Lotus bestes Renault-Team

Rückstand ist aufholbar

Romain Grosjean - Lotus - Formel 1 - Test - Bahrain - 19. Februar 2014 Foto: ams 26 Bilder

Kein Renault-Team hat weniger Testtage als Lotus. Und keines steht nach der ersten Testwoche in Bahrain besser da. Pastor Maldonado war der schnellste Mann im krisengebeutelten Renault-Camp. Technikchef Nick Chester bleibt trotz der Probleme mit der Antriebseinheit die Ruhe in Person. "Der Rückstand ist aufholbar."

Macht der Witze, oder ist er übergeschnappt? Pastor Maldonado sagt es frei heraus: "Ich hoffe, dass ich mit Grosjean um den Titel kämpfen kann." Das hört sich nach vier Testtagen und 111 Runden in Bahrain und einer Bestzeit, die 5,424 Sekunden über Nico Rosbergs Rekordrunde lag, vermessen an.

Und trotzdem muss man vor Lotus den Hut ziehen. Das Team ist mit vier Tagen Verspätung in den Testwinter eingestiegen. Und macht jetzt schon den besten Eindruck im Renault-Lager. Maldonados Runde von 1:38.707 war die beste aller Renault-Piloten. Nach Magerkost an den ersten drei Tagen, die auf Ärger mit den Batterien, Elektromotoren und dem Getriebe zurückzuführen waren, legte Lotus kurz vor Torschluss der zweiten Testwoche 59 Runden zurück.

10 Prozent Erfahrungswerte von Mercedes

Einsatzleiter Alan Permane war zufrieden. "Wir haben heute unseren ersten echten Testtag abgespult. Er hat uns gezeigt, dass wir ein gutes Auto gebaut haben. Von der Erfahrung mit der neuen Antriebseinheit liegen wir im Vergleich zu Mercedes zwar erst bei zehn Prozent, aber mit mehr Kilometern werden wir schnell aufholen."

"In den schnellen Passagen waren wir auf dem Niveau von Mercedes. Wenn wir alles abrufen, sind wir bei der Musik. Der Zeitrückstand hört sich größer an als er ist. Wir sind nie mit weichen Reifen, wenig Sprit oder im Qualifikationsmodus des Motors gefahren. Da liegen mehrere Sekunden verborgen. Unsere einzige Sorge ist die Zuverlässigkeit."

Ist Lotus die neue Renault-Nummer 1?

Technikchef Nick Chester bestätigt den Eindruck. "Der Test hat die Windkanaldaten bestätigt. Unser Auto ist gut. Wir müssen einfach mehr über die Antriebseinheit lernen." Chester räumt ein, dass Renault noch Rückstand hat, aber er ist nicht so groß, wie es die riesigen Zeitabstände zu Mercedes oder Ferrari vermuten lassen. "Wir sind die Antriebseinheit heute phasenweise zum ersten Mal bis ans Limit gefahren. Der Motor ist mechanisch gesund. Es gibt noch einen kleinen Rückstand bei der Elektromaschine, die den Turbolader steuert. Die größten Defizite liegen bei der Software, also wie wir die Power einsetzen."

Chester macht deshalb das Homologationsdatum keine Angst. Am 28. Februar werden die Komponenten der Power Unit versiegelt. Ab dann dürfen die Motorkomponenten nur noch mit Zustimmung der FIA und der anderen Teams modifiziert werden. Aber nur wenn Renault nachweisen kann, dass davon die Zuverlässigkeit oder Einsparungen bei den Kosten betroffen sind.
 
"Was mechanisch noch fehlt, kriegt Renault in den verbleibenden Tagen hin. Die Software und das Power-Management sind von der Homologation nicht betroffen. Die Probleme liegen im operationellen Bereich." Lotus stellt sich trotzdem darauf ein, dass die ersten drei bis vier Rennen wegen des Defizits an Testzeit hart werden. Angesichts der Probleme von Red Bull traut sich Chester zu sagen: "Wir können das beste Renault-Team werden."

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