Hamilton & Schumacher - GP China 2012 sutton-images.com
Lewis Hamilton Formel 3 2004
Lewis Hamilton Formel 3 2004
Lewis Hamilton Formel 3 2005
Lewis Hamilton GP2 2006 88 Bilder

Hamilton und Schumi im Vergleich

Anpassungsfähigkeit als Stärke

Nach Siegen stehen Lewis Hamilton und Michael Schumacher auf einer Stufe. Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin hat mit beiden Ausnahmefahrern zusammengearbeitet. Der Liverpooler sieht zwischen den beiden Rekordhaltern viele Gemeinsamkeiten im Cockpit.

Die Diskussion ist wieder neu entfacht. Wer ist der beste Rennfahrer der Geschichte? Michael Schumacher und Lewis Hamilton sind jedenfalls nach Siegen die erfolgreichsten. Hamilton zog am Nürburgring mit Schumi gleich. Es steht 91 zu 91. Auch nach WM-Titeln werden beide am Saisonende gemeinsame Rekordhalter sein, wenn die Formel 1 nicht noch völlig verrückt spielt im Corona-Jahr.

Für Sebastian Vettel ist und bleibt Schumacher trotzdem der Größte. "Man kann Lewis für seine Leistungen gar nicht genug würdigen. Aber Michael hatte etwas, was ich bislang bei keinem anderen ausgemacht habe. Wir sind zusammen Kart und beim Race of Champions gefahren. Da habe ich ein besseres Bild bekommen. Sein Fahrgefühl und seine Arbeitseinstellung sind einzigartig. Michael war immer mein Idol und wird es auch bleiben. Ihm habe ich als Kind zugeschaut. Mit Lewis fahre ich gemeinsam."

Unterschiedliche Epochen

Die Frage, wer denn nun der bessere sei, lässt sich objektiv nicht beantworten. Es lässt sich in keiner Sportart ausmachen, wer der Beste der Geschichte ist. Im Fußball nicht, ob Maradona, Pelé oder Messi. Im Basketball nicht, ob jetzt Michael Jordan oder LeBron James. Und in der Formel 1 nicht, ob Fangio, Clark, Senna, Schumacher, Hamilton oder ganz wer anders. Es gibt zwar Statistiken. Aber das sind nur Zahlen, die nicht die einzelnen Geschichte dahinter erzählen.

Jeder prägte sein Zeitalter. Als Schumacher 2006 seinen ersten Rücktritt einreichte, nach sieben WM-Titeln und 91 Siegen, war Hamilton noch nicht einmal in der Formel 1. Als die beiden sich ab 2010 bis 2012 wieder auf den Rennstrecken dieser Welt trafen, war Schumacher nicht mehr in seiner Blüte, und Hamilton noch nicht der Rennfahrer, der er heute ist. "Der Lewis von damals hat nichts mit dem Lewis von heute zu tun", sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Schumachers zweite Ära war nicht von Erfolg gekrönt. Die Formel 1 hatte ihr Gesicht verändert. Plötzlich waren keine Qualifikationsrunden mehr im Rennen angesagt, sondern Reifenschonen. Hamilton schaltete den Nachbrenner erst 2014 ein. Da war Schumacher schon in Rente. Mit dem Wechsel auf V6-Turbo-Hybrid-Motoren begann der Siegeszug von Mercedes. Und der hält bis heute an. Seit sieben Saisons hat Hamilton das beste Auto im Feld. Er hat seine Möglichkeiten fast optimal ausgeschöpft. Nur einmal fuhr im Nico Rosberg in die Parade.

Schumacher & Hamilton - Formel 1 - GP China 2012
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Nur drei Jahre waren Schumacher und Hamilton parallel in der Formel 1 unterwegs.

