Lewis Hamilton F1-Weltmeister 2018

Auf dem Weg zum Schumacher-Status

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018 Foto: xpb 83 Bilder

Lewis Hamilton ist F1-Weltmeister 2018. Mit dem vierten Platz in Mexiko krönte sich der Mercedes-Pilot erneut zum Champion. Das Geheimnis des Erfolgs liegt in einem starken Charakter und einem starken Team, in dem Hamilton seine Qualitäten perfekt ausspielen kann.

Der fünfte WM-Streich ist vollbracht. Es ist der Titel, der Lewis Hamilton auf die Fangio-Ebene hebt. Bis zu Michael Schumachers Bestmarke ist es noch ein Weilchen, wenn überhaupt. Aber bei der aktuellen Vertragslage durchaus möglich. Mit solchen historischen Vergleichen muss man dem einsamen WM-Spitzenreiter aber nicht kommen. Natürlich schmeicheln sie ihm, er hat sie auch verdient, aber was ihn viel mehr antreibt ist die eigene Ära, die er bei Mercedes geschaffen hat. Auf dem von Schumi gelegten Fundament, und mit einer Zielstrebigkeit, die jener des Kerpeners zu dessen besten Tagen entspricht. Lewis Hamilton ist der moderne Schumacher.

Dazu gibt es unzählige Statistiken, in denen die beiden prozentual ähnlich sind, in einigen ist Hamilton auch selbst schon Spitzenreiter. Was die beiden vor allem verbindet, ist die hohe Rennintelligenz, das Gefühl, im richtigen Moment das Richtige zu tun oder zu fordern. Dazu die große Selbstsicherheit bei Überholmanövern, die Kaltschnäuzigkeit beim Vollstrecken, die Fähigkeit, sofort jede Schwäche des Gegners ausnutzen – wozu der Brite jüngst angesichts der vielen Unpässlichkeiten der Scuderia Vettel reichlich Gelegenheit hatte.

Mercedes wird zum Team Hamilton

Bei all den Erfolgen ist es aber vermutlich das größte Können, nicht zufrieden zu sein oder zu selbstgerecht. Natürlich ist Lewis Hamilton ein Genießer, aber er ist auch einer, der permanent neue Herausforderungen braucht und daher sucht, ob auf der Rennstrecke oder dem Laufsteg. In diesem Jahr hat er Bemerkenswertes geschafft, und damit ist nicht vorrangig seine eigene Modekollektion gemeint, sondern die Ideallinie auf und an der Strecke.

Lewis Hamilton - Mercedes  - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2018 Foto: xpb
Hamilton ist 2018 gereift. Er ist ein echter Teamleader geworden.

Aus dem Mercedes-Rennstall ist ein Team Hamilton geworden, er ist tatsächlich zu einem Mannschaftskapitän geworden, auch das eine Parallele zu Schumacher. Die Funksprüche nach der Zieldurchfahrt in Suzuka zeugen davon: „Woohoo, ich liebe Euch, Jungs, und ich liebe es dieses Auto zu fahren. Ich hoffe, Euch langweilten diese Sätze nicht, aber ich erlebe gerade eine großartige Zeit.“ Flehentliche Bitte vom Kommandostand: „Werde nie müde, Lewis, werde nie müde…“

Das Team hat nicht vergessen, dass Hamilton auch während der Phase, als Ferrari deutlich stärker war, zur Truppe gestanden hat. Oder das Lob nach der richtigen Taktik in der Regen-Qualifikation von Japan: „Viele Teams haben kluge Leute, aber unsere Leute machen unter Druck alles richtig, das macht uns zum besten Rennstall der Welt.“

Wolff gibt Hamilton alle Freiheiten

Selbst zu seinem Beifahrer Valtteri Bottas pflegt er ein gutes Verhältnis, als die beiden Silberpfeil-Piloten nach dem Stallorder-Rennen in Sotschi zu einem Zwischenstopp in der Rennfabrik in Brackley weilt, stießen alle zusammen auf den Finnen an. Bei allem nötigen Egoismus in dieser Branche, das ist echtes Teamplay, und unterscheidet sich deutlich zu Hamiltons McLaren-Jahren, als er in der Diktatur von Ron Dennis nicht mehr als Chauffeur sein durfte. Sein heutiger Chef Toto Wolff ist viel zu clever, um die hohe emotionale Intelligenz des 33-Jährigen brach liegen zu lassen. Ausnahme-Rennfahrer, Ausnahme-Mensch.

Toto Wolff & Lewis Hamilton - Formel 1 - GP USA - Austin - 20. Oktober 2018 Foto: sutton-images.com
Toto Wolff lässt seinem Star alle Freiheiten.

Hamilton und Wolff verbindet eine gefestigte, starke Beziehung, nicht nur weil jeder weiß, wie sehr er den anderen braucht. Nach dem Rückzug von Nico Rosberg mussten die Rollen bei Mercedes neu definiert werden. Der Rennstall brauchte mehr denn je einen starken Nummer-Eins-Fahrer, andererseits lässt sich kein Team alles vom Piloten diktieren. Aber in einem stundenlangen Gespräch in der Wohnküche des Wolffschen Anwesens klärten die beiden die problematische Vergangenheit, die Aussichten für die Zukunft.

Die gemeinsame Racer-Mentalität half ihnen, eins zu werden. „Er muss auf der Strecke Leistung abliefern, alle anderen Freiheiten kann ich ihm geben“, sagt Wolff über den Deal, „denn unser Ziel muss es sein, dass wir das Beste aus den Sportlern herausholen, und dafür müssen wir die besten Rahmenbedingungen schaffen. Da können wir nicht in Klischees und Schubladen denken.“

Superstar, Pop-Ikone, Werbefigur

Für Mercedes ist Hamilton Gold wert, nicht nur sportlich, sondern auch als Werbefigur, da muss er nicht mal in irgendwelchen Spots eine Rolle spielen. Seine Musikleidenschaft, seine Lässigkeit, sein unbändiger Ehrgeiz sind nicht gespielt, und damit für seine Generation auch glaubwürdig. Erfolg macht sexy, der manchmal immer noch jungenhafte Charme auch. Und niemand zelebriert sein Leben so öffentlich wie er, auch wenn ihn das gelegentlich angreifbar macht. Doch selbst das mag seinen Reiz für ihn haben; er liebt die Herausforderung ebenso wie das herausfordern.

Nachdem die rasende Pop-Ikone zu Beginn des Jahres alle seine 3.000 Instagram-Bilder gelöscht hatte, war das nach seinem vierten Formel-1-Titelgewinn auch ein digitaler Neustart. Ein persönlicher Reset, begleitet von typischen Hamilton-Philosophien: „Im Prinzip geht es darum, das Beste aus dem Leben zu machen und positiv zu sein. Man sollte sich deshalb ganz auf sich selbst konzentrieren und versuchen, das Optimum zu erreichen. Dem Geist sind dabei keine Grenzen gesetzt. Denn der Geist ist unheimlich stark.“ Vor allem seiner.

Und nach dem fünften Titel in Mexiko – und in Brasilien dann wohl auch dem fünften für das Mercedes-Team – wird sicher wieder alles von vorne losgehen. Nur der Ansatz von Lewis Hamilton, der bleibt in einem gleich: „Ich habe nie das Gefühl, etwas zu verteidigen. Das wäre für mich ein zu negativer Ansatz.“ Da denkt einer immer nur voraus. Die Fast-Forward-Taste bleibt gedrückt.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die besten Bilder aus der Karriere von Lewis Hamilton auf seinem Weg zum fünften WM-Titel.

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