Lewis Hamilton - GP Russland 2020 xpb
Lewis Hamilton Formel 3 2004
Lewis Hamilton Formel 3 2004
Lewis Hamilton Formel 3 2005
Lewis Hamilton GP2 2006 88 Bilder

Lewis Hamilton vor Schumi-Rekord

„Gibt wichtigere Themen“

Lewis Hamilton kann in Russland mit Michael Schumachers Bestmarke von 91 Siegen gleichziehen. Während der Rekordmann vom Rest der Formel-1-Welt mit Lob überschüttet wird, sieht Hamilton die Sache selbst eher gelassen.

In der Formel 1 werden ständig irgendwelche neuen Bestmarken aufgestellt. Doch in der Kategorie "meiste Siege" gab es in den letzten 50 Jahren nur wenig Bewegung in der Statistik. 1973 löste Jackie Stewart mit seinem 26. Erfolg in Zandvoort seinen schottischen Landsmann Jim Clark ab. Clark hatte sich fünf Jahre am oberen Ende der Liste halten können.

Danach mussten die Fans bis zum GP Belgien 1987 warten, bis sich wieder ein neuer Fahrer zum Rekordsieger krönen durfte. Alain Prost fuhr in Portugal Sieg Nummer 28 ein und übernahm damit das Zepter in der Rangfolge. Der französische Professor stand anschließend noch 23 Mal ganz oben auf dem Podest. So hatte der Rekord von 51 Siegen immerhin bis ins neue Jahrtausend Bestand.

Doch dann legte Michael Schumacher richtig los. In Budapest zog der Kerpener 2001 mit Sieg Nummer 51 gleich. Seit dem Sieg beim GP Belgien wenige Wochen später thronte Schumi dann ganz einsam an der Spitze. Bis zur Saison 2006 schraubte er die Bestmarke auf sagenhafte 91 Siege nach oben – eine Marke, die damals viele für unerreichbar hielten.

Schumacher & Hamilton - Formel 1 - GP China 2012
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Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Lewis Hamilton Michael Schumacher als Rekordsieger ablöst.

Hamilton übernimmt den Staffelstab

Doch bald, gut 14 Jahre später, wird der Titel "Rekordsieger" wieder neu vergeben. Lewis Hamilton hat es mit einer beispiellosen Erfolgsserie in den vergangenen sieben Jahren auf insgesamt 90 Siege gebracht. Ein weiterer Erfolg in Sotschi am kommenden Wochenende und der Brite würde mit Schumi gleichziehen. Ausgerechnet am Nürburgring könnte Hamilton dann alleiniger Rekordhalter werden.

So weit will der Engländer aber gar nicht denken. Schon der Sieg in Russland werde eine harte Nuss: "Ich habe noch jede Menge Arbeit vor mir, bis es soweit ist. Valtteri war auf dieser Strecke immer gut. Und auch Red Bull hat im letzten Jahr einen starken Eindruck hinterlassen. Das wird eine große Aufgabe, hier zu gewinnen", hält der Weltmeister den Ball flach.

Besonders viel nachgedacht hat Hamilton nach eigener Aussage noch nicht über den Rekord: "Ich weiß gar nicht, was es mir bedeuten wird und wie ich mich fühlen werde. Für mich ist es einfach ein normales Rennwochenende. Ich kann auch gar nicht sagen, warum mir Zahlen nicht so viel bedeuten. Es ist natürlich eine große Ehre. Aber es gibt so viele wichtigere Themen in der Welt da draußen. "

Lewis Hamilton - GP Toskana  - Mugello - Formel 1 - 2020
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Wann schnappt sich Hamilton den Rekord? Und wie lange hält sich der Brite an der Spitze der ewigen Liste?

Wertvoller Schumi-Helm

Schumacher wurde von Hamilton nie als ein großes Idol angesehen. Die ersten Erinnerungen sind deshalb auch schon ziemlich verblasst: "Wahrscheinlich ist es das Rennen in Imola, bei dem Ayrton (Senna) gestorben ist. Wir hatten nie eine besondere Beziehung. Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich mal bei ihm auf der Kartbahn in Kerpen gefahren bin, als er auch dort war. Das war natürlich schon etwas Besonderes."

