Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2021 xpb
Max Verstappen - Porträt - Formel 1 - 2017
Max Verstappen - 2014
Max Verstappen - 2015
Max Verstappen - 2016 59 Bilder

Verstappens Rundumschlag: Pilot im Angriffsmodus

Verstappens Rundumschlag Ein Pilot im Angriffsmodus

GP Abu Dhabi 2021

Max Verstappen klagt. Der WM-Führende findet, dass die Regeln bei ihm anders ausgelegt werden als etwa bei Lewis Hamilton. Er kann die Strafen gegen sich beim GP Saudi-Arabien nicht verstehen. Er deutet zwischen den Zeilen an, dass der Mercedes zeitweise illegal gewesen sei. Und er habe nun eine ganz andere Wahrnehmung auf seinen Rivalen.

Der Renndirektor beugt vor. Michael Masi appelliert in seinen "Race Directors‘ Event Notes" vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi an die beiden Rivalen um den Titel, einen fairen Kampf auszutragen. Der Australier erinnert sie unter Absatz 29 an den Internationalen Sport-Kodex der FIA – eine Art Verhaltens-Gesetzbuch. Und er macht Max Verstappen und Lewis Hamilton klar, dass unsportliches Verhalten nicht toleriert werden wird, und sogar im extremen Fall zu einem Ausschluss führen könnte.

Die Stimmung vor dem GP Abu Dhabi ist aufgeladen. Sie ist gewissermaßen vergiftet nach den Ereignissen vor vier Tagen in Saudi-Arabien. Da begegneten sich Verstappen und Hamilton mehrmals auf der Strecke. Der Red Bull-Pilot griff mit teilweise waghalsigen Manövern an, und verteidigte sich mit Ellbogen. Er stieg vor Hamiltons Mercedes mit einem Bremsdruck von 69 bar in die Eisen. Der Weltmeister fuhr seinem Herausforderer auf. Manche finden, Hamilton trug seinen Teil dazu bei.

Verstappen - Hamilton - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
xpb
Die WM-Rivalen schenkten sich in Saudi-Arabien nichts. Wenn einer nachgab, war es Hamilton.

Andere Maßstäbe für Verstappen?

Verstappen bekam zwei Zeitstrafen ausgesprochen. Fünf Sekunden, weil er bei einem Verteidigungsmanöver neben die Strecke geriet, und Hamilton gleich mit riss, den Platz aber nicht rechtzeitig abtrat. Zehn Sekunden, weil die Sportkommissare ihm die Hauptschuld für den Auffahrunfall anlasten. Der 24-Jährige findet nicht, dass er etwas falsch gemacht habe. "Wir sind beide neben die Strecke geraten, aber nur einer wurde bestraft." Stimmt, aber: Hamilton hätte die Kurve ohne den querstehenden Red Bull neben sich wahrscheinlich bekommen. "Generell bin ich hart gefahren, habe aber in keiner Situation eine Strafe verdient gehabt."

Der WM-Führende hat kein Problem damit, dass er in der Kritik steht. "Die wird es immer geben." Aber er fühlt sich von den Sportkommissaren unfair behandelt. "Für mich scheinen andere Maßstäbe zu gelten. Zwei andere Fahrer haben dieselben Manöver geritten, und dafür wurde keine Strafe ausgesprochen." Er bezieht sich damit auf den Zweikampf der beiden Ferrari-Fahrer. "Und dann gab es noch das Duell zwischen Russell und Stroll." Dann zeigt Red Bulls Star mit dem Finger auf seinen großen Rivalen. "Lewis hat mich von der Strecke gedrückt. Er hat dabei sogar zu mir rüber geschaut. Ich bekomme die Strafe, er nicht mal eine Verwarnung."

Er spielt auf den Vorfall in der 43. Rennrunde an. Da hatte der Titelverteidiger den Red Bull in der Zielkurve innen überholt, und ihn langsam neben die weiße Linie der Streckenmarkierung gedrückt. Warum? Damit Verstappen auf der nachfolgenden Geraden auch ja nicht zu einem weiteren Konter ansetzen kann. "Aus meiner Sicht war ich schon klar vorn. Ich habe mir keine Wiederholung angesehen. In dem Moment hatte ich nicht erwartet, dass er neben mir auftaucht. Ich glaube, er hat es versucht, aber es war kein Platz. Ich wollte möglichst viel Schwung mitnehmen. Jedenfalls habe ich ihn nicht mit Absicht abgedrängt", sagt Hamilton.

