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Magnussen-Ausfall bremst Mercedes aus: Höchststrafe für Hamilton

Magnussen-Ausfall bremst Mercedes aus Höchststrafe für ein kleines Vergehen

Es muss schon viel zusammenkommen, dass Mercedes ein Rennen verliert. Ein harmloser Ausfall von Magnussen, eine gesperrte Boxeneinfahrt, keiner, der es bei Mercedes merkt und die härteste Strafe, die es gibt. Spitzenreiter Lewis Hamilton fiel von Platz 1 ans Ende des Feldes zurück.

Der GP Italien hatte bis zur 18. Runde gute Chancen, das langweiligste Rennen des Jahres zu werden. Lewis Hamilton führte 12,5 Sekunden vor Carlos Sainz, kontrollierte Tempo, Gegner und Reifen. Der 90. GP-Sieg des Weltmeisters schien nur noch Formsache. Niemand schöpfte Verdacht, dass sich das von einer Sekunde auf die andere ändern könnte, als Kevin Magnussen ausgangs der Parabolica knapp vor der Boxengasse mit einem Motorproblem ausrollte. Der Däne parkte seinen Haas nahe einer Lücke in den Leitplanken. Der Vorfall sollte mit einer stationären gelben Flagge erledigt sein. Dachte man.

Doch zwei Runden später stand der US-Ferrari immer noch da. Die Lücke erwies sich als zu schmal für das Auto. Daraufhin schickte Rennleiter Michael Masi das Safety Car auf die Strecke. Nur elf Sekunden später wurde die Boxeneinfahrt gesperrt, weil der Haas nun in Richtung Boxengasse geschoben wurde. Die Rennleitung teilte das Fahrern und Teams auf zwei Wegen mit. Außen in der Parabolica leuchteten an den Posten 16 und 17 zwei rote Kreuze. Die kann nur der Fahrer sehen. Eigentlich sollte auch noch die Ampel an der Boxeneinfahrt auf Rot geschaltet worden sein, doch das ging in der Hektik unter. Die Teams erfahren auf Seite 3 des Informationssystems der FIA über Maßnahmen wie diese. "Die Sperrung der Boxengasse war zu dem Zeitpunkt eine Meldung von vier", erzählten die Strategen des Teams.

Basislager merkt den Fehler

Lewis Hamilton war rund acht Sekunden von der Boxeneinfahrt entfernt, als die Rennleitung Fahrer und Teams über die vorübergehende Sperrung der Boxengasse informierte. Trotzdem erschien der Weltmeister zum Boxenstopp. In der Zwischenzeit hatte ein Ingenieur im Kontrollzentrum in Brackley die Nachricht auf der FIA-Seite entdeckt und an die Strecke übermittelt. "Das hat uns ganz knapp verfehlt", bedauerten die Kollegen an der Strecke. Hamilton schwor Stein und Bein, dass die Ampel eingangs der Boxengasse nicht auf Rot stand. In der Pause nach dem Abbruch suchte er Rennleiter Michael Masi im Büro der Rennleitung auf, um sich erklären zu lassen, was er falsch gemacht hatte.

Masi zeigte Hamilton anhand der Aufnahmen von der Mercedes-Bordkamera, dass er die beiden Kreuze auf den elektronischen Leuchttafeln an der Außenseite der Strecke hätte erkennen müssen. Hamilton gab sich geschlagen. "Es stimmt, diese Lichter waren da. Aber du schaust in einer Kurve nicht nach außen, sondern nach innen auf den Scheitelpunkt. Außerdem wusste ich, dass da der Haas herumgeschoben wurde und damit Streckenposten vor den Absperrungen waren. Kurz, ich habe die Lichter nicht gesehen und nehme das auf meine Kappe."

Auch der Kommandostand leistete Abbitte. "Bei einem Safety Car und folgendem Reifenwechsel bist du voll darauf konzentriert, die richtigen Reifen bereitzulegen, die Lücken im Feld zu suchen, wenn alle gleichzeitig an die Boxen kommen. Da ist uns die Meldung nicht gleich aufgefallen. Wir werden unsere Systeme für das nächste Mal so anpassen, dass uns das gleiche nicht noch einmal passiert.

Trotz des vergleichsweise kleinen Vergehens bekam Lewis Hamilton die Höchststrafe: zehn Sekunden Stop and Go. Antonio Giovinazzi musste aus dem gleichen Grund zum Strafstopp. Für den Mann, der schon wie der sichere Sieger aussah, begann das Rennen in der 29. Runden noch einmal von vorne. Hamilton kehrte mit einem Rückstand von 29,9 Sekunden auf Spitzenreiter Pierre Gasly und 18,4 Sekunden auf das Ende des Feldes ins Rennen zurück. Die Strategieprogramme von Mercedes hielten zu diesem Zeitpunkt sogar noch einen fünften Platz für möglich.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza
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Hamilton saß seine Zehnsekunden-Strafe ab, während das Feld über die Zielgerade schoss.

