Männer im Zickenkrieg

Was sind schon kleine öffentliche Sticheleien über Mode-Geschmack und Schminke unter Fahrerfrauen? FIA-Präsident Max Mosley und Minardi-Besitzer Paul Stoddart zeigen, wie man eine richtig ordentliche Schlammschlacht inszeniert.

Es begann mit einem Blick aufs Bankkonto. Paul Stoddart stellte fest, dass sein Budget ein bisschen zu knapp ist, um einerseits "ein Auto zu bauen, wie es die Formel 1 noch nie gesehen hat", und zusätzlich ein Interims-Chassis für die ersten drei Übersee-Rennen zu entwickeln, bis der revolutionäre Renner fertig ist.

Da Stoddart im Kampf gegen Ferrari, Bernie Ecclestone und die FIA zur Zeit die anderen Rennställe einmütig hinter sich weiß, ließ er sich kurzerhand von diesen unterschreiben, dass sie gemäß Concorde-Agreement kein Problem darin sähen, wenn Minardi bei den ersten Rennen trotz neuer Aerodynamik-Bestimmungen mit einem alten Auto antritt. Dumm nur, dass Ferrari nicht unterschrieb, und damit die nötige Einstimmigkeit fehlt.

Stoddart droht mit Protest

So wechselte Stoddart flugs die Taktik, und ließ mit einem Seitenhieb auf den gelernten Juristen Max Mosley verlauten, dass er aus juristisch gut informierten Kreisen wüsste, die neuen Regeln seien ohnehin irrelevant. Mosley konterte zunächst gelassen: "Wenn er mit den 2004er-Autos in Melbourne auftaucht, wird er einfach an der technischen Abnahme scheitern, egal, ob die anderen Teams ihm schriftlich geben, dass er fahren darf."

Umgehend kündigte der Melbourner Stoddart an, dass er bei seinem Heim-GP nicht nur ordentlich Front gegen dieses Szenario machen würde, sondern notfalls auch offiziell den Start seines Teams mittels Protest erzwingen will.

Mosley: "Stoddart for Präsident"

Dann schaltete Stoddart in den nächsten Gang und ließ sich in der Zeitschrift F1 Racing zitieren: "Zur Zeit fährt Max seinen Kurs ohne die Zustimmung von 90 Prozent der Teams und sogar gegen den Rechteinhaber (Ecclestone)." Seit ihn die anderen Teams zum Wortführer der aktuellen Rebellion gemacht haben, gefällt sich der Chef des kleinsten Temas in seiner politischen Rolle so sehr, dass er sich alternativ zum Team-Management ein höheres Amt in der Sportbehörde FIA durchaus vorstellen könnte.

Jetzt, wo Stoddart den Eindruck erweckt, an Mosleys Stuhl zu sägen, nennt ihn Mosley nicht mehr beim Namen, sondern spricht in der dritten Person immer von "mein Rivale". Der FIA-Präsident kündigte an, er wolle vor dem ersten Rennen T-Shirts mit der Aufschrift "Paul for President at the front" für sich drucken. Auch Stoddart soll ein T-Shirt bekommen, auf dem in Anspielung auf sein Hinterbänkler-Team steht: "Ich verstehe mehr als jeder andere davon, wie man Formel 1-Autos langsamer macht."

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