Besser in Erinnerung geblieben ist eine Begegnung beim Rennen in Abu Dhabi viele Jahre später, als Hamilton bereits für McLaren in der Königsklasse unterwegs war: "Wir haben damals die Helme getauscht. Es war eine große Sache für mich, dass sich Michael Zeit für mich genommen hat. Jetzt ist es der wertvollste Helm in meiner Sammlung."

Kurz vor der Übernahme des Rekords weiß Hamilton natürlich auch, beim wem er sich zu bedanken hat. Das Mercedes-Team stellte ihm in den letzten Jahren stets ein siegfähiges Auto zur Verfügung: "Ich sehe mich nur als kleines Glied in einer langen Kette. Bei uns arbeiten so viele tolle Leute, die immer wieder fantastische Sachen erfinden und immer nach Perfektion streben. Valtteri und ich versuchen lediglich die Rolle am Ruder zu übernehmen, um die Entwicklung in die richtige Richtung zu steuern."

Hamilton & Bottas - GP Belgien 2020
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Valtteri Bottas will seinem Teamkollegen noch etwas zappeln lassen.

Hamilton-Rekorde voll verdient

Während sich Hamilton selbst bescheiden gibt, kannte die Konkurrenz nur Lob für den sechsfachen Weltmeister. Wir haben in Sotschi einige Stimmen zum anstehenden Machtwechsel eingeholt:

Valtteri Bottas: "Ich versuche natürlich alles, dass er den Rekord hier noch nicht feiern kann. Aber es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis es passiert. Das sind wirklich großartige Zahlen, von denen wir hier sprechen. Er wird vielleicht erst später richtig realisieren, was es bedeutet, wenn er mal etwas anderes macht und auf diese Zeit zurückblickt."

George Russell: "Natürlich hatte er immer gute Autos. Aber er hatte auch immer starke Teamkollegen, die er in neun von zehn Fällen geschlagen hat. Ich habe großen Respekt vor den Leistungen von Schumacher. Ich freue mich aber auch für Lewis, dass er sich die Rekorde jetzt schnappt."

Esteban Ocon: "Das ist wirklich verrückt. Michael war immer mein Idol. Als ich mit dem Kartfahren begonnen habe, hat er alles dominiert. Wir haben damals gedacht, dass die Rekorde lange Bestand haben. Und jetzt ging es doch relativ schnell. Ich hatte letztes Jahr bei Mercedes die Gelegenheit, enger mit Lewis zu arbeiten. Das war wirklich beeindruckend. Es ist voll verdient, wenn er jetzt die Rekorde bricht."

Daniel Ricciardo: "Es ist einfach zu sagen, dass ihm Mercedes das Leben leicht gemacht hat. Aber man muss auch bedenken, dass er jedes Jahr den Druck hatte, Siege und Titel abzuliefern. Das ist nicht einfach. Deshalb ziehe ich meinen Hut vor den Leistungen von Lewis."

Romain Grosjean: "Diese Konstanz ist auch eine unglaubliche Leistung von Mercedes. Ich sehe nicht, dass sich nächstes Jahr etwas am Kräfteverhältnis ändern wird. Deshalb erwarte ich fest, dass Lewis dann achtfacher Champion sein wird."

Alexander Albon: "Ich habe natürlich früher zu ihm aufgeschaut – nicht nur auf seine Leistungen auf der Strecke, sondern auch, wie er außerhalb gearbeitet hat. Seine Arbeitseinstellung und die Art, wie er mit seinem Team interagiert hat – da gab es für junge Fahrer viel abzuschauen."

Sebastian Vettel: "Für mich schienen seine Rekorde immer unerreichbar. Jetzt habe ich gemischte Gefühle. Ich bin natürlich etwas traurig, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Rekorde gebrochen werden. Michael ist immer noch mein Hero. Aber gleichzeitig freue ich mich auch für Lewis. Er hat es natürlich verdient."

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