Leclerc gegen Magnussen

„Will wissen, was erlaubt ist“

Charles Leclerc - GP Russland 2018 Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Charles Leclerc hat Recht bekommen. Auch FIA-Rennleiter Charlie Whitring stuft das Manöver von Kevin Magnussen in Suzuka als gefährlich ein. Magnussen redet sich jetzt mit schlechter Sicht nach hinten heraus.

Die Szene ging beinahe unter. Charles Leclerc war beim GP Japan besser aus der Schikane gekommen, biss sich im Windschatten von Kevin Magnussens HaasF1 fest und scherte dann mit entsprechend Überschuss nach rechts aus. Der US-Ferrari vor ihm machte die gleiche Bewegung. Es kam zum Auffahrunfall, der den Sauber den Frontflügel und den HaasF1 den linken Hinterreifen kostete.

Aus Leclercs Sicht war das Manöver eine Abwehrreaktion. „Kevin hat mich im Rückspiegel beobachtet. Als ich mich für eine Seite entschieden hatte, ist er auf die gleiche Seite gefahren.“ Magnussen widerspricht. „Wir beide sind im gleichen Augenblick auf die gleiche Seite gezogen. Das war ein unglücklicher Zwischenfall, bei dem keiner etwas falsch gemacht hat.“

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Das sieht Leclerc ganz anders. „Magnussen hätte eine Strafe verdient gehabt. Er hat das gleiche mit mir gemacht wie in Barcelona. Damals bekam er eine Strafe, diesmal nicht. Das muss mir einer erklären.“

Die Begründung der Sportkommissare für einen „normalen Rennunfall“ kann Leclerc nicht nachvollziehen: „Ich bin nicht der Meinung, dass wir uns gleichzeitig für die gleiche Seite entschieden haben. Er hat sein Auto genau vor meines gesetzt. Für mich war das ein gefährliches Manöver. Wenn du so dicht aufschließt, hast du so viel Überschuss und dein Auto so wenig Abtrieb, dass du nicht mehr reagieren kannst.“

Leclerc spricht bei Whiting vor

Charles Leclerc hat den Fall persönlich bei FIA-Rennleiter Charlie Whiting vorgebracht. „Charlie soll sagen, was erlaubt ist und was nicht. Ich will wissen, wie weit ich gehen kann. Es wäre zwar nicht der richtige Weg, aber ich kann in Zukunft auch so fahren. Und ich will abschätzen können, wie der Typ vor mir unter Umständen reagiert. Wenn du mit aktiviertem DRS aufschließt, will ich auf alles vorbereitet sein. Ich will wissen, was mich schlimmstenfalls erwartet, wenn ich mit einem anderen Fahrer im Zweikampf bin.“

Kevin Magnussen - GP Japan 2018 Foto: sutton-images.com
Magnussen überstand die Kollision auch nicht unbeschadet.

Die FIA prüfte den Fall ein zweites Mal und kam dann zu dem Schluss, dass die Sportkommissare in Suzuka zu milde geurteilt haben. Whiting erzählte beim Fahrerbriefing vor versammelter Mannschaft. „Wir haben uns den Unfall noch einmal angeschaut und müssen zugeben, dass Magnussen nicht gleichzeitig, sondern mit Verzögerung auf Leclercs Überholmanöver reagiert hat. Das werden wir beim nächsten Mal nicht mehr tolerieren. Noch Einwände?“

Magnussen meldete sich: „In den Rückspiegeln ist es schwer zu erkennen, wie nah der Gegner dran ist.“ Whiting belehrte den Dänen: „Nächstes Jahr ist das keine Ausrede mehr. Dann kommen die Spiegel an eine Stelle am Auto, wo die Sicht nach hinten nicht mehr beeinträchtigt ist.“ Sauber-Teammanager Beat Zehnder zweifelt: „Die Cockpit-Aufnahmen zeigen ziemlich deutlich, dass Magnussen im Rückspiegel das Auto hinter ihm beobachtet.“

Magnussen bleibt jedoch dabei. „Das war keine Absicht. Ich habe ja selbst dafür mit einem Reifenschaden bezahlt.“ Auf Expertenmeinungen wie die von Jacques Villeneuve, der den Dänen am liebsten für die Aktion gesperrt hätte, gibt Magnussen nicht viel. „Ich habe mich an diese Diskussionen gewöhnt.“ Der HaasF1-Pilot sieht auch keinen Grund, seine Fahrweise zu ändern. „Ich gehe in allen Bereichen ans Limit. Auch auf der Rennstrecke. Und das kommt eben dabei heraus. Ich werde nie ein Fahrer sein, der sich so einfach überholen lässt.“ Nico Hülkenberg dagegen findet es richtig, dass die FIA in Zukunft da eine klare Linie fährt. „Irgendwann fliegt bei so einer Nummer einer mal durch die Luft. Wenn das in Baku passiert, landest du in irgendeinem Wohnzimmer.“

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