Verstappen voller Selbstvertrauen

An seiner Fahrweise will Verstappen auch im Saisonfinale nichts ändern. Stattdessen richtet er einen Appell an die Regelhüter: "Ich bitte nur darum, dass wir alle gleich behandelt werden. Was passiert ist, ist aus meiner Sicht nicht korrekt. Die Regeln werden verschieden ausgelegt." Es ist davon auszugehen, dass er auch im Finale in jede Lücke stechen wird – auch wenn sie noch so klein ist.

Dass er sich mit dem Messer zwischen den Zähnen verteidigen wird, wenn Hamilton hinter ihm auftauchen sollte. Dieser Mann mit dem niederländischen Pass ist aufs Gewinnen gepolt. Verlieren gibt es im Hause Verstappen nicht. Wie greift er an, wie verteidigt er sich? Wägt er das Risiko vorher ab oder folgt er nur seinen Instinkten bei Angriff und Verteidigung? "Ich nutze meine Erfahrung und meinen Instinkt. Am Ende ist es das Ziel, nach jeder Kurve vorne zu sein."

Verstappen ist ein Fahrer, der mit Selbstvertrauen vollgestopft ist. "Ich glaube, ich wäre 2015 schon bereit gewesen, um die Weltmeisterschaft zu fahren, wenn ich das Auto dazu gehabt hätte." Damals saß er jedoch in einem Toro Rosso. In seiner siebten Saison hat er ein Auto, mit dem er gegenhalten kann. In dem er um die Weltmeisterschaft kämpft. Kleiner Seitenhieb zu Hamilton. "Ein schnelles Auto macht dir das Leben deutlich einfacher. Wenn du in einem überlegenen sitzt, kämpfst du meist nur gegen deinen Teamkollegen."

Hamilton - Verstappen - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo
Aktuell

Abgekühltes Verhältnis zu Mercedes

Vor dem WM-Finale lässt der Holländer den Druck an sich abperlen – zumindest nach außen hin. "Ich fühle mich sehr gut. Ich bin entspannt. Ich bin hier angekommen, um zu gewinnen. So wie an jedem anderen Wochenende in dieser Saison." Ein zehnter Saisonsieg wäre der eleganteste Weg, erstmals Weltmeister zu werden. "Das werde ich versuchen."

Der Blick geht immer wieder zurück auf eine Saison voller Turbulenzen. Verstappen betont, dass sich sein Verhältnis zu Mercedes und Hamilton abgekühlt hat. "Meine Sicht auf sie hat sich deutlich verändert. Und das nicht zum Positiven." Er selbst sei sich treu geblieben. "Ich bin dieselbe Person wie vorher. Nur mit noch mehr Erfahrung."

Verstappen befindet, dass sein Team zwar gute Fortschritte gemacht habe, er in Summe aber im langsameren Auto sitze. "Wir haben unser Auto verbessert. Der Motor ist stärker. Wir sind konkurrenzfähig. Ich würde nicht sagen, dass wir auf dem Level von Mercedes sind. Aber als Fahrer kann man gewisse Defizite ausgleichen."

Würde Verstappen gratulieren?

Zwischen den Zeilen lässt er anklingen, dass der Mercedes zeitweise illegal unterwegs gewesen sein. Er bezieht sich wohl auf den Heckflügel. "Leider kann man ihr Auto vor ein paar Rennen nicht mehr überprüfen." Red Bull ist überzeugt, dass Mercedes einen zu biegsamen hatte, und sich dadurch einen großen Vorteil auf den Geraden erschlich.

Mercedes entgegnet, dass es einen solchen Flügel zu keiner Zeit gegeben habe. Fakt ist, dass Mercedes bei keinem Check durchfiel – außer bei der DRS-Untersuchung nach der Brasilien-Qualifikation. Das aber hatte nichts mit der angeblichen Flexibilität des Flügels zu tun. Die Spalte im Heckflügel war zu groß, weil sich zwei Befestigungsschrauben gelockert hatten.

Es steht in diesem einen Rennen alles auf dem Spiel. Würde Verstappen Hamilton im Falle einer Niederlage gratulieren? "Wenn es fair abläuft, werde ich das machen."

Formel 1 Aktuell Alpha Tauri - Launch Ankündigung 2022 Termine F1-Autos 2022 Alpha Tauri launcht am Valentinstag

Die ersten F1-Teams haben ihre Präsentationstermine bekanntgegeben.

Mehr zum Thema GP Abu Dhabi (Formel 1)
Safety-Car - GP Abu Dhabi 2021
Aktuell
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2021 - Rennen
Aktuell
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2021
Aktuell
Mehr anzeigen