Baustelle McLaren

Fünf Defekte in sechs Tagen

Fernando Alonso - McLaren - F1-Test - Barcelona - Tag 5 - 6. März 2018 Foto: Stefan Baldauf 24 Bilder

Was ist mit McLaren-Renault los? Am sechsten Testtag legte das Team zum fünften Mal eine unfreiwillige Pause wegen eines Defekts ein. Die Teamführung beteuert, dass es noch keinen Alarm in Woking gibt.

Das ist eine Story für die Schadenfrohen in der Formel 1. Und davon gibt es viele. Der Toro Rosso-Honda läuft und läuft und produziert dabei noch anständige Rundenzeiten. McLaren-Renault hält auch einen Rekord. Die neue Kombination hat die meisten roten Flaggen ausgelöst.

Am sechsten Testtag schlug der Defektteufel schon wieder zu. Diesmal führte ein Ölleck zum Stillstand in Kurve 7. Eine McLaren-Baustelle, wie man im Team zugab. Zuerst sah es so aus, als ließe sich der Schaden reparieren, doch dann bestand Renault darauf, den Motor auszubauen. Die Franzosen wollen das Triebwerk erst einmal durchchecken, bevor es wieder ins Auto kommt. Also wieder drei Stunden Däumchen drehen.

Spott über McLaren-Probleme

Fernando Alonso trug es mit Fassung. Manche sagen Galgenhumor. Der Spanier twitterte: „Frühe Mittagspause. Gute Runden heute morgen. Mehr davon am Nachmittag!!!“ Dahinter setzte Alonso vier Mal den erhobenen Daumen.

Auch Toro Rosso zeigte Sinn für feine Ironie. Als das Auto am Morgen des fünften Testtages auf die erste Installationsrunde ging, verschickte der italienische Rennstall den Tweet: „All systems Woking fine.“ Später verbesserte man den absichtlichen Schreibfehler in „working“. Mit Woking war natürlich der Sitz von McLaren gemeint, dem früheren Chassis-Partner von Honda. McLaren-Direktor Zak Brown wiegelte ab: „Es ist logisch, dass wir jetzt mit Toro Rosso verglichen werden. Honda macht einen tollen Job, aber wir konzentrieren uns auf uns.“

Das Ölleck war bereits der fünfte Defekt, der den McLaren-Renault im Laufe der Testfahrten von Barcelona lahmlegte. Es begann mit dem Radverlust gleich am ersten Testtag. Dann der lockere Auspuff, der die halbe Heckpartie verbrannte.

Zu Beginn der zweiten Testwoche erwischte es den WM-Neunten des Vorjahres gleich zwei Mal. Zuerst streikte die Batterie, dann sorgte ein Hydraulikleck für ein frühzeitiges Ende des Testtages. Nach anderthalb Testtagen in der zweiten Woche steht die Uhr bei gerade mal 85 Runden. Sebastian Vettel alleine hat in der gleichen Zeit 237 Runden abgespult.

McLaren-Führung stellt sich der Presse

Stoffel Vandoorne - McLaren - F1-Test - Barcelona - Tag 5 - 6. März 2018 Foto: Stefan Baldauf
Der McLaren schaffte es schon mehrmals nicht aus eigener Kraft zurück an die Box.

Da war Feuer unter dem Dach. McLaren bot für die Pressekonferenz am Mittwochmittag gleich das ganze Top-Management auf. Zum eingeplanten Zak Brown gesellte sich noch Teamchef Eric Boullier. Der Franzose musste die technischen Fragen beantworten, die auf das Team einprasselten, das in diesem Jahr wenigstens wieder um Podiumsplätze fahren will. Zu der Pannenserie meinte Boullier: „Das sind Testfahrten. Da geht schon mal etwas kaputt. Wir haben einen neuen Motor im Heck. Das macht die Aufgabe nicht einfacher.“

Es fällt auf, dass sich vier der fünf Schadensfälle auf das Heck des neuen McLaren MCL33 konzentrieren. Es fällt auch auf, dass McLaren jeden Tag mehr Öffnungen in die superenge anliegende Verkleidung des Autos stanzt. Gibt es da etwa einen Zusammenhang? Boullier verneint. Er gibt aber auch zu, dass man beim Versuch, die Aerodynamik zu optimieren, hier und da einen Schritt zu weit gegangen sei.

„Wir haben versucht, das Maximum aus unseren Fahrzeugkonzept und der aerodynamischen Plattform herauszuholen. Jetzt gibt es halt Schritt für Schritt Anpassungen. Auch das ist in der Testphase normal.“ Boullier beteuert, dass notwendige Modifikationen in diesem Bereich keinen Einfluss auf das weitere Aero-Programm bis zum GP Australien haben.

Red Bull 1,9 Sekunden schneller

Die Rundenzeiten von Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne sind schwer einzuordnen. Als einziges Team verwendet McLaren regelmäßig die Reifensorten Supersoft, Ultrasoft und Hypersoft. Alonsos schnellste Runde mit 1.19,856 Minuten am Morgen des sechsten Testtages mit Pirellis neuem Superkleber Hypersoft macht sich im Umfeld der anderen ganz ordentlich aus, doch was ist sie wirklich wert?

Lewis