Martin Brundle als Streckenspion

"Sie brauchen die ganze Straße"

Brundle & Villeneuve - Formel 1 - GP Brasilien - 22. November 2013 Foto: xpb 40 Bilder

Martin Brundle ist ein guter Beobachter. Und er weiß als früherer Pilot, was sich in den Cockpits abspielt. Der Engländer, der heute für den britischen Bezahlsender Sky berichtet, ging am ersten Trainingstag auf die Strecke. Und brachte interessante Eindrücke mit.

Martin Brundle ist 158 Grand Prix gefahren. Er war Teamkollege von Stefan Bellof, Michael Schumacher und Rubens Barrichello. Heute arbeitet er für den englischen Bezahlsender Sky. Brundle ist ein exzellenter Kenner der Szene. Und ein guter Beobachter. Seine Eindrücke von der Strecke sind gefragt. Auch Formel 1-Ingenieure kommen zu ihm und wollen wissen, wie ihr Auto auf der Strecke aussieht.

"Ich mag die Tonlage, aber nicht die Lautstärke"

Der neue Turbo-Sound kann Brundle nicht begeistern. "Ich mag die Tonlage, aber nicht die Lautstärke. Die Motoren sind mir zu leise." Dafür werden die Zuschauer mit viel mehr Action auf der Strecke entschädigt als früher. Man sieht wieder echte Drifts, Autos, die beim Bremsen unruhig auf der Bahn liegen und beim Beschleunigen mit dem Heck ausbrechen wollen. "Die Fahrer brauchen viel mehr Straße als früher. Es gibt nicht mehr die eine Ideallinie. Das habe ich seit Jahren nicht mehr erlebt."

Brundle fällt weiter auf: "Jede Kurve ist ein Kampf. Auch die schnellen. Der Rechtsknick der schnellen Schikane ist ein echter Hinschauer. Da haben die Fahrer alle Hände voll zu tun, um das Auto am Ausbrechen zu hindern. Ganz klar, hier fehlt massiv Abtrieb. Aber du bekommst ein besseres Gefühl den Speed, weil die Autos nicht mehr so auf Schienen fahren." RTL-Kollege Christian Danner scherzt: "Die liegen ja wieder wie mein alter Arrows."

"Fahrer brauchen jeden Millimeter Straße"

Die Fahrer machen deutlich mehr Fehler als in den letzten Jahren, als der Anpressdruck die Autos auf der Straße festnagelte. Alle fünf Minuten rodelte einer durchs Kiesbett oder verpasste seinen Bremspunkt. Räikkönen hat sogar auf gerader Strecke die Mauer touchiert.

Brundle ist überzeugt: "Die Fans werden das lieben. Endlich sehen sie wieder, dass im Cockpit etwas passiert. In den Bremszonen brauchen die Fahrer jeden Millimeter Straße, um perfekt einlenken zu können. Deshalb haben einige vor dem Einlenken den Grünstreifen berührt und sind dann auch abgeflogen. Man sieht ganz klar, bei wem die Bremsbalance funktioniert, und bei wem nicht. Mercedes, Williams, Force India und Red Bull liegen satt auf der Straße. Die Ferrari sind da extrem nervös. Man merkt, dass sich Räikkönen verloren fühlt. Er verpasst jeden zweiten Bremspunkt."

"Red Bull in den schnellen Kurven am besten"

Dann kommen wir zu der Beurteilung der Autos. Brundles Kurzurteil: "Der Red Bull liegt in den schnellen Kurven am besten. Obwohl der Renault-Motor an einigen Stellen immer noch nicht rund läuft. Das ist aber beim Red Bull weniger schlimm als bei den anderen Renault-Kunden." Der Toro Rosso ist das ganze Gegenteil. "Das Auto liegt ganz schlimm auf der Straße, vor allem beim Bremsen."

Der neue Ferrari F14T macht in den Kurven einen guten Eindruck: "Guter Speed im Scheitelpunkt", applaudiert Brundle. Die Mercedes-Autos profitieren von der kultivierten Leistungsabgabe des Motors. "Da läuft alles linear. Doch Hochbeschleunigen und das Runterschalten. Insgesamt macht der Mercedes den besten Eindruck."
 

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