Esteban Ocon - GP Australien 2020 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen & Alex Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen & Alex Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020 42 Bilder

Hamilton kritisiert Corona-Politik

„Wir tun so, als wäre nichts“

Während sich der Großteil der Fahrer beim Thema Corona-Virus hinter der FIA und den Behörden verschanzt, nimmt Lewis Hamilton die Formel 1 hart in Kritik. Derweil sind immer noch fünf F1-Mitglieder in ihren Hotelzimmern in Isolation.

Soll dieser GP Australien stattfinden oder nicht? Die Regierung des Bundesstaates Victoria und die Stadt Melbourne wollen den Saisonstart unter allen Umständen durchziehen. Auch vor Publikum. Man hat 35 Millionen Dollar für das Rennen bezahlt. 100.000 Zuschauer bringen viel Geld in die Stadt.

Bei einer Absage oder einem Rennen vor leeren Rängen würde die Investition den Yarra River hinunterschwimmen. Lewis Hamilton hatte dafür nur eine Antwort übrig: „Cash is King.“ Da hörte man bereits eine erste Kritik des Weltmeisters an der Durchführung des Rennens durch.

Dann machte Hamilton seinen Zweifeln Luft: „Es fühlt sich komisch an, hier zu sitzen und ein Rennen zu fahren, während der Rest der Welt alles zusperrt. Die NBA hat den Spielbetrieb eingestellt. Die USA haben ein Einreiseverbot ausgesprochen. Hier tun alle so, als wäre es ein ganz normaler Tag. Es ist aber nicht normal. Ich mache mir Sorgen um die Leute hier und hoffe, dass es keine Toten gibt.“

Hamilton sollte wissen: Die Formel 1 lebte schon immer auf ihrem eigenen Planeten. Sie fühlt sich unverwundbar. Das ist die DNA, die Bernie Ecclestone seinem Zirkus eingeimpft hat. Ganz nach dem Motto: Egal, was die anderen sagen, wir machen unser Ding.

Die Königsklasse tourte in den späten 70er und frühen 80er Jahren trotz der verbrecherischen Militärjunta an der Regierung in Argentinien. Und sie fuhr 1985 noch in Südafrika, obwohl viele andere Sportverbände das Land am Kap wegen der Apartheit-Politik geächtet hatten.

In einem geldverzehrenden Geschäft geht es eben für alle auch um viel Kohle. Claire Williams macht sich Sorgen, sollten noch mehr Grand-Prix-Rennen dem Corona-Virus zum Opfer fallen. Für ein kleines Team kann das existenzielle Folgen haben. „Das würde weniger Geld für viele von uns bedeuten. Wir müssen jetzt mit dem F1-Management prüfen, ob es eine Versicherung für ausgefallene Rennen gibt.“

Lewis Hamilton & Daniel Ricciardo - GP Australien 2020
Wilhelm
"Cash is King", kritisiert Lewis Hamilton. Daniel Ricciardo würde bei seinem Heinmrennen natürlich gerne fahren.

Ball liegt bei der FIA und der Regierung

So offen wie Hamilton traute sich bis dahin keiner seiner Kollegen seine Meinung zu sagen. Kimi Räikkönen deutete zwischen den Zeilen immerhin leichte Kritik an: „Ich weiß nicht, ob es richtig ist, dass wir hier ein Rennen fahren. Vielleicht sollten wir nicht hier sein, aber das ist nicht meine Entscheidung.“

Hinter dieser Floskel verschanzten sich fast alle im GP-Zirkus. Auch Lokalheld Daniel Ricciardo: „Der Racer in mir will fahren. Die Entscheidung müssen wir der FIA und der Regierung überlassen. Ich bin zu wenig Experte, um beurteilen zu können, wie hoch die Risiken sind.“

Sebastian Vettel differenzierte: „Es werden rund um die Welt gerade viele Sportveranstaltungen abgesagt. Die Frage an uns ist berechtigt, warum wir hier sind. Aber diese Frage müssen andere beantworten. Wir können nur größte Vorsicht walten lassen. Ich bin nicht die Person, die das entscheiden muss.“

Am Ende, so Vettel, liege es an jedem selbst, zu entscheiden ob er das Risiko eingehen will oder nicht: „Jeder kann sich nur selbst schützen. Ich tue das für mich, so gut ich das kann. Das muss jeder selbst mit sich ausmachen. Viele Leute im Fahrerlager schütteln keine Hände mehr. Andere lachen darüber. Der eine ist relaxt, der andere nicht.“

Sebastian Vettel - GP Australien 2020
Wilhelm
Sebastian Vettel befürchtet, dass bei der ersten Erkrankung im Fahrerlager die Notbremse gezogen wird.

Corona-Ergebnis lässt auf sich warten

McLaren und Haas müssen weiter auf die Freigabe ihrer im Hotel fest sitzenden Mitarbeiter warten. Bei Haas wurden vier Mitarbeiter auf Corona getestet, bei McLaren einer. Ein Ergebnis der Untersuchung liegt immer noch nicht vor.

Haas-Teamchef Guenther Steiner sitzt auf heißen Kohlen: „Die Mechaniker sind Teil der Boxenstopp-Crew. Wir müssen wissen, was mit ihnen ist. Wenn wir auf sie verzichten müssen, ist das für uns ein Kompromiss.“ McLaren berichtet: „Unserem Mann geht es wieder besser. Aber er darf das Hotel nicht verlassen, bis wir ein negatives Ergebnis bekommen.“

Nachdem beiden Teams für Donnerstag früh zugesichert wurde, dass ein Ergebnis bis um 15 Uhr Ortszeit eintreffen soll, heißt es jetzt von den Behörden: „Es kann zwischen 24 und 72 Stunden dauern.“

Verschwörungstheoretiker haben den Verdacht, man lasse sich mit dem Resultat deshalb so lange Zeit, um die Austragung des Grand Prix nicht zu gefährden. Vettel ist sich sicher: „Wenn es Krankheitsfälle im Zirkus gibt, wird die Handbremse gezogen.“

Charles Leclerc bedauert die Formel 1-Fans: „Normalerweise ist vor dem ersten Grand Prix jeder begeistert und wartet gespannt darauf, was passiert. Jetzt redet alles über den Corona-Virus. Das drückt schon auf die Stimmung.“

Auf Autogramme müssen die Fans diesmal verzichten. Die Fahrer halten Abstand zu den Zuschauern und auch zu Interviewpartnern. „Ich leide mit den Fans. Aber sie bringen viel Verständnis für die Situation mit“, hat Alexander Albon festgestellt.

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