Lewis Hamilton - GP Mexiko 2017 xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP USA - Austin - 20. Oktober 2018
Lewis Hamilton Formel 3 2004
Lewis Hamilton Formel 3 2004
Lewis Hamilton Formel 3 2005
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Lewis Hamilton im Weltmeister-Porträt

Der beste Hamilton aller Zeiten

Lewis Hamilton ist zum vierten Mal Weltmeister. In seiner elften Formel 1-Saison fuhr der frischgebackene Champion wie von einem anderen Stern – und ließ Mercedes dabei besser aussehen, als die Silberpfeile eigentlich waren.

Dieses Finale hätte sich Lewis Hamilton sicher etwas anders vorgestellt. Nach dem Plattfuß in der ersten Runde rollte Lewis Hamilton beim GP Mexiko nur auf Rang 9 über die Linie. Doch das war am Ende allen im Mercedes-Lager egal. Im Gegensatz zur Situation vor 12 Monaten war die Entscheidung in dieser Saison schon deutlich früher gefallen. Die Frage lautete nur noch, wo Hamilton den Sack zumacht.

Toto Wolff musste sich dieses Mal nicht mit internen Scharmützeln rumärgern. Das Silberpfeil-Team hat mittlerweile wieder eine klare Nummer 1: Lewis Hamilton. Vor allem in der zweiten Saisonhälfte überragte der neue Champion alle seine Konkurrenten – sowohl außerhalb und innerhalb seines eigenen Teams. Dass Ferrari beim Asien-Trip in Singapur, Malaysia und Suzuka ein Eigentor nach dem anderen schoss, soll die Leistung des neuen Titelträgers nicht schmälern. Hamilton ist ein verdienter Champion. Daran gibt es keine Zweifel.

Immer wenn sich Mercedes in einer schwierigen Situation befand, brachte Hamilton den bockigen Silberpfeil wieder auf Kurs. In Belgien war Ferrari mindestens ebenbürtig. Bei den drei Asien-Rennen hatte Red Bull im Rennen zumeist das schnellere Auto. Doch vor allem mit fantastischen Qualifying-Runden hielt der 32-Jährige seine Rivalen stets im Rückspiegel.

Hamilton fast perfekt zum vierten Titel

Hamilton hatte sich mit dem unrealistischen Ziel aus der Sommerpause zurückgemeldet, bis zum Saisonende jedes Rennen gewinnen zu wollen. Für die tollkühne Ankündigung erntete er zunächst Hohn und Spott im Fahrerlager. Doch am Ende wäre ihm die perfekte zweite Hälfte fast geglückt.

Hamilton verliert nicht gern. Und schon gar nicht, wenn er chancenlos ist – wie beim unverschuldeten Plattfuß im Duell mit Sebastian Vettel in Mexiko oder bei der Niederlage gegen Max Verstappen in Malaysia, als der Mercedes einfach nicht schnell genug war. Doch auch in den Niederlagen zeigte der Mann aus Stevenage seine Reife. Der zu Beginn seiner Karriere noch oftmals so ungestüme Mercedes-Pilot ließ sich nicht in riskante Zweikämpfe verstricken, sondern sicherte routiniert die wichtigen Punkte für den Titel ab.

Hamilton mit sich und Mercedes im Reinen

Seit Hamilton seine Form noch einmal auf ein neues Niveau geschraubt hat, wird er ständig gefragt, was der Auslöser dafür war. Am Rande des Rennens in Austin wurde der 62-fache GP-Sieger zum ersten Mal etwas gesprächiger. Teil 1 von der Wandlung zu Hamilton 2.0 war ein langes und intensives Gespräch mit Teamchef Toto Wolff. „Wir haben ein paar Kontroversen ausgeräumt, die im letzten Jahr entstanden sind und daraus eine neue Form der Zusammenarbeit aufgebaut.“

Was genau vorgefallen war, will Hamilton nicht sagen, doch man kann herauslesen, dass es etwas mit dem internen Duell mit Nico Rosberg zu tun hatte. Mit dem Tausch der Mannschaften am Auto. Und wahrscheinlich auch mit der Kritik des Teams nach den Taktik-Spielchen beim Finale in Abu Dhabi, er, Hamilton sei in diesem Fall ein bisschen zu selbstsüchtig gewesen und hätte nicht ans Team gedacht.