Fahrstil auf Situation ausgerichtet

Vergleiche zwischen den beiden Ausnahmekönner lassen sich aber trotz der Unterschiede ziehen. Anhand ihrer Arbeitsweise. Anhand ihrer Fahrweise. Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin hat mit Schumacher zusammengearbeitet, und tut es heute mit Hamilton. Der Liverpooler sagt: "Außerhalb des Cockpits sind sie zwei völlig verschiedene Persönlichkeiten. Doch im Auto sind sie sich ähnlicher, als viele glauben würden."

Beide zeichnet eine hohe Anpassungsfähigkeit aus. Man könnte sagen: Es ist einer der wichtigsten Schlüssel für ihre großen Erfolge in einem technischen Sport wie der Formel 1. Die Fähigkeit, sich anzupassen, unterstreicht allein schon die Tatsache, dass Schumacher zwischen 1992 und 2006 in jedem Jahr mindestens einmal gewann. Hamilton gelang dasselbe Kunststück zwischen 2007 und 2020.

Bei beiden haben sich die Autos in dieser Zeit stark verändert. Die Reifen waren mal profiliert, mal nicht. Nachtanken war erlaubt oder nicht. Die Autos waren mal schmal, mal breit. Die Motoren mal Zehnzylinder, dann Achtzylinder (mit KERS) im Fall von Schumi. V8 (mit KERS) oder V6-Turbo-Hybrid im Fall von Hamilton.

Shovlin beschreibt, was Schumacher und Hamilton auszeichnet und verbindet: "Michael war einer, der jedes Tausendstel suchte. Er stellte sich darauf ein, was das Auto verlangte, um schnell zu sein. Die Balance war ihm egal. Wenn ein untersteuerndes Auto die beste Lösung war, hat er sich darauf eingerichtet. Wenn mehr Last auf der Vorderachse besser war, um schnell durch die Runde zu kommen, kam er auch damit klar. Diese Eigenschaften treffen auch auf Lewis zu. Michael und er haben keinen bestimmten Fahrstil. Sie passen sich auf die Situation an."

Der verbesserte Hamilton

Schumachers Renningenieur 2010 bei Mercedes führt weiter aus: "Egal, wie viele Informationen man ihnen in einer Runde an den Kopf wirft. Sie vergessen einfach nichts." Auch bei der Arbeitseinstellung gibt es Parallelen. Schumacher war der Pionier des heutigen Rennfahrers. Immer fit, auch nach mehr als 100 Runden hinterm Lenkrad. "Er hat die physischen Grenzen verschoben", erkennt Hamilton an. Auch der Brite ist ein Arbeitstier, trotz seines Jetset-Lebens. Und einer, der wie Schumacher immer dazu lernt.

"Lewis ist einer der härtesten Arbeiter, die ich kenne. Auch wenn vielleicht viele seiner Gegner meinen, er sei naturgemäß einfach nur sauschnell", führt Shovlin aus. "Man sollte meinen, irgendwann sei sein Repertoire ausgeschöpft. Nein, stattdessen verbessert er sich immer weiter. Es kommt immer eine neue Facette dazu. Jede verlorene Chance muss beim nächsten Mal genutzt werden."

Hamilton hat sich wie Schumacher die Erfolge und das beste Auto im Feld erarbeitet. Und er verteidigt den Thron der Formel 1, indem er nicht stehenbleibt. "Jahr für Jahr sehen wir eine verbesserte Version von dem Fahrer, den wir zuletzt in Abu Dhabi erlebt haben", sagt Shovlin. "Lewis war von Anfang an schnell und in der Lage, Rennen zu gewinnen. Jetzt geht er es taktischer an. Wie er das Jahr nutzt. Wie er an sich arbeitet. Wie er nicht nur danach schaut, seine Fahrweise zu verbessern. Er hat das ganze Bild im Blick."

Ohne eine starke Mannschaft im Rücken würde kein Rennfahrer der Welt auf Dauer glänzen. Das galt für Schumacher und gilt für Hamilton. "Wir haben gelernt, wie wir 100 Prozent aus ihm kitzeln. Und Lewis hat gelernt, wie er aus dem Team das Maximum zieht." Das Ergebnis sind 70 Siege seit dem Zusammenschluss 2013.

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