Zu lange von Albon aufgehalten

Am Ende musste der WM-Spitzenreiter froh sein, dass er sich noch auf den 7. Platz nach vorne kämpfte und den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde einheimste. Es dauerte nur acht Runden, da hatte Hamilton die Lücke zu Alexander Albon geschlossen. Doch dann hing er vier Runden hinter dem Red Bull fest. "Das hat Lewis zwei Positionen gegenüber der Prognose gekostet", rechneten die Ingenieure vor. Danach ging es mit dem Überholen schneller. Innerhalb von 14 Runden ging der Weltmeister noch an acht Konkurrenten vorbei und sprach zufrieden von bestmöglicher Schadensbegrenzung. "Ich bin mit meiner Fahrt zufrieden. Erst habe ich gedacht, ich lande nirgendwo. Gefühlt hat es ewig gedauert, bis ich das Feld wieder gesehen und die ersten Autos überholt habe."

Hamilton schaffte im Schlussspurt, was Valtteri Bottas das ganze Rennen lang nicht gelang. Der Finne überholte nach einer schlechten Startrunde, die ihn auf den sechsten Platz zurückwarf, ein einziges Auto. Und das auch nur, weil Kimi Räikkönen mit seinen weichen Reifen kämpfte, die gegen Ende hin immer stärker abbauten. Bottas vermutete von Anfang an ein Problem mit seinem Auto. Nach zwei Berührungen mit Lando Norris im Kampfgetümmel der ersten Runde, glaubte er zunächst an einen Reifenschaden, dann an einen beschädigten Frontflügel. "In Kurve 7 habe ich ein starkes Untersteuern verspürt. In Kurve 8 wollte das Auto gar nicht mehr einlenken. Ich war mir sicher, dass da etwas nicht in Ordnung war."

Der Finne stand 53 Runden lang auf Kriegsfuß mit den Rechtskurven von Monza. "Wenn du schlecht aus Lesmo, Ascari und der Parabolica rauskommst, kannst du auf den Vordermann auch nicht dicht genug aufschließen. Ich war nie näher als sieben Zehntel an meinem Vordermann dran." Die Mercedes erwiesen sich im Verkehr wieder einmal als kritisch. Sie waren mit der Kühlung am Limit. "Es war am Renntag zwei Grad wärmer als vorausberechnet", hieß es aus der Strategiezentrale. Die Ingenieure steuerten zwar in der Pause zwischen den beiden Rennen dagegen, indem sie die Kühlöffnungen leicht vergrößerten, aber ganz aus der Welt schaffen konnten sie das Problem trotzdem nicht.

Und warum hat Hamilton dann so viel mehr Autos überholt als Bottas? Weil er halt der Hamilton ist und nicht Bottas, wäre die einfache Antwort. Die Ingenieure stärkten Bottas den Rücken: "Wenn das Auto in den Kurven einseitig so schlecht ist, muss etwas nicht gestimmt haben." Bottas meinte nach dem Rennen geknickt: "Eine erste Untersuchung hat noch keine Antworten gebracht."

Neue Motorregel schlecht für Rennen

Die Fahrer kritisierten auch die Beschränkung auf einen Motor-Modus. Obwohl er Mercedes im Vergleich zur Konkurrenz eher geholfen als geschadet hat. Hamilton erklärt warum: "Weil wir jetzt eine höhere Power-Stufe fahren können, die wir früher nur begrenzt einsetzen durften." Der Qualifikation-Modus wurde dennoch schmerzlich vermisst. Die Mercedes-Fahrer konnten ja nicht wissen, dass sie im Rennen in den Verkehr zurückfallen würden und zum Überholen gezwungen waren. Unter dem Überholknopf kommt jetzt nur noch der volle Elektroschub von 163 PS. Vom Motor selbst nichts mehr.

Hamilton und Bottas fanden, dass es dadurch schwieriger wurde, selbst klar langsamere Gegner zu überholen. Speziell in Monza, wo der DRS-Effekt und der Vorteil des Windschatten wegen der kleinen Flügel nicht so groß ausfällt wie sonst. "Die neue Regel ist nicht gut für das Rennen", kritisierte Hamilton. "Es hat in der Vergangenheit mehr Spaß gemacht, den Motor zu managen und sich den Überhol-Boost einzuteilen." Teamchef Toto Wolff fühlte sich bestätigt: "Wir haben immer vor diesen Konsequenzen gewarnt."

Die Ausbeute von 17 Punkten ist für Mercedes-Verhältnisse bescheiden. Und trotzdem beschwerte sich nach dem Sieg keiner über die unglücklichen Begleitumstände. Ganz im Gegenteil. "Tage wie diese braucht der Rennsport", freute sich Wolff mit Sieger Gasly. "Es tut gut neue Gesichter auf dem Podium zu sehen. Der Sieger ist ganz stark gefahren, und das Team hat die richtigen Entscheidungen getroffen. Sie haben es verdient."

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