Manor-Marussia auf FIA-Nennliste

Das Last Minute-Unternehmen

Marussia - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 7. Juni 2014 Foto: ams 40 Bilder

Marussia schwebt zwischen Sein und Nichtsein. Der Rennstall befindet sich nicht mehr in der Insolvenz. Die Nachfolgefirma Manor hat offenbar seriöse Investoren aus England gefunden. Das Nenngeld ist bezahlt, der Crashtest angemeldet. Die FIA hat Manor-Marussia am Freitag (27.2.2015) unter Vorbehalt auf die Nennliste gesetzt. Trotzdem herrscht Skepsis. Ist dieses Last-Minute-Projekt seriös?

Die FIA hat am Freitag die Nennliste für die Formel 1-WM 2015 veröffentlicht. Darauf steht auch der Name Manor-Marussia F1 Team. Dabei handelt es sich um den Nachfolge-Rennstall von Marussia. Die Nennung ist unter Vorbehalt. Das Team muss bei der technischen Abnahme zum Saisonstart in Melbourne ein Auto nach den 2015er Regeln präsentieren.

Einer der beiden Fahrer ist der Engländer Will Stevens. Der andere wird noch gesucht. Statt Erleichterung, dass es wieder 10 Formel 1-Teams gibt, herrscht in der Szene Skepsis. Und große Angst, was mit Sauber, Force India und Lotus passiert. Angeblich ist bei allen drei die Saison nicht gesichert.

Der letzte Auftritt von Marussia datiert vom GP Russland in Sochi. Seitdem ist das Team mit der ehemals russischen Lizenz untergetaucht. Die letzten drei Grand Prix 2014 in Austin, Interlagos und Abu Dhabi fanden ohne Marussia statt. Ein Insolvenzverwalter übernahm das Regiment.

Besitzer Andrej Cheglakov versuchte sein Tafelsilber loszuwerden. Das Team verkaufte die Fabrik in Banbury an HaasF1, zog in die Manor-Räumlichkeiten in Dinington um und wurde von John Booth und Graeme Lowdon am Leben erhalten.

Aus gutem Grund. Dem neuntplatzierten Team der Konstrukteurs-WM 2014 stehen 47 Millionen Dollar aus den Einnahmen von Bernie Ecclestone zu. Aber nur wenn Marussia in diesem Jahr auch antritt. Der Weg ist aber mit vielen Hürden gespickt.

Crashtest für Manor Marussia am 5. März

Wichtigster Punkt: Es fand sich tatsächlich ein Investor. Eine Gruppe von englischen Geschäftsleuten um Stephen Fitzpatrick, den Chef der englischen Energiefirma Ovo. Auch der Sainsbury-Chef Justin King soll beteiligt sein. Der wurde eine zeitlang sogar als Nachfolger von Bernie Ecclestone gehandelt.

Die neuen Besitzer des Rennstalls werden in FIA-Kreisen als seriös bezeichnet. Kein undurchsichtiges Geld aus Russland, kein mysteriöser arabischer Geldgeber, der sich am Ende als Seifenblase entpuppt.

Das Problem: Bei Marussia herrschte über den Winter Stillstand. Erst als die Firma aus der Insolvenz entlassen wurde, konnten wieder Geschäfte getätigt werden. Der Antrag mit dem 2014er Auto fahren zu dürfen, wäre am Veto der Teams gescheitert, die scharf auf das Marussia-Geld sind.

Also müssen Chassis und Nase den 2015er Regeln angepasst werden. Ein Klimmzug in der kurzen Zeit, weil das Chassis nach vorne verlängert werden muss und man eine neue Nase braucht. Doch das Team hat sich am 5. März zum Crashtest angemeldet. Einen Tag vor der Abreise nach Melbourne.

Da über den Winter keine Ersatzteile produziert wurden, ist das Materiallager schlecht gefüllt. Es soll vor allem an Karbonteilen und Aufhängungen fehlen. Ferrari versprach 2014er Motoren, aber nur wenn vorab 10 Millionen Euro bezahlt werden. Offizielles Statement aus Maranello: "Es gibt ein Abkommen mit Manor." Offenbar sagt man sich in Maranello: Besser Manor-Marussia fährt. Dann haben wir eine Chance einen Teil des Geldes zu sehen, das man uns von 2014 noch schuldet.

Ecclestone will Garantien

Die Antrittsgebühr von 526.256 Dollar wurde bei der FIA bezahlt. Und trotzdem herrscht Skepsis. Bernie Ecclestone hat offenbar Angst, dass Marussia nur auf die 47 Millionen scharf ist und mit einem nicht konkurrenzfähigen Auto antritt, um sich den Anteil am Kuchen abzuholen. Die Autos waren schon im letzten Jahr zwischen drei und vier Sekunden langsamer als die Spitze.

Ohne vernünftige Entwicklungsarbeit mit alten Motoren und einem Kompromiss-Chassis wird der Rückstand ansteigen. Alle anderen haben über den Winter mindestens 1,5 Sekunden gefunden. Da droht eine Blamage.

Die 107-Prozent-Hürde könnte für Marussia zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Viele glauben, dass Marussia in Melbourne nach der technischen Abnahme auf einen Start verzichten will, um Zeit zu gewinnen.

Angeblich hat Bernie Ecclestone die neuen Besitzer von Marussia aufgefordert, bei der Bank die gleiche Summe zu hinterlegen, die er an das Team auszahlen müsste. Ohne Verpflichtungen, nur um sicherzustellen, dass das Projekt seriös ist. Bis jetzt soll nur ein Zehntel der Summe deponiert worden sein.

Anderseits muss sich Ecclestone keine Sorgen machen. Die Rechteinhaber zahlen mittlerweile monatlich an die Teams aus. Wenn ein Rennstall während der Saison aufgibt, werden auch die Zahlungen eingestellt. Das hält das Risiko gering.

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