Marussia-Technikchef Pat Symonds

"Ich ziehe meinen Hut vor Glock"

Pat Symonds Marussia Foto: xpb 61 Bilder

Marussia wird sich auch in diesem Jahr mit Caterham um den zehnten Platz in der Konstrukteurs-WM streiten. Eine Trumpfkarte hat der russische Rennstall aus Finanznot hergeschenkt. Timo Glock räumte sein Cockpit, damit Marussia überleben kann. Stattdessen fährt der Brasilianer Luiz Razia für ihn.

Am Ende es Feldes geht es ums nackte Überleben. Die Budgets von Marussia und Caterham werden auf 50 bis 60 Millionen Euro geschätzt. Mit den klassischen Sponsoren ist das nicht mehr zu bestreiten. Privat-Teams finden immer schwerer Geld auf dem Sponsormarkt. Sie sind von rennverrückten Mäzenen oder Fahrern mit einer dicken Brieftasche abhängig. Und selbst dann leben sie von der Hand in den Mund. Mit dieser Summe kann man gerade Mal eine Saison mit bescheidener Entwicklungsarbeit bestreiten.

Jede Million extra zählt

Im Tabellenkeller zählt jede Million Euro extra. "Bei den kleinen Teams", erklärt Technikchef Pat Symonds, "können sich da schnell die Entwicklungsmöglichkeiten verdoppeln. Für Red Bull hat eine Million zusätzlich kaum Auswirkungen. Für uns schon." Da kann ein Bezahlfahrer mit einer entsprechenden Mitgift Gold wert sein.

Als das Team mit Timo Glock die Problematik erörterte, da hielt der Hesse nicht krampfhaft an seinem Vertrag fest. Glock wurde im Gegensatz zu seinem Nachfolger fürs Fahren bezahlt. "Ich muss da vor Timo den Hut ziehen", erzählt Symonds. "Er hat unsere Situation verstanden und für das Team entschieden. Timo sagte zu uns: Wenn mein Abschied bei euch 100 Jobs sichert, dann mache ich Platz für einen anderen Fahrer."

Der frühere Chefingenieur von Benetton und Renault bedauert aus sportlicher Sicht, dass Glock nicht mehr an Bord ist. "Er ist ein ausgezeichneter Fahrer, der uns mit seiner Erfahrung und seinem Feedback bei der Entwicklung des Autos viel geholfen hat. Und er war exzellent bei schwierigen Bedingungen. Auf trockener Straße hat er Pic je nach Tagesform drei bis fünf Zehntel abgenommen. Wenn die Bedingungen schwierig wurden, wie beim letzten Rennen in Brasilien, waren es eineinhalb Sekunden. Wäre ihm Vergne nicht ins Auto gefahren, hätten wir locker den zehnten Platz vor Caterham verteidigt." Und das hätte bei einer Wiederholung im Jahr 2014 aus Bernie Ecclestones Kasse 30 Millionen Dollar extra gegeben. 

Caterham geht es nicht besser

Max Chilton und Luiz Razia bringen zwar Geld in die Marussia-Kasse, doch ihnen fehlt genau das, was ein Timo Glock oder ein Heikki Kovalainen hatten. Die Routine, den Speed, das technische Verständnis, den Überblick in Drucksituationen. Beide Marussia-Piloten sind Debütanten. Der einzige Lichtblick aus Sicht von Marussia ist es, dass es Caterham nicht besser geht. Auch dort sitzen mit Charles Pic und Giedo van der Garde zwei Fahrer der zweiten Kategorie im Auto. Keinem traut man zu, dass aus ihnen jemals ein Vettel oder Hamilton wird.

Es fällt auf, dass in diesem Jahr noch nicht einmal der Meister aus der GP2-Klasse rekrutiert wurde. Davide Valsecchi ist nur Reservefahrer bei Lotus. Mit Luiz Razia, Esteban Gutierrez, Max Chilton und Giedo van der Garde fanden der letztjährige Zweite, Dritte, Vierte und Sechste aus der Nachwuchsklasse den Weg in die Formel 1. Sie stachen Valsecchi mit der dickeren Brieftasche aus. 

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