Lewis Hamilton - Mercedes - GP Niederlande - Zandvoort - Formel 1 - 3. September 2021 Motorsport Images
Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015
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Motor-Problem bei Hamilton: Mercedes unter Druck

Wann wechselt Hamilton den Motor? Mercedes unter Druck

Max Verstappen hat seinen Motorwechsel hinter sich. Lewis Hamilton noch nicht. Er könnte mit seinen zwei Motoren im Pool überleben, doch das Risiko mit alten Aggregaten ist extrem hoch. Weil Mercedes in diesem Jahr ein Problem mit den Motoren hat.

Der zweite Platz in Sotschi von Max Verstappen zählte aus drei Gründen wie ein Sieg. Weil er auf einer Strecke zustande kam, auf der Mercedes das schnellere Auto hatte und mit einem Doppelsieg rechnen durfte. Weil Verstappen von hinten startete. Und weil er seine Motorstrafe schon aus dem Weg geräumt hat. Red Bull zündete für seinen Starpiloten in Russland den vierten Motor.

Das hat Lewis Hamilton wahrscheinlich noch vor sich. Auch wenn er mit zwei verbleibenden Aggregaten in seinem Pool rein theoretisch die restlichen sieben Rennen überleben könnte. Es sind die Antriebseinheiten zwei und drei. Die eine kam in Baku in den Pool, die andere in Spa.

Motor Nummer 1 hatte sechs volle Wochenenden abgespult und einige Freitage, als er in Zandvoort seinen Geist aufgab. Sinkender Öldruck kündigte das Ende an. Das Triebwerk hatte bereits 5.000 Kilometer auf der Uhr. Ein Schaden nach so langer Laufzeit ist eigentlich kein Beinbruch, doch Mercedes hatte im Verlauf der Saison einige Schwächen an seinen Motoren festgestellt, wenn sie älter werden.

Deshalb ist es für Hamilton auch keine Option mit zwei Einheiten in die letzten Rennen zu gehen. Die hätten bis dahin rund 4.000 Kilometer abgespult. Und das erhöht das Risiko eines Ausfalls. Der könnte bei dem engen Duell in der Schlussphase der WM irreparabel sein.

Max Verstappen - Red Bull - GP Russland 2021 - Sotschi
Wilhelm
Platz zwei trotz Motorwechsel - Sotschi fühlte sich für Verstappen an wie ein Sieg.

Vierter Motor für Mercedes-Kunden

Valtteri Bottas musste in diesem Jahr bereits zwei Mal neue Motoren in seinen Pool aufnehmen. Das warf den Finnen in Monza und Sotschi in der Startaufstellung nach hinten. Der Motortausch in Sotschi kam überraschend, zeigt aber wie ernst die Lage ist. Nach den beiden Freitagstrainings entdeckten die Ingenieure am Bottas-Motor verdächtige Daten. Er wurde umgehend zur Inspektion nach Brixworth geschickt.

Um die Qualifikation zu überstehen, kam eine der älteren Einheiten in das Auto mit der Startnummer 77. Mercedes wollte dem Motor aber keine Renndistanz mehr zumuten, und da Bottas sich nur für den siebten Startplatz qualifiziert hatte, ergriff das Team die Gelegenheit, um die Situation durch den Einbau einer fünften Antriebseinheit zu entspannen. Das sollte jetzt bis zum Saisonende reichen, außer es stellt sich heraus, dass Motor Nummer 4 gar nicht mehr einsetzbar ist.

Nicht nur im Werksteam ist die Motorensituation angespannt. Nicholas Latifi musste in Sotschi auf das vierte Triebwerk umsteigen und wanderte ebenfalls ans Ende der Startaufstellung. George Russell wird auch nicht um eine Motorstrafe herumkommen. Er wechselte außerplanmäßig schon bei den Österreich-Rennen auf das dritte Aggregat.

Sebastian Vettel beklagte in Zandvoort einen Motorschaden. McLaren musste in Sotschi zwischenzeitlich auf ein älteres Triebwerk zurückrüsten, weil es einen Alarm gab. Das Problem konnte behoben werden. Trotzdem rechnen McLaren und Aston Martin aufgrund des aktuellen Bestandes im Kontingent mit jeweils einem vierten Motor für Norris, Ricciardo, Vettel und Stroll.

Die aktuelle Antriebsmisere ist ungewöhnlich für den Musterknaben der Hybridära. Kein Hersteller kassierte weniger Strafen pro Fahrer als Mercedes. Kein Antrieb hatte über die Jahre so wenig Schäden. Und jetzt das.

Red Bull-Sportchef Helmut Marko führt die Motorenmisere des Gegners auch auf die eigene Stärke zurück. "Früher hatte Mercedes leichtes Spiel. Sie haben die ersten paar Runden im Rennen Gas gegeben und dann die Motoren im Schongang betrieben. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt müssen öfter und länger in einem höheren Modus fahren. Und schon kommen die Probleme."

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi
Wilhelm
Im Mercedes-Heck steckt dieses Jahr der Wurm drin.

Letzte Frist ist Brasilien

Jetzt wird im Fahrerlager eifrig spekuliert, wo die Schwachstelle bei den Mercedes-Motoren liegt. Red Bull will etwas von der Kurbelwelle und den Ventilsitzen gehört haben, und dass die älteren Motoren von Mercedes überproportional viel Power mit zunehmender Kilometerleistung verlieren. Das wird von Mercedes nicht bestätigt. Teamchef Toto Wolff erklärt: "Es sind Kleinigkeiten, dummerweise immer andere. Es ist kein eindeutiges Muster erkennbar."

Offensichtlich will Mercedes mit dem Motorwechsel so lange warten, bis die gröbsten Baustellen erkannt und aus der Welt geschafft sind. Sonst würde Hamilton das Problem bei einem zu frühen Einsatz eines vierten Motors mit durch den Rest der Saison schleppen.

Der Motorwechsel in Sotschi hätte sich theoretisch angeboten, weil Verstappen von hinten startete und Hamilton nur auf dem vierten Startplatz stand. "Dagegen sprach, dass wir trotzdem noch an seinen Sieg geglaubt haben, und dass wir seit Silverstone nicht mehr gewonnen hatten. Wir brauchten diesen Sieg für die Moral der Truppe", erzählten die Ingenieure.

Jetzt wird der perfekte Zeitpunkt für den Tausch gesucht. Ideal wäre natürlich ein Rennwochenende zu nehmen, bei dem im Qualifying etwas schiefläuft und der Fahrer nicht auf seinem angestammten Platz an der Spitze startet. Dummerweise lässt sich das nicht planen. Genauso wenig wie das Schicksal des WM-Gegners.

Also muss man sich sowieso eine gewisse Flexibilität bewahren. Man darf aber auch nicht zu lange warten. Der GP Brasilien ist die letzte Frist. In den letzten drei Rennen der Saison will keiner einen schlechten Startplatz ausbügeln müssen.

Die Ingenieure sehen den Fall nüchtern. "Es wird wahrscheinlich nicht in der Türkei passieren, außer Lewis hat da ein Problem. Da rechnen wir mit einem engen Rennen gegen Red Bull. Danach muss es aber über die Bühne gebracht werden. Du versuchst es so zu legen, dass es auf einer Strecke stattfindet, auf der du entweder besonders stark oder schwach bist. Oder wenn Regen kommt. Mexiko wird wegen der Höhenlage eine Red Bull-Strecke sein. Interlagos vielleicht auch." Auf beiden Strecken kann man auch überholen.

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