Carlos Sainz - McLaren - GP Italien 2020 - Monza - Rennen xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Pierre Gasly - Alpha Tauri - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Alpha Tauri - GP Italien 2020 - Monza - Rennen 51 Bilder

McLaren sammelt 30 Punkte in Italien: Eine Runde fehlt Sainz zum Sieg

McLaren sammelt 30 Punkte in Italien Eine Runde fehlt Sainz zum Sieg

Kein Team holte in Monza mehr Punkte als McLaren. Carlos Sainz und das Team trauerten trotzdem einen Moment dem verpassten Sieg hinterher. Später überwog die Freude. McLaren hatte das zweitschnellste Rennauto – und machte einen großen Schritt Richtung Platz drei.

So stark schnitt McLaren lange nicht mehr ab. Platz zwei für Carlos Sainz, Platz vier für Lando Norris. Das machte in Summe 30 Punkte beim GP Italien. Es ist über sechs Jahre her, dass der stolze Rennstall aus Woking mehr Zähler bei einem Grand Prix einsammelte. Kevin Magnussen und Jenson Button erzielten in Australien 2014 ein Doppelpodest – dank der Disqualifikation des Zweitplatzierten Daniel Ricciardo. Es brachte McLaren 33 Punkte.

In Monza hätte es wieder für ein Doppelpodium reichen können. McLaren sah sich auf Kurs zu Platz zwei und drei hinter Lewis Hamilton. Dass es am Ende die Ränge zwei und vier wurden, lag mitunter an der Rennunterbrechung. Carlos Sainz sah sich um seinen ersten Karriere-Sieg gebracht. Beim Spanier mischten sich nach dem Zieleinlauf Freude und Enttäuschung. Es fehlten 0,415 Sekunden auf die Premiere. "Eine Runde mehr und ich hätte Pierre noch abgefangen", glaubt Sainz.

Pierre Gasly - Carlos Sainz - GP Italien 2020 - Monza
Motorsport Images
Pierre Gasly brachte seinen Alpha Tauri knapp vor Carlos Sainz ins Ziel.

Neustart stellt alles auf null

Der Mann aus Madrid, der ab 2021 für Ferrari fahren wird, sah seine Felle durch die Rennunterbrechung bereits davonschwimmen. "Es fühlte sich zunächst so an, als hätte sich wieder alles gegen mich verschworen." Erinnerungen kamen hoch an verkorkste Boxenstopps und Technikpannen, die seinen McLaren in dieser Saison befallen hatten. Sainz rechnete vor dem GP Italien vor, dass ihm die Unpässlichkeiten mindestens 30 WM-Punkte gekostet hätten. Nach dem Nicht-Start in Belgien sprudelte es aus ihm heraus. "Die Pechsträhne nagt an mir, obwohl ich keine Schuld trage."

Sainz glaubte an den Rennsieg, doch der Neustart stellte die Uhren auf null. Lewis Hamilton war durch die Strafe raus aus der Verlosung um den größten Pokal. Antonio Giovinazzi wegen der gleichen Sünde kein Gegner. Kimi Räikkönen im langsamen Alfa Romeo durfte trotz frischer weicher Reifen kein Konkurrent sein. Dafür ist der McLaren einfach zu schnell. Lance Stroll und Pierre Gasly waren die großen Rivalen um den Erfolg. Und die beiden durften in der Pause neue Reifen aufziehen.

Stroll wäre ohne Unterbrechung kein Gegner gewesen, weil der Kanadier noch hätte die Reifen wechseln müssen. Racing Point hielt ihn unter dem Safety Car auf der Strecke. So wurde Stroll später der Boxenstopp geschenkt. Gasly hatte seinen Pflichtstopp bereits vor dem Safety Car hinter sich gebracht. Die Pause gab ihm die Gelegenheit, frische Medium-Reifen für den zweiten Rennteil aufzuziehen.

Sainz musste hingegen mit der gebrauchten Garnitur der gelbmarkierten Mischung weiterfahren, die er in Runde 22 erhalten hatte. Ein harter Reifen hätte am Start zu viele Nachteile mit sich gebracht – Stichwort Grip. Ohne die Zwangspause hätte das Duell Gasly gegen Sainz unter anderen Vorzeichen stattgefunden. Der Franzose auf den haltbareren, aber langsameren harten Reifen gegen den McLaren auf dem Medium.

Zu viele Turbulenzen

Sainz rang Stroll in der zweiten Startrunde nieder, entledigte sich den Alfas und machte Jagd auf den Alpha Tauri. Er hatte das schnellere Rennauto. "Ich hatte schon vor den Zwischenfällen das Mittelfeld locker im Griff. Und später hatte ich die bessere Pace als Pierre."

