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Eddie Irvine - Ferrari - Mika Häkkinen - McLaren - GP Malaysia 1999
Eddie Irvine - Michael Schumacher - Ferrari - GP Malaysia 1999
Eddie Irvine - Michael Schumacher - Mika Häkkinen - GP Malaysia 1999
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Letzter Zapfenstreich für Malaysia

Leitblech-Skandal, halbe Punkte und Multi 21

Die Formel 1 fährt zum 19. Mal in Malaysia. Dann verabschiedet sich Sepang vom GP-Kalender. Wir blicken zurück auf fast zwei Jahrzehnte, die mit dem Leitblech-Skandal um Ferrari begannen und zuletzt den tragischen Motorschaden von Lewis Hamiltons hervorbrachten.

Der GP Malaysia steht für eine neue Ära. Es war der erste Grand Prix, der in einer Gegend stattfand, die mit Motorsport nicht viel am Hut hatte. Der erste auf dem asiatischen Festland. Und Sepang war die erste echte Retortenpiste aus der Feder von Hermann Tilke. Heute kommt einem der Kurs an der Peripherie des internationalen Flughafens von Kuala Lumpur im Vergleich zu Shanghai, Bahrain oder Abu Dhabi gar nicht mehr wie Retorte vor. Eher wie eine Rennstrecke aus der alten Zeit.

Das Rennen unter Sauna-Temperaturen hat trotz der anspruchsvollen Streckenführung nie große Begeisterungsstürme im Zirkus ausgelöst. Ihm fehlt es an Atmosphäre. Malaysia hat seinen Grand Prix nie richtig adoptiert. Auch wenn sich hin und wieder Polit-Größen in der Startaufstellung die Ehre gaben. Der Veranstalter meldete zwar fast jedes Jahr neue Rekordbesuche, doch bei einem Blick auf die Tribünen und Naturplätze fragt man sich jedes Mal, wo diese Zahlen herrühren. Die Schönrechnerei grenzt schon fast an die DTM-Arithmetik.

Häkkinen war für fünf Tage Weltmeister

Die Rennen in Sepang hätten durchaus mehr Zuschauer verdient gehabt. In den vergangenen 18 Jahren ist viel passiert. Auf und neben der Rennstrecke. Schon das Debüt am 17. Oktober 1999 sorgte für einen Skandal, der noch bis heute nachwirkt. Es war der Grand Prix, an dem Michael Schumacher 96 Tage nach seinem Beinbruch in Silverstone ein Comeback feierte. Als Wasserträger für die zwischenzeitliche Nummer 1 Eddie Irvine. Schumacher spielte seine Rolle perfekt. Er blockte Mika Häkkinen ab, damit Irvine gewinnen konnte.

Eddie Irvine - Michael Schumacher - Mika Häkkinen - GP Malaysia 1999
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Eddie Irvine siegte in Malaysia 1999. Ferrari wurde disqualifiziert, ging aber erfolgreich in Berufung.

Doch zwei Stunden nach dem Grand Prix schlug die Feierstunde bei Ferrari in blankes Entsetzen um. Die Sportkommissare teilten in einem fünfzeiligen Schreiben mit, dass sie beide Ferrari wegen illegaler Leitbleche disqualifiziert hatten. McLaren hatte den Fehler schon ein Rennen früher am Nürburgring entdeckt, den WM-Gegner aber erst zum passenden Moment bei der FIA verpfiffen. Der Disqualifikationsgrund war eine Petitesse. Die oben nach außen gewölbten Leitbleche wurden nicht vollständig durch die Bodenplatte abgedeckt. Es ging um drei Zentimeter, auf denen die Unterdeckung fehlte.

Mit der Disqualifikation war Mika Häkkinen Weltmeister. Für fünf Tage. Ferrari ging in Berufung. Eine Woche später waren die beiden Ferrari wieder zurück in der Wertung. Es war ein juristisches Meisterstück, das mit Fertigungstoleranzen argumentierte. Die Rehabilitation hinterließ dennoch einen bitteren Beigeschmack. Die FIA musste sich damals den Vorwurf gefallen lassen, sie wolle nur Ferrari zum WM-Titel verhelfen, auf den die Roten schon seit 1979 warteten. Es wurde wieder nichts draus.

Der Beginn der Spionage-Affäre

2000 durfte Ferrari endlich feiern. Die Fahrer-WM hatte Michael Schumacher schon in Suzuka sichergestellt. Beim Finale in Malaysia gab es die Zugabe. Mit einem Sieg und einem dritten Platz holten Michael Schumacher und Rubens Barrichello auch den Konstrukteurs-Titel nach Maranello. Und feierten das Meisterstück mit roten Perücken auf dem Podium.

2000 war der GP Malaysia der letzte Grand Prix im Kalender. Nur 146 Tage später fand in Sepang das zweite Rennen der Saison 2001 statt. Ferrari lähmte die Konkurrenz mit drückender Überlegenheit. Nach einem Platzregen landeten die beiden Ferrari erst in der Wiese und dann in der Box. Allerdings in der falschen Reihenfolge: Barrichello vor Schumacher. Es lagen aber nur Reifen für den Chefpiloten bereit. Bis alles wieder sortiert, Barrichello abgefertigt und auch Schumacher versorgt war, vergingen 1.56 Minuten. Trotzdem landete Ferrari einen Doppelsieg.

Rubens Barrichello - Michael Schumacher - Ferrari - GP Malaysia 2001
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2001: Falsche Reihenfolge an der Box - Ferrari gewann trotz Zeitverlust dennoch.

