Vierte hatte bei Testfahrten nach einem Aufhängungsbruch links hinten in der ersten Lesmo-Kurve eine mehrfache Rolle geschlagen. Formel 1-Arzt Sid Watkins schrieb ihn zunächst gesund, doch nach dem Freitagstraining stellten sich starke Kopfschmerzen ein. Ralf Schumacher übergab sein Cockpit an Testpilot Marc Gené.

Michael Schumachers Rekordfahrt ist in Gefahr, seit die Formel 1 im Jahr 2017 auf breitere Reifen umstellte und die Autos um 20 Zentimeter verbreiterte. Lewis Hamilton hetzte seinen Mercedes in der abgelaufenen Saison in 1:16.54,484 Stunden über die klassische 53-Runden-Distanz. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 246,731 km/h fehlten nur noch 154,6 Sekunden auf das schnellste Formel 1-Rennen der Geschichte. Hamilton bremste 2018 ein Safety Car, das drei Runden lang das Feld in langsamer Fahrt anführte.

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GP Monaco 1950 & GP Italien 2003: Langsamster und schnellster Grand Prix

Prinz Bira - Maserati 4CLT/48 - GP Monaco 1950
Prinz Bira - Maserati 4CLT/48 - GP Monaco 1950 Louis Chiron - Maserati Milano 4CLT/50 - GP Monaco 1950 Guiseppe Farina - Alfa Romeo 158 - GP Monaco 1950 Juan Manuel Fangio - Alfa Romeo 158 - GP Monaco 1950 11 Bilder
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