Charles Leclerc - Ferrari - Barcelona - F1-Test - 28. Februar 2019 Stefan Baldauf

Erster Longrun-Vergleich 2019

Ferrari 5 Sekunden vor Mercedes

In Barcelona kam es am vorletzten Testtag zum ersten Duell zwischen Ferrari und Mercedes. Valtteri Bottas trat gegen Charles Leclerc in einer Rennsimulation an. Ferrari hätte das Rennen mit 5 Sekunden Vorsprung gewonnen.

In die Kaffeesatzleserei bei den Testfahrten der Formel 1 in Barcelona kommt langsam Licht. Am Nachmittag des siebten Testtages traten zum ersten Mal Ferrari und Mercedes gegeneinander an. Auf dem Programm stand jeweils eine Rennsimulation. Valtteri Bottas legte gleich nach 14 Uhr mit seinem Silberpfeil los. Für die Mercedes ist das die beste Tageszeit, weil in der Nachmittagssonne die Gefahr am geringsten ist, dass die Reifen körnen.

Ferrari schickte Charles Leclerc 50 Minuten später auf die Bahn. Von den Temperaturen waren die beiden Longruns also gut zu vergleichen. Von der Reifenfolge nicht. Mercedes versuchte so nah wie möglich an der Realität zu bleiben. Bottas legte mit dem weichen C3-Reifen los und fuhr die nächsten beiden Stints auf der härteren C2-Mischung.

Leclerc war durchwegs auf den C2-Reifen unterwegs. Was im ersten Stint natürlich ein Vorteil war, weil das hohe Spritgewicht den weicheren Reifen mehr Schaden zufügt als dem harten Gummi. Bottas ging die Sache deshalb bewusst vorsichtig an. Seine erste fliegende Runde lag bei 1.22,8 Minuten. Leclerc fuhr mit den härteren Sohlen 1.22,7 Minuten. Der C2-Reifen muss am Anfang einer längeren Distanz nicht so gestreichelt werden.

Charles Leclerc - Ferrari - Barcelona - F1-Test - 28. Februar 2019
Stefan Baldauf
Leclerc fuhr bei seiner Rennsimulation immer den C2-Reifen.

Mit zwei Unbekannten müssen wir trotzdem leben. „Wir wissen nicht, mit wie viel Benzin Ferrari in das Rennen gegangen ist. Es können 100 Kilogramm gewesen sein, aber auch 120. Die größeren Tanks erlauben mehr Spielraum und damit auch eine größere Fehlerquelle“, warnt Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei der Analyse.

Auch das jeweils gewählte Motorprogramm kann Verfälschungen mit sich bringen. Da sind die Teams natürlich besser informiert als wir. Ihre Simulationen rechnen anhand von Topspeeds, Beschleunigungsdaten und der Heckflügelstellung hoch, in welchem Modus sich der Motor wahrscheinlich befunden hat.

Wolff verrät uns: „Leclerc ist bei seiner 1.16,2er Runde am Vormittag mit weniger Power gefahren als in den Runden davor, als er langsamer war.“ Das lässt nur den Schluss zu, dass Ferrari bei der Tagesbestzeit abgetankt hat.

Mercedes schneller als Red Bull

Doch kommen wir jetzt zu unserem Longrun-Vergleich zwischen Bottas und Leclerc. Nehmen wir das Ergebnis vorweg. „Wenn wir alles rein- und rausrechnen, dann wäre Ferrari fünf Sekunden vor uns ins Ziel gefahren“, bilanziert Toto Wolff. Das ist die bittere Pille. Die erfreuliche Nachricht: „Wir waren schneller als Verstappen in seinem Longrun am Mittwoch und deutlich schneller als Gasly am gleichen Tag.“

Wir können nur Zahlen vergleichen. Da verlor Bottas im ersten Stint über 19 Runden im Schnitt vier Zehntel auf Leclerc. Die durchschnittliche Rundenzeit des Finnen errechnet sich mit 1.23,8 Minuten. Leclerc kam auf den härteren Reifen auf einen Mittelwert von 1.23,4 Minuten.

