Magny Cours

Hamilton unter Druck

Foto: Wolfgang Wilhelm 47 Bilder

Mal silberner Held, mal "Pisten-Pirat": Formel-1-Pilot Lewis Hamilton erlebt eine Saison der Extreme und steht nach seinem peinlichen Boxengassen-Crash von Kanada beim Großen Preis von Frankreich am Sonntag (22.6.) unter besonderem Druck.

Zusätzlich erschwert wird das "Unternehmen Wiedergutmachung" durch die Strafversetzung um zehn Startplätze, die einen Sieg des Briten nahezu unmöglich macht. "Es wird eine echte Herausforderung", gestand der 23-Jährige vor der Landpartie in Magny Cours.

"Idiotenfehler", "dämlich", "Anfänger" - die internationale Presse kannte nach dem Auffahrunfall mit dem an einer roten Ampel stehenden Ferrari von Weltmeister Kimi Räikkönen in Montreal vor eineinhalb Wochen keine Gnade. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug räumte ein: "Klar sah es dumm aus." Und Räikkönen wetterte noch Tage später: "Ich kann nicht glauben, dass er die rote Ampel und vor allem die zwei dort stehenden Autos nicht gesehen hat." Hamilton habe seine Strafe verdient, setzte der Champion hinzu. 

Entschuldigung bei Ferrari

Das bestreitet auch das Team des Vize-Weltmeisters nicht. Man habe sich bei Ferrari entschuldigt, versicherte Haug. Damit aber soll es genug sein. "Lewis hat die volle Rückendeckung und er wird sie auch weiter haben", sagte Haug. "Ich habe mich selbst stark unter Druck gesetzt, und wenn man dann keinen Erfolg hat, fühlt sich das nicht besonders gut an. Aber das sind die Tage, die den eigenen Charakter festigen und einen stärker machen", sagte Hamilton dem britischen Rundfunksender BBC.

Allerdings war der kuriose Patzer von Montreal nicht der erste kapitale Schnitzer des einstigen PS-Wunderknaben. Dem kometenhaften Einstieg in die "Königsklasse" mit neun Podiumsplätzen in Serie folgte am Saisonende der Sturz aus allen Wolken, als er in Shanghai mit abgefahrenen Reifen an seinem Wagen in der Boxeneinfahrt in den Kies rutschte und so letztlich den WM-Titel verspielte. 

Achterbahnfahrt 2008

In dieser Saison erlebte Hamilton eine wahre Achterbahnfahrt. Souveräne Darbietungen wie beim Auftaktsieg in Melbourne und beim spektakulären Erfolg in Monaco wechselten mit dicken Fehlern. Zunächst in Bahrain, als er im Training seinen Silberpfeil in einen Reifenstapel jagte und im Rennen nach verpatztem Start mit Renault-Pilot Fernando Alonso kollidierte. Und dann kam Montreal: "Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll, um zu erklären, wie viel Druck auf meinen Schultern lastet", verriet Hamilton.

"Ich bin nicht überrascht. Letztes Jahr lief alles für ihn, und er hatte Glück. Dieses Jahr ist schon eher normal", kommentierte Ex-Teamkollege Alonso die Missgeschicke seines Rivalen. Doch Hamilton lässt sich nicht beirren. Zwar wird er in Magny Cours, wo überholen kaum möglich ist, zehn Plätze weiter hinten starten müssen. Doch der WM-Zweite, der vier Punkte hinter Spitzenreiter Robert Kubica (BMW-Sauber) rangiert, setzt auf ein Formel-1-Wunder. "Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir dort gewinnen können", sagte er. Es wäre eine weitere denkwürdige Episode in Hamiltons Jahr der Extreme.

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