Ferrari-Boss Louis Camilleri

Noch keine Entscheidung zu Räikkönen

Louis Camilleri - Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 Foto: sutton-images.com 107 Bilder

Zum ersten Mal nach seiner Berufung zum Ferrari-Chef sprach Louis Camilleri mit den Medien. Wer ist dieser Mann? Und wie wird er über Kimi Räikkönens Zukunft entscheiden?

Louis Camilleri, seit dem Tod von Sergio Marchionne neuer Ferrari-Häuptling, sitzt bequem auf einem Barhocker in der Ferrari-Hospitality. Blaue Jeans, weißes Hemd, legeres Sacko. Es scheint seine Uniform zu sein, denn ein ähnliches Outfit hat er bisher bei all seinen Formel 1-Besuchen getragen. Die markante schwarze Brille lässt ihn modern und belesen zugleich wirken. Und wenn er spricht, hat er immer dieses verschmitzte Lächeln aufgesetzt. Der neue Mann an der Ferrari-Spitze vermittelt einem das Gefühl, er trinke gleich noch einen Espresso mit jedem einzelnen Journalisten an der kleinen Bar in der Ferrari-Burg.

Kein Zeitfenster für Räikkönen-Entscheidung

Doch wie so oft bei Managern in diesen Sphären, weiß man nicht, was nun Schein oder Sein ist. Psychologie gehört sicher zu den Disziplinen, die man in diesem Job extrem gut beherrschen muss. So gibt er auf die viele Fragen der Journalisten zur Zukunft von Kimi Räikkönen stets gelassen und ruhig Antwort. „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen und es gibt auch kein Zeitfenster dafür”, so Camilleri. So unaufgeregt seine Antwort sein mag, so leise spricht er auch.

Aber wer entscheidet überhaupt das Schicksal des Finnen? Dazu meint Camilleri: “Wir treffen die Entscheidung als Team. Ich spreche mit Maurizio, er hat dann auch das letzte Wort.” Räikkönen selbst sagt in seiner direkten Art: „Ich habe Spaß am Rennfahren, nicht am Rest.” An seinen Leistungen zweifelt er selbst überhaupt nicht, auch wenn er mit 38 Jahren zu den älteren Kandidaten gehört. “Ich glaube nicht, dass ich anders fahre als vor 10 Jahren. Ich denke, ich fahre ziemlich gut und das ist genug für mich. Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass ich so gut fahre, wie ich sollte. Das ist mein Werkzeug, um zu entscheiden, wann es genug ist.”

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Camilleri Freund von Kimi?

Man muss kein Prophet sein, dass bei solchen Entscheidungen nicht alleine die Leistungen auf der Strecke eine Rolle spielen, sondern auch Sympathien. Wie gut kennt Camilleri also den Iceman? „Er ist ein Freund”, sagt er wieder mit so einem Lächeln auf den Lippen, dass man ihm das abnimmt. Man vermisst aber die sonst den Journalisten oft so verhassten Standard-Floskeln à la nur noch Vertragsdetails fixieren, sind uns einig, und so weiter. Und auch Räikkönens Antwort auf die Frage nach seiner Zukunft gibt zu denken: “Hier kann alles passieren, das habe ich in der Vergangenheit gelernt.”

Camilleri ist tatsächlich kein Unbekannter bei Ferrari. Er war früher Chef des Tabakkonzerns Philip Morris, der natürlich durch die Marke Marlboro ganz eng mit dem Traditionsrennstall verflochten ist. Es ist auch Arrivabenes früherer Arbeitgeber. Nicht selten war er im Fahrerlager zu Gast, dürfte also schon viel Einblick in die Strukturen von Ferrari haben. Er schlägt aber offenbar einen anderen Weg als sein Vorgänger Sergio Marchionne ein, der eine harte Hand zeigte und des Öfteren mit dem Ausstieg von Ferrari aus der Formel 1 drohte. „Wir haben einen anderen Stil, aber die gleichen Zielsetzungen”, sagt er.

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