Valtteri Bottas - Mercedes - Barcelona - F1-Test - 28. Februar 2019
Stefan Baldauf
Bottas begann mit seiner Rennsimulation vor dem Ferrari.

Die letzte fliegende Runde beider Stints zeigt, dass der C2-Gummi einen längeren Atem hat. Leclerc fuhr 1.23,7 Minuten, Bottas eine Sekunde langsamer. Zieht man den Reifenvorteil von Ferrari ab, war der erste Abschnitt mit viel Benzin an Bord praktisch gleichwertig.

Wie lange Leclerc mit dem ersten Satz hätte fahren können, blieb offen. Der Unfall von Pierre Gasly zwang den Monegassen nach 19 Runden an die Box. Bottas hatte da gerade den Schlussabschnitt in Angriff genommen. Den mussten wir aus 3 plus 19 Runden zusammensetzen.

Braucht Mercedes ein anderes Aero-Konzept?

Der Mittelstint geht eindeutig an Ferrari. Leclerc legte 19 Runden mit einer Durchschnittszeit von 1.22,1 Minuten zurück. Er fing mit 1.21,1 Minuten an und hörte mit 1.22,9 Minuten auf. Bottas kam im Durchschnitt auf eine Zeit von 1.22,5 Minuten. Seine erste fliegende Runde lag bei 1.22,7 Minuten, seine letzte bei 1.23,1 Minuten.

Longrun-Vergleich Ferrari-Mercedes

Stint Schnitt/Runde Bottas Leclerc
1 Schnitt 1.23,8 min 1.23,4 min
1 1.Runde 1.22,8 min 1.22,7 min
1 Letzte Runde 1.24,7 min 1.23,7 min
2 Schnitt 1.22,5 min 1.22,1 min
2 1. Runde 1.22,7 min 1.21,1 min
2 Letzte Runde 1.23,1 min 1.22,9 min
3 Schnitt 1.21,2 min 1.21,2 min
3 1.Runde 1.20,8 min 1.19,5 min
3 Letzte Runde 1.20,7 min 1.22,6 min

Der letzte Abschnitt des virtuellen Rennens war ausgeglichen. Beide Fahrer schafften einen Durchschnittswert von 1.21,2 Minuten. Wieder legte Leclerc mit 1.19,5 Minuten deutlich schneller los. Bottas ließ es mit 1.20,8 Minuten gemütlicher angehen. Was ein Beweis dafür ist, dass Mercedes in der Frühphase des Reifenlebens mehr aufpassen muss als Ferrari.

Leclerc bekam am Ende seines 24-Runden-Stints die Quittung präsentiert. In den letzten vier Umläufen kam er nicht mehr unter die 1.22 Minuten-Marke. Bottas dagegen wurde immer schneller. Er fuhr vier 1.20er Zeiten am Stück.

Valtteri Bottas - Mercedes - Barcelona - F1-Test - 28. Februar 2019
Jerry André
Mercedes-Teamchef Toto Wolff verfolgte die Autos vom Streckenrand.

Toto Wolff glaubt, dass Ferrari in den letzten Runden Probleme mit Graining bekam. „Da war es schon kühler als bei uns.“ Das Fazit des Österreichers fällt kurz und bündig aus. „Ferrari liegt ein gutes Stück vor uns und Red Bull.“ Die Ingenieure sehen das Defizit je nach Asphalttemperatur bei zwei bis fünf Zehntel pro Runde.

Wenn sich in Melbourne das gleiche Bild präsentieren sollte, dann muss Mercedes prüfen, ob man an seinem Aerodynamik-Konzept festhalten oder auf den Ferrari-Weg umschwenken soll: „Ich glaube, Red Bull stellt sich im Moment die gleiche Frage“, meinte Wolff. Ein Richtungswechsel birgt jedoch eine große Gefahr. Er braucht Zeit. „Dann können wir die ersten Rennen abschreiben, weil wir unser Konzept einfrieren müssten, bis das andere bereit ist.“

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