Technik-Entscheidungen

Red Bull mit Kers, McLaren mit Melbourne-Aero

Formula 1 Grand Prix, Malaysia, Saturday Foto: xpb 50 Bilder

Am Freitagabend rauchten die Köpfe in den Ingenieursbüros. Red Bull und McLaren hatten wichtige Entscheidungen zu treffen. Das Ergebnis: Red Bull fährt mit Kers, McLaren mit einer leicht abgewandelten Melbourne Spezifikation.

Spätestens seit dem GP Australien ist Kers ein Dauerthema bei Red Bull. Fahren sie mit oder ohne? Die Antwort ist fast so wichtig wie die Befindlichkeiten von Sebastian Vettel und Mark Webber. In Australien hatte sich Red Bull gegen den Hybridantrieb entschieden, es aber erst nach dem Rennen offiziell bestätigt.

Kers ohne Probleme

Diesmal ist schon am Samstagvormittag bekannt: Red Bull fährt mit dem System. Wenn im dritten Training noch ein gravierendes Problem auftritt, dann bleibt dem Weltmeisterteam nur noch eine Lösung: Batterien raus, Ballast rein. So wie in Melbourne. Ab Beginn der Qualifikation ist nicht einmal mehr das möglich. Dann müssen alle Komponenten an Bord bleiben. Kers müsste dann abgeschaltet werden mit dem Risiko, dass der Generator ohne Arbeit mitläuft.

Kers hatte am Freitag nahezu problemlos in beiden Red Bull funktioniert. Deshalb trafen die Ingenieure die Entscheidung für einen Einsatz. In Melbourne waren sie noch in der komfortablen Lage, notfalls auf Kers zu verzichten. Das Auto hatte die vier Zehntel, die der Extraschub von 82 PS bringt, in der Tasche. Das Risiko war zu groß, weil sich Kers im Freitagstraining wegen Überhitzung immer wieder abgeschaltet hatte. Die Fahrer mussten dann auf Befehl der Box einen Reset machen. Das An und Aus hatte unmittelbar Auswirkungen auf die Bremsbalance und nervte die Fahrer.

McLaren auf altem Stand

McLaren kam am Freitag erstaunlich nahe an die Red Bull-Zeiten heran. Da wird Kers für Red Bull vielleicht doch zum entscheidenden Faktor. McLaren selbst geht in Sepang kein Risiko ein. Nachdem Jenson Button mit dem Aerodynamikpaket von Melbourne bessere Zeiten erzielte als Lewis Hamilton, baute das Team für Qualifikation und Rennen auch das zweite Auto auf den alten Stand zurück. Unterboden und Auspuff sind also identisch mit den Autos vom ersten Grand Prix. Nur die neuen Bremsbelüftungsschächte bestanden den Härtetest. Teamchef Martin Whitmarsh beharrt: "Theoretisch müsste das neue Paket besser sein."

Die Ingenieure hatten jedoch Mühe, den MP4-26 optimal abzustimmen. Beide Fahrer klagten über Balanceprobleme. Das ist auf einer Strecke wie Sepang ein Ausmusterungsbescheid. Je schlechter die Balance, umso mehr frisst das Auto die Reifen. In den schnellen Kurven steigt der Verschleiß und damit der Grip-Abbau exponentiell an. McLaren wollte sich nicht die Chance nehmen, Red Bull unter Druck zu setzen. In Shanghai wird McLaren am Freitag einen zweiten Anlauf wagen, das neue Aerodynamikpaket zum Laufen zu bringen.

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