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Licht und Schatten bei Renault

Zwei Autos im Q3 - aber neue MGU-H

Nico Hülkenberg - Renault - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Foto: sutton-images.com 96 Bilder

Renault hat in Shanghai zum dritten Mal beiden Autos in die Top Ten der Startaufstellung gebracht. Doch die Fahrer wünschen sich auch im Rennen so schnell zu fahren. Derweil musste die Motorenabteilung wieder Sonderschichten schieben.

14.04.2018 Michael Schmidt

Renault wollte in dieser Saison Best of the Rest werden und den Rückstand zur Spitze verringern. Das eine ist noch möglich. Das andere Ziel wird im Moment verfehlt. Nico Hülkenberg fehlen 1,5 Sekunden auf die Pole Position. Wie im letzten Jahr. In Australien und Bahrain war der Abstand noch größer. Das ist das Bild im Training. Nico Hülkenberg und Carlos Sainz fürchten, dass die Schere im Rennen weiter aufgeht. „Dann helfen uns die frischen Reifen nicht mehr über unser Problem hinweg. Das bedeutet für uns, dass die Reifen im Rennen stärker abbauen als bei anderen.“

Hülkenberg kennt diese Situation aus dem letzten Jahr. „Es liegt damals wie heute an der Aerodynamik“, ist Hülkenberg überzeugt. Sainz geht ins Detail: „In langsamen Kurven fehlt uns hinten der Grip. Frische Reifen überdecken das.“ Auch vor einem Jahr war der Renault zu Saisonbeginn auf eine Runde stärker als im Dauerlauf. 2017 dauerte es ein halbes Jahr, bis die Ingenieure den Fehler gefunden hatten. So lange kann man sich dieses Jahr nicht Zeit lassen. Dazu ist die Konkurrenz zu stark. Die HaasF1 und die McLaren halten ihre Reifen unter Rennbedingungen gut in Schuss.

Dazu kommt, dass die Gegner ab Platz 11 sich den Reifensatz zum Start des Rennens aussuchen und von dem heiklen Ultrasoft-Reifen die Finger lassen können. Für Renault wird es bei einem Start auf den Ultrasoft-Reifen schwierig mit einer Einstopp-Strategie.

Einsatzleiter Alan Permane erwartet, dass Pirellis weichste Mischung spätestens nach acht Runden einbricht. „Gegenüber den Einstoppern sind wir schon mal 26 Sekunden im Rückstand“, rechnet Sainz vor. „Es war trotzdem keine Option für uns, freiwillig im Q2 auszuscheiden. Wir wollten in die Top Ten. Vielleicht hilft uns im Rennen ja ein Safety-Car, oder die Reifen verhalten sich bei wärmeren Temperaturen anders als erwartet.“

In der Quali klar die vierte Kraft

Carlos Sainz - Renault - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Foto: xpb
Carlos Sainz kann im Qualifying nicht mit Hülkenberg mithalten.

In der Qualifikation ist Renault klar die vierte Kraft. Als einziges Team aus dem Mittelfeld brachte man in allen drei Rennen beide Autos in die Top Ten. „Der Speed ist da. Das ist die gute Nachricht“, atmet Sainz auf. Der Spanier liegt im Trainingsduell mit Hülkenberg 0:3 im Rückstand. Er führt es darauf zurück, dass ihm noch die Erfahrung mit dem Team und dem Auto fehlt. „Nico hat mehr Vertrauen in das Auto, er kennt es besser und er hat seine Tricks, schnell auf eine Runde zu sein. Da muss ich mir noch was von ihm abschauen.“

Sainz hadert noch zu oft mit der Balance des Renault R.S. 18. „In Melbourne war sie gut, in Bahrain schlecht, und hier irgendwo dazwischen. Weil ich im Q1 im ersten Versuch DRS nicht nutzen konnte, habe ich einen zweiten Satz Ultrasoft gebraucht. Der ging mir im Q3 ab. Es musste alles bei einem Versuch passen. Deshalb liegt Perez zwischen Nico und mir. Idealerweise wäre ich Achter hinter Nico gewesen.“

Hülkenberg registrierte überrascht, dass er seinen Rekord ausgebaut hat. In den letzten sechs Rennen startete der Rheinländer jeweils von Platz 7. „Die drei Top-Teams sind vorne, dann kommt eine große Lücke, und dahinter muss einer der Schnellste sein. Ist das gut oder schlecht? Mir ist wichtig, dass wir die Lücke zu Ferrari, Mercedes und Red Bull schließen. Dafür müssen wir schneller entwickeln.“

Verdächtige Daten erzwingen MGU-H Tausch

Carlos Sainz - Renault - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Foto: sutton-images.com
Nur die Renault-Werksautos benötigten eine neue MGU-H.

Teamchef Cyril Abiteboul konnte sich über die Startplätze 7 und 9 nicht so recht freuen. „Heute war ein schlechter Tag für uns. Red Bull hat einen Turbolader verloren. Das ist beim dritten Rennen ein harter Schlag.“ Der geplatzte Turbolader im Auto von Daniel Ricciardo ist ein Schaden, der bislang noch nicht aufgetreten war. Er hat laut Abiteboul weder etwas mit den aggressiveren Kennfeldern zu tun, die den Renault-Teams in Shanghai eine Zehntelsekunde schenkten, noch etwas mit dem geplatzten Turbolader bei McLaren während der Wintertestfahrten. „Da lief die Turbine ein paar Sekunden ohne Öl. Das hält kein Turbolader aus. Diesmal ist ein Teil im Lader gebrochen, und wir müssen herausfinden warum“, nimmt sich der Teamchef in die Pflicht.

Kurz vor dem Feuerzauber im Heck von Ricciardos Red Bull hatte die FIA gemeldet, dass Renault in beiden Werksautos die MGU-H wechseln ließ. Da nur drei Einheiten pro Fahrer und Saison erlaubt sind, riecht das stark nach einer Saison mit vielen Strafen. Abiteboul schwört bei allem, was ihm heilig ist: „Der Tausch der MGU-H steht in keinem Zusammenhang zu dem Turboschaden bei Red Bull. Wir haben am Donnerstag anhand der Daten ein mögliches Problem erkannt. Es betraf nur unsere MGU-H und nicht die unserer Kunden. Um sicher zu gehen haben wir die Teile ausgebaut und nach Paris zurückgeschickt, um sie dort auf dem Prüfstand zu testen. Sollte sich unser Verdacht nicht bestätigen, kehren sie wieder in das Kontingent zurück und werden in den Freitagstrainings oder vielleicht sogar in Rennen eingesetzt.“

Abiteboul sieht kein generelles Problem mit der „heißen“ Elektromaschine. „Sonst hätten wir auch bei den Kunden Maßnahmen ergriffen und die Turbolader gleich mit gewechselt. Es handelt sich hier um Teile aus einer bestimmten Charge, die nur an uns gegangen ist.“ Nico Hülkenberg sieht den Fall nicht so tragisch, auch wenn es ihn die eine oder andere Strafe kosten mag. „Wir müssen beim Motor aufholen. Da ist es mir lieber, wenn Renault aggressiv entwickelt. Auch wenn wir dabei die ein oder andere Komponente mehr brauchen.“

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