Lügen-Affäre um Lewis Hamilton

McLaren erwartet neue Strafe

McLaren-Mercedes Foto: McLaren-Mercedes 59 Bilder

Auf einer außerordentlichen Sitzung will der FIA-Weltrat am Mittwoch (29.4.) in Paris eine Entscheidung in der Lügen-Affäre um Lewis Hamilton treffen. McLaren muss dabei mit einer weiteren Bestrafung rechnen.

Nach der massiven Imagedelle muss der britisch-schwäbische Rennstall am Mittwoch mit dem Urteil des Motorsport-Weltrats auch einen sportlichen und finanziellen Totalschaden fürchten. Für den schlimmsten Fall hat Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche die Zukunft von Mercedes in der Königsklasse sogar in Frage gestellt. Mit einem "Kniefall" vor dem Internationalen Automobil-Verband FIA und seinem Präsidenten Max Mosley versuchte die Rennstall-Spitze bis zuletzt, eine möglichst mildes Strafmaß zu erwirken.

Der taumelnde Formel-1-Riese ist der Gnade des Weltverbands ausgeliefert. Als wahrscheinlichste Sanktion gilt unter Experten eine schmerzhafte Geldbuße. Auch ein Punktabzug oder eine Sperre könnten im FIA-Gremium als Strafmaß zur Debatte stehen. "Wir haben uns dazu entschieden, die Vorwürfe nicht anzufechten. Das gestaltet den Prozess einfacher", sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, der den Bußgang zur FIA-Anhörung in Paris allein antreten will. In einem Brief an Mosley gab der Brite zuvor den Verstoß gegen den Sportparagrafen 151c zu. Dieser Artikel sieht Strafen vor, wenn das Ansehen des Sports beschädigt wird.

Hamilton der Falschaussage überführt

Die Fakten sind klar: Hamilton und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan sagten nach dem Saisonauftakt in Australien zweimal vor den Renn-Kommissaren die Unwahrheit über ein Überholmanöver von Toyota-Pilot Jarno Trulli. Funk-Mitschnitte überführten beide. Dem Champion wurde Rang drei nachträglich aberkannt, McLaren suspendierte Ryan. "Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt. Ich kann nicht sagen, wie beschämend das für mich ist", bekannte Hamilton.

Sein sportlicher Ziehvater Ron Dennis, der sofort als Drahtzieher der Falsch-Aussagen in der Verdacht geriet, musste kurz darauf auch auf Druck von Partner Mercedes seinen Posten als McLaren-Chef räumen. Dennis und FIA-Chef Mosley sind seit Jahren erbitterte Gegner. Nicht zuletzt deshalb könnte Dennis' Rückzug von der McLaren-Spitze vom Weltverband als tätige Reue gewertet werden und für etwas mehr Nachsicht sorgen.

Negative Schlagzeilen für Silberpfeile

Der wirtschaftlich angeschlagene Autobauer Daimler mit seiner Premiummarke Mercedes konnte seinen Ärger über das erneute PR-Desaster zuletzt kaum verhehlen. "Klar ist, dass wir andere Schlagzeilen wollen. Natürlich macht Mercedes Druck, um das sauber und klar zu regeln. Dafür stehen wir im Motorsport", erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Noch zu frisch ist die Erinnerung an den Spionage-Skandal vor zwei Jahren, als das Team zu einer Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar und dem Abzug aller Punkte in der Konstrukteurswertung verurteilt worden war.

Ein ähnlich deftiges Urteil will Daimler-Boss Zetsche diesmal wohl nicht hinnehmen. "Wenn sich das Umfeld ändern sollte, etwa durch eine unangemessene Bestrafung durch die FIA, wäre es möglich, dass wir das Engagement überdenken", sagte der Vorstandschef, der unter Druck steht. Die weltweite Absatzkrise zwingt den Konzern zu einem Milliarden-Sparprogramm. Die um Gehalt und Arbeitsplatz bangenden Mitarbeiter haben sich laut Betriebsrat gegen das Millionen-Engagement in der Formel 1 ausgesprochen.

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Eine empfindliche Geldbuße reicht aus.
Punktabzug für Fahrer oder Team sollte es schon sein.
Mindestens eine Sperre für ein paar Rennen.
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