2002 unterbrach Ralf Schumacher im Williams-BMW die Ferrari-Monotonie. Für Diskussionsstoff sorgte aber eine Kollision zwischen Michael Schumacher und seinem neuen Erzfeind Juan Pablo Montoya. Wenn einer schuld war, dann Schumacher. Doch Montoya wurde bestraft. Der Kolumbianer bedachte die Sportkommissare über den Funk mit deftigen Flüchen. Es war der Anlass für die TV-Anstalten den Piepton einzuführen, wenn Piloten am Funk nicht jugendfreie Worte benutzten.

2003 war das Jahr der jungen Wilden. Fernando Alonso krönte sich mit 21 Jahren und 236 Tagen zum jüngsten Fahrer, der je auf der Pole Position stand. Kimi Räikkönen gewann im 34. Anlauf seinen ersten Grand Prix.

Vier Jahre später feierte Alonso einen unspektakulären Sieg im McLaren-Mercedes. Auftaktsieger Ferrari war flügellahm. McLaren führte es darauf zurück, dass Ferrari den Unterboden modifizieren musste. McLaren hatte den WM-Gegner angeschwärzt. Die Kufe des Bodens war zu biegsam. Der Tipp an Chefingenieur Mike Coughlan kam von Ferrari-Werkstattchef Nigel Stepney. Es war der Beginn der Spionageaffäre.

Multi 21 verdirbt Red Bull die Laune

2009 wurde das Rennen nach 31 von 56 Runden wegen eines Gewittersturms mit dem Stand Jenson Button vor Nick Heidfeld und Timo Glock abgebrochen. Die Fahrbahn stand so unter Wasser, dass selbst Safety Car-Fahrer Bernd Mayländer Mühe hatte, das Auto auf der Straße zu halten. Nach 45 Minuten Warten auf besseres Wetter wurde der Grand Prix beendet. Zum fünften Mal in der Geschichte gab es nur halbe Punkte. Und Bernie Ecclestone erhielt die Quittung dafür, dass er die Startzeit den europäischen TV-Anstalten zuliebe auf 17 Uhr gelegt hatte. Da gab es keinen Spielraum mehr nach hinten.

Fernando Alonso - Ferrari -  GP Malaysia 2012
Wolfgang Wilhelm
Fernando Alonso überraschte 2012 mit dem Sieg. Ebenso wie Sergio Perez im Sauber auf dem zweiten Rang.

Regen schrieb auch das Drehbuch des GP Malaysia 2012. Nach 8 Runden wurde das Rennen wegen einer überfluteten Piste für 51 Minuten unterbrochen. Fernando Alonso landete im Ferrari einen Überraschungssieg. Der Ferrari F2012 war bereits als Flop abgestempelt. Die italienischen Medien forderten eine Neukonstruktion. Doch im Regen war die rote Diva wie verwandelt. Alonso musste nur einen Gegner fürchten, und der fuhr da vorne genauso unerwartet herum wie der Spanier selbst. Sergio Perez verspielte einen möglichen Sieg für Sauber durch einen Fehler bei der Aufholjagd auf Alonso. Der Mexikaner wurde noch Zweiter.

2013 stand ganz im Zeichen von Multi 21. Diese Nachricht wurde Mark Webber und Sebastian Vettel nach ihren letzten Boxenstopps vor die Nase gehalten. Der Code bedeutete, dass Startnummer 2 vor Startnummer 1 ins Ziel fahren sollte: Vettel hielt sich nicht an den Befehl und überholte seinen gutgläubigen Teamkollegen. Nach dem Rennen gab es Zoff im Red Bull-Camp. Vettel entschuldigte sich beim Team, nicht aber bei Webber: „Er hat es nicht verdient, dass ich ihm einen Sieg schenke.“ Im Rücken der Red Bull-Piloten exerzierte auch Mercedes Stallregie. Nutznießer Lewis Hamilton meinte hinterher zu Teamkollege Nico Rosberg: „Den dritten Platz hättest eigentlich du verdient.“ Da waren die beiden noch Freunde.

2015 feierte Sebastian Vettel seinen ersten Ferrari-Sieg. Ein Triumph mit offenem Visier. Bei 62 Grad Asphalttemperatur schmolzen den Mercedes die Reifen dahin. Ferrari kam mit einem Boxenstopp weniger über die Distanz. Auch ein Jahr später kassierte Mercedes eine Niederlage in der Waschküche von Sepang. Nico Rosberg wurde beim Start von Sebastian Vettel umgedreht. Es reichte für Rosberg noch zu Platz 3. Lewis Hamilton verlor die Führung durch einen Motorschaden. Das Red Bull-Duell um den Sieg gewann Daniel Ricciardo gegen Max Verstappen.

Mit dem GP Malaysia 2017 geht das Kapitel Sepang zu Ende. Das Rennen war ein Verlustgeschäft, das die Regierung nicht länger tragen mochte. Auf der Rennstrecke könnte es noch einmal hoch hergehen. Die Hitzeschlacht kann erneut eine Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft bringen. Vettel muss unbedingt Punkte auf Hamilton gutmachen.

In der Galerie blicken wir noch einmal zurück auf die Highlights der Rennen in Malaysia.

Motorsport Aktuell sutton-images (oben) / Wilhelm (unten) Formel-1-Rundenzeiten-Vergleich 2016/2017 So viel schneller ist die Formel 1

Die Formel 1 bricht in diesem Jahr Rekorde.

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