Luca di Montezemolo fordert

"Müssen 2011 das beste Auto haben“

Luca di Montezemolo Foto: xpb

Luca di Montezemolo ist ein Mann für die großen Emotionen. Der Ferrari-Chef macht aus der knappen WM-Niederlage einen Sieg. Kein anderes Team war so konstant wie Ferrari an der Spitze. Außerdem veteidigt Montezemolo die Stallregie.

Luca di Montezemolo ist ein guter Verkäufer. Er kann auch Niederlagen charmant erklären. Bevor Montezemolo dazu kommt, den schwarzen Tag von Abu Dhabi zu erklären, blickt er erst einmal zurück in die Vergangenheit: "Ich bin schon ewig dabei. Und ich habe viele knappe Niederlagen erlebt. 1974 in Watkins-Glen. Clay Regazzoni gegen Emerson Fittipaldi. Clay hatte ein gutes Training, doch nach einer Runde war er nur Achter. Das Auto sei wie verwandelt gewesen, hat er hinterher erzählt. Wir wissen bis heute nicht warum."

Verlorene WM-Titel

Oder Fuji, das berühmte Regenfinale von 1976, als Niki Lauda ausstieg und James Hunt kampflos Weltmeister wurde. "Es ging nur um einen Punkt", meint Montezemolo bitter. Dann die zwei Niederlagen von Michael Schumacher in den Finalrennen 1997 und 1998. "1997 waren wir bis 18 Runden vor Schluss Weltmeister. Und 1998 blieb Michael beim Start einfach stehen", erzählt der Capo mit gespieltem Schmerz. Natürlich kommt auch Eddie Irvines verpasste Chance 1999 und Felipe Massas Pech 2008 zur Sprache. "Felipe war ein paar Sekunden lang Weltmeister. Dann hat es Hamilton doch noch auf den Platz geschafft, den er brauchte, um Felipe den Titel zu nehmen."

Ferraris Galionsfigur flüchtet sich in die Erkenntns, dass Sport eben unberechenbar sei. "2007 haben wir davon profitiert. Kimi Räikkönen hat gegen einen besseren Hamilton gewonnen." Für Montezemolo ist die Schmach von Abu Dhabi Geschichte, auch wenn er bis heute damit hadert: "Wir hatten einen Elfmeter ohne Torwart, und wir haben ihn nicht verwandelt. Alonso ist vor unserem Hauptgegner Webber gestartet, und er musste nur Vierter werden. Eine Platzierung, die wir bei anderen Rennen als Enttäuschung empfunden hätten. Fernando hätte nur wie ein Taxifahrer fahren müssen, um das zu schaffen. Dann ist uns leider ein Fehler passiert. Das schmerzt, und doch war es nicht so schlimm wie Felipes Niederlage 2008. Wir haben mit Anstand verloren. Nach dem Rennen in Valencia hätte keiner auch nur einen Euro auf uns gewettet. Nur Alonso hat noch an die WM-Chance geglaubt."

Keine Schuldzuweisungen für Abu Dhabi-Panne

Montezemolo bekräftigt, dass keiner für die Panne beim WM-Finale büßen muss. "Unsere Jungs haben nach dem Rennen in der Garage geheult wie Kinder. Ich habe ihnen gesagt: Leute, ihr habt einen tollen Job gemacht. Und nächstes Jahr schlagen wir zurück." Anders als in der grauen Vergangenheit setzt jetzt nicht das große Köpferollen ein. "Unsere Stärke ist die Stabilität im Team. Kein anderes Team hat so beständig an der Spitze gekämpft wie wir. Seit 1997 hatten wir mit Ausnahme on 2005 und 2009 immer die Chance auf einen der beiden oder beide WM-Titel. Ferrari war immer vorne, nur unsere Gegner haben sich geändert. Erst Williams, dann McLaren, Renault und jetzt Red Bull." Fazit aus der Chefetage: "Wir werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Es wird ein paar Umbesetzungen und Anpassungen geben, aber nichts dramatisches. Ein normaler Prozess, wenn gute Leute aus der zweiten Reihe belohnt werden müssen. Mit Pat Fry von McLaren haben wir nur einen Mann von außen dazugeholt. Das ist schon vor dem Finale in Abu Dhabi passiert."

Ferrari muss 2011 das beste Auto haben

Montezemolo lobt auch gleich das Ziel für 2011 aus: "Wir müssen vom ersten Rennen an das beste Auto haben. Auch wenn wir in diesem Jahr das erste Rennen gewinnen konnten, war das 2010 nicht der Fall. Wir haben nur gewonnen, weil Red Bull ein technisches Problem hatte. Wir haben uns in diesem Jahr im Vergleich zu 2009 deutlich gesteigert, aber das beste Auto hatte Red Bull. Wie auch schon im Jahr zuvor."

Beim Thema Stallregie bleibt der rote General eisern. Er begrüßt den Wegfall des Stallregie-Paragrafen im Reglement. "Alles Heuchelei. Wenn nur noch einer deiner beiden Fahrer eine Chance auf den Titel hat, muss es legitim sein, alle Karten auf ihn zu setzen. Ich habe als Rennleiter 1974 einmal ein Rennen in Monte Carlo verloren, weil ich auf Stallregie verzichtet habe. Das passiert uns nicht noch einmal." Immerhin räumt Montezemolo ein, dass der Teambefehl 2002 am A1-Ring ein Fehler war. "Weil er zu früh in der Saison kam." Er streitet jedoch ab, dass Felipe Massas bescheidene Form eine Folge des befohlenen Platztausches von Hockenheim gewesen sei, weil er ihn mental gebrochen habe. "Felipe kennt die Gepflogenheiten in unserem Team. Er wusste, dass Alonso in Hockenheim schneller war. Formel 1 ist ein Teamsport. Mir ist es egal, welcher Fahrer gewinnt. Solange dabei ein Ferrari an erster Stelle steht."

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