Charles Leclerc - Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019 Motorsport Images
Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019 77 Bilder

Wogen bei Ferrari glätten sich

Leclerc kritisiert seine Funksprüche

Ferrari ist wieder wer. Nach drei Siegen in Folge geht Ferrari als Mit-Favorit in den GP Russland. Sebastian Vettel warnt aber, dass noch nicht alle Probleme gelöst sind. Intern wurden die Wogen nach Charles Leclercs Ausrastern am Funk geglättet. Leclerc spricht von einem Fehler.

Das ist eine neue Qualität. Ferrari gilt plötzlich auf jeder Strecke als Siegkandidaten. Seit dem Sieg auf der Anti-Ferrari-Strecke von Singapur scheint nun plötzlich alles möglich. Lewis Hamilton drängt Ferrari auch in Sotschi in die Favoritenrolle: „Es gibt keine Strecke mehr, auf der Mercedes Favorit ist. Der Kurs von Sotschi besteht zu zwei Kilometern aus Geraden. Wir wissen, wie stark Ferrari da ist. Wenn wir Ferrari schlagen wollen, brauchen wir ein perfektes Wochenende. Alles hängt an der Qualifikation. Uns hilft der bessere Rennspeed nichts, wenn im Rennen hinter ihnen liegen.“

Jetzt wird die einstige Stärke des Mercedes zum Problem. Der überragende Abtrieb des W10 wurde auch durch mehr Luftwiderstand erkauft. Solange man in der ersten Startreihe stand und nach dem Start flüchten konnte, war das kein Problem. Wenn man aber gezwungen ist, die Ferrari-Raketen zu überholen, dann ist fehlender Topspeed ein Handikap. In Monza kam Hamilton trotz DRS und Windschatten nicht an Charles Leclerc vorbei.

Die vier Unterschiede zu Singapur

Ferrari versucht, den Ball flach zu halten. Teamchef Mattia Binotto erinnert daran, dass man die Strecke von Singapur nicht mit dem Sochi Autodrom vergleichen könne, auch wenn die meisten Kurven wieder einen rechten Winkel aufweisen. Auf diesen Kurventyp hatte sich Ferrari vor einer Woche perfekt eingestellt. „Wir haben in Summe keine Zeit mehr in den Kurven auf die Mercedes verloren. Es gab ein paar Kurven, wo wir schneller waren, und ein paar, wo sie uns Zeit abgenommen haben.“

Trotz der scheinbaren Ähnlichkeit gibt es vier gravierende Unterschiede zwischen den beiden Strecken. Der Asphalt in Sotschi ist so glatt, dass die Reifen kaum leiden. Auf den härteren Mischungen wäre sogar ein Nullstopp-Rennen möglich. Auf der 5,848 Kilometer langen Strecke wird zu 73 Prozent Vollgas gefahren. In Singapur waren es nur 63 Prozent. Das Abtriebsniveau liegt unter normalen Bedingungen bei 6 von 10. Singapur bedeutet wie Monte Carlo maximaler Anpressdruck. Außerdem hat Pirelli im Vergleich zum letzten Rennen eine Stufe härtere Reifen mitgebracht. Ferraris Lieblingsmischung C5 ist nicht im Angebot.

Vettel warnt davor, nach den drei Siegen jetzt gleich die Bäume in den Himmel wachsen zu lassen: „Das Aero-Paket hat uns mehr Abtrieb gebracht. Dadurch bringen wir die Reifen besser in ihr Fenster. Damit sind wir freier bei der Wahl der Abstimmung. Das macht es einfacher, das Auto auf die Bedürfnisse der einzelnen Strecken abzustimmen. Soweit der positive Effekt. Tatsache ist aber auch, dass wir noch nicht alle unsere Probleme gelöst haben, und dass Mercedes immer noch das schnellere Auto im Rennen hat. Mercedes kann überall gewinnen, wir noch nicht.“

Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
Aktuell

Es gab nur eine Taktik für den Doppelsieg

Die jüngsten Siege haben dem Prügelknaben der ersten Saisonhälfte eine gehörige Dosis Selbstvertrauen gegeben. Jetzt machen plötzlich auch die Ferrari-Strategen alles richtig. Mit vier Tagen Verspätung sieht auch Charles Leclerc ein: „Es war die einzige Taktik, mit der wir Erster und Zweiter werden konnten.“ Deshalb nimmt sich der 21-jährige Monegasse selbst in die Pflicht: „Meine Reaktion im Rennen war unangemessen. Es wird nicht mehr passieren. Das ist die Lehre, die ich aus dem Rennen in Singapur gezogen habe.“

Eine kleine Entschuldigung schiebt Ferraris neuer Superstar hinterher: „Meine Reaktion hat gezeigt, wie sehr ich das Rennen gewinnen wollte. Wenn ich morgens aufwache und abends einschlafe, denke ich nur ans Gewinnen. Da fließt im Auto schon mal Adrenalin und die Emotionen mussten raus. Ich habe aber verstanden, dass ich mir damit keinen Gefallen tue.“ Für Leclerc hat die Singapur-Episode kein Nachspiel. „Wir werden an unserer Taktik nichts ändern. Im Vordergrund steht immer das bestmögliche Ergebnis für das Team.“

Sebastian Vettel gibt seinem jungen Kollegen Rückendeckung. „In seiner Position hätte ich mich auch geärgert, wenn plötzlich ein anderes Auto vor mir liegt. Charles würde nicht auf dem Niveau fahren, auf dem er fährt, wenn da keine Emotionen im Spiel wären. Man sollte die Funksprüche nicht allzu sehr auf die Goldwaage legen. Wir sind der einzige Sport, bei dem die Sportler abgehört werden. Was glaubt ihr, was ihr hören würdet, wenn man mal Fußballer verkabeln würde.“

Gegenleistung für Schützenhilfe in Spa und Monza

Vettel wollte nicht mehr im Detail auf die Entscheidung des Teams eingehen, ihn vor Leclerc an die Boxen zu rufen. Es war ja nicht seine persönliche Entscheidung. „Als ich gehört habe, dass ich an die Boxen kommen soll, wusste ich, dass jetzt mein Rennen richtig beginnt. Deshalb habe ich alles in die erste Runde mit den frischen Reifen reingelegt.“ Leclerc nimmt es nicht übel, dass man ihn darüber nicht informiert hat: „Es hätte keinen Unterschied gemacht. Mein Vorsprung auf Seb war so groß, dass ich davon ausgehen musste, auch mit dem späteren Stopp vor ihm zu bleiben. Keiner konnte ahnen, dass der Undercut so mächtig war. Und Seb ist auch eine unglaubliche Runde aus der Box raus gefahren.“

Als Vettel die Frage gestellt wird, ob er es verstanden hätte, wenn das Team am Ende des Rennens noch einen Platztausch angeordnet hätte, sagt er vielsagend: „Die Entscheidung des Teams war nicht falsch nachdem, was vorher passiert ist.“ Es ist klar, worauf Vettel anspielt. In Spa und Monza leistete er für Leclerc Schützenhilfe, ohne etwas dafür zu bekommen. Da war es nur recht und billig, dass diesmal er an der Reihe war.

Motorsport Aktuell Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019 Hamilton fürchtet Geraden im Sochi Autodrom Mercedes muss in Quali besser werden

Drei Rennen in Folge hat Mercedes gegen Ferrari verloren.

Mehr zum Thema GP Russland
Ferrari - Formel 1 - GP Russland 2019
Aktuell
Max Verstappen - GP Russland 2019
Aktuell
Ferrari - Formel 1 -Technik-Updates - 2019
Aktuell