Der McLaren war in Italien hinter Mercedes das zweitschnellste Auto im Feld. Die mittelschnellen und schnellen Kurven im zweiten Streckenteil sind wie gemacht für die DNA des MCL35. "Wir haben schon in Spa gesehen, dass das Low-Downforce-Paket gut mit dem Grundcharakter unseres Autos harmoniert", urteilte Teamchef Andreas Seidl. "In Monza ging es noch ein bisschen besser. Die Kurvencharakteristika haben das Auto in den Sweetspot gebracht."

Sainz verkürzte innerhalb von 13 Runden um 2,8 Sekunden. Die Aufholjagd geriet ins Stocken, als er sich 1,5 Sekunden hinter Gasly befand. Der Zweite erklärt, wieso: "Ab da verlor ich überproportional viel Abtrieb an der Vorderachse. Ich mag das dichte Windschattenfahren nicht, weil unser Auto in dieser Beziehung sehr empfindlich reagiert." Sainz kam erst in der letzten Runde in den DRS-Bereich – zu spät für eine echte Attacke.

Der Pilot konnte sich nichts vorwerfen: "Ich habe wie verrückt Druck gemacht. Ich habe um jedes Zehntel gekämpft." Man hörte am Funk, wie sehr Sainz diesen Sieg wollte. Sein Renningenieur erinnerte, dass auch ein zweiter Platz wertvoll sei. "Ich will aber diesen Sieg", entgegnete der 26-Jährige.

Carlos Sainz - Pierre Gasly - GP Italien 2020 - Monza
xpb
Fairer Gratulant: der Zweitplatzierte Sainz und Rennsieger Gasly.

McLaren macht Druck

Nach der Enttäuschung kam die Einsicht. Sainz gratulierte dem Sieger. "Platz zwei war in Summe verdient. Ohne Unterbrechung wäre ich Zweiter hinter Hamilton geworden. Ich freue mich für Pierre." Auf dem Podest merkte man den drei Fahrern an, dass sie die Hauptdarsteller einer völlig unerwartet historischen Show waren. Gasly, Sainz und Stroll hätten es verdient gehabt, mit den Tifosi zu feiern, die wegen Corona ausgesperrt waren. "Es ist eigentlich das coolste Podest des Jahres. Jetzt stehen wir gemeinsam hier oben und können die atemberaubende Atmosphäre nicht aufsaugen", hieß es im Chor. Sainz: "Hoffentlich kann ich das in Zukunft mit Ferrari nachholen."

Durch die 30 WM-Punkte verschaffte sich McLaren erst einmal ein kleines Polster zu den Verfolgern. Der dritte Platz in der Team-Weltmeisterschaft ist das Ziel. Racing Point liegt 16 Punkte zurück, Renault 27, Ferrari 37. Zuvor waren die vier Teams nur um neun Punkte getrennt. In den nächsten neun Saisonrennen will McLaren den Platz hinter Mercedes und Red Bull verteidigen.

Ein dritter Platz wäre die Bestätigung, dass Woking langsam aber sicher wieder zu einem Spitzenteam wird. Es bringt mehr Geld in die Teamkasse für 2021 – und wäre der nächste Moralbeschleuniger für eine Mannschaft, die seit Einleitung der Umstrukturierungen 2018 und der Ankunft Seidls sowie Technikchef James Key 2019 wieder an sich glaubt. Wer ist der Favorit im Rennen um Platz drei, Herr Seidl? "Vom Potential des Autos Racing Point. Sie sind auf den typischen Rennstrecken, die jetzt kommen, sehr stark. Wir haben die Fahrer und das Team auf unserer Seite."

Bei McLaren wissen sie, dass es mehr braucht, als die Budgetobergrenze und die neuen Regeln 2022, um wieder um Siege und Weltmeisterschaften zu fahren. Deshalb wird an der Infrastruktur in Woking gearbeitet. Projekte, die während Corona auf Eis lagen wegen der unklaren finanziellen Lage, sollen unter Hochdruck fortgesetzt werden.

Seidl zählt auf: "Wir kennen unsere großen Defizite gegenüber den Top-Teams: Windkanal, CFD, Simulator – da sind wir nicht auf dem neuesten Stand. Du brauchst aber die besten Werkzeuge. Neubau und Anschaffungen brauchen aber Zeit. Es gibt in diesem Business keine Abkürzungen." McLaren nutzt den Windkanal von Toyota in Köln. "Das ist allein schon logistisch ein Mehraufwand. Und der Windkanal ist zehn Jahre alt. Mercedes, Ferrari und Red Bull sind in dieser Beziehung besser aufgestellt."

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