Hamilton ließ durchblicken, dass ihn die Zweikämpfe mit Ferrari und Red Bull, mit Vettel und Verstappen viel mehr motivieren als der drei Jahre währende Zwist im eigenen Haus. „Wenn du immer nur gegen deinen Teamkollegen kämpfst, ist das wie ein Hurrikan. Der Sturm bleibt im Haus und dreht sich im Kreis.“

Im Vergleich dazu sei auch der Schlagabtausch mit Valtteri Bottas viel erfrischender, weil offener. „Valtteri und ich haben keiner Geheimnisse voreinander. Oft tauschen wir uns noch kurz vor dem Rennen aus, in welche Richtung wir mit der Balance gehen. Es ist ein ehrliches Duell. Valtteri will mich aus eigener Kraft schlagen und Rennen gewinnen. Er sucht keine Ausreden, sondern nimmt sich in die Pflicht. Ich kann mit ihm mitfühlen, wenn er gerade Probleme hat. Dieses Auto ist bei Gott nicht einfach zu fahren. Als Neuling im Team tut er sich da schwerer als ich.“

In Ungarn gab die Nummer 1 im Team sogar kurz vor dem Ziel den dritten Platz an den Teamkollegen zurück, der ihm zuvor per Stallregie kampflos überlassen wurde. Das sorgte für Respekt und Frieden im Silberpfeil-Lager. Kein Vergleich mit dem Hassduell aus dem Vorjahr.

Bessere Arbeit mit den Ingenieuren

Hamilton erzählt, dass er die Sommerpause danach dazu genutzt habe, um über sein störrisches Auto und die Arbeit mit den Ingenieuren nachzudenken. „Ich kenne jetzt seine Stärken und Schwächen viel besser, kann die Stärken besser nutzen und die Schwächen besser umfahren. Meine Ingenieure und ich haben Wege gefunden, wie wir auch unter schwierigen Bedingungen die bestmögliche Balance für das Auto finden.“

Überhaupt, die Zusammenarbeit mit der Fabrik: „Ich nutze meine Tage viel effizienter, wenn ich in Brackley bin. Ich bin kein Typ, der fünf Stunden in Meetings rumhängen kann. Da verliere ich die Konzentration. Stattdessen treffe ich mich mit meiner kleinen Gruppe ein Mal die Woche, um über das Auto und die Arbeit daran zu sprechen.“

Auf der Strecke macht ihm seitdem keiner mehr etwas vor. Auf eine Runde nicht, im Zweikampf nicht, beim Reifenmanagement nicht. Hamilton hat einen fast schon beängstigenden Grad an Perfektion erreicht, über den auch die Techniker staunen. Während Bottas regelmäßig mit den Pirelli-Gummis zu kämpfen hat, scheint Hamilton über das Wasser gehen zu können.

Bestes Beispiel war das Rennen in Austin, als die Behandlung der Reifen im Rennen auch im Duell mit Vettel den Ausschlag gab. Ein Ingenieur bestätigt: „Lewis ist wie kein Zweiter in der Lage, alle vier Reifen individuell zu spüren. So kann er sie auch entsprechend behandeln. Je nach Situation adaptiert er seinen Fahrstil, damit die Reifen im bestmöglichen Fenster sind.“

Hamilton zeigt neue Facetten

Hamilton ist nicht nur auf der Strecke reifer geworden, sondern auch abseits des Renngeschehens. Der neue Champion zeigte einige Facetten, die man zuvor noch nicht von ihm kannte. Er lässt sich durch Nebengeräusche nicht mehr ablenken. Er hat sein wildes Privatleben so geordnet, das von dort keine Störfeuer mehr kommen.

„Ich wurde vor Silverstone dafür kritisiert, dass ich nicht zu dem London-Event gegangen bin. Für mich war es die beste Art der Vorbereitung auf mein Heimrennen. Ich bin heute froh, dass ich mich nicht von anderen zu etwas drängen lassen habe, was ich nicht wollte.“ Man kann sagen: Noch nie war der Paradiesvogel Hamilton so im Frieden mit sich selbst.

Er weiß, was ihm gut tut und was nicht. Die kindischen Twitter-Mätzchen wurden deutlich reduziert. Statt Partybilder zu posten legte er sich mit US-Präsident Donald Trump an und zeigte seine Unterstützung für die Anti-Diskriminierungskampagne schwarzer Sportler in den USA. Kanzlerin Angela Merkel nannte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung eine Inspiration, weil sie die Grenzen für die Flüchtlinge öffnete.

Nach Titeln mit Vettel gleichgezogen

Mit seinem vierten WM-Titel ist der erfolgreichste britische Fahrer aller Zeiten nun auch sportlich ganz oben im Formel 1-Olymp angekommen. Er hat mit Sebastian Vettel und Alain Prost gleichgezogen. Nur die Namen von Juan-Manuel Fangio und Michael Schumacher sind noch häufiger auf dem Silberpokal eingraviert.

In anderen Kategorien ist Hamilton schon einsame Spitze. Auf dem Weg zur vierten Meisterschaft überholte er in Sachen Pole Positions zunächst Ayrton Senna und dann auch noch Michael Schumacher. Nur in der Kategorie Siege liegt der neue Champ momentan noch klar abgeschlagen auf Rang 2 der ewigen Liste. Doch bei einer Pace von 10 Siegen pro Saison wäre der Kerpener spätestens 2020 eingeholt. Hamilton muss man alles zutrauen. Wie ein guter Wein scheint er mit jedem Jahr besser zu werden.

In der Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights aus der Karrerie des neuen Vierfach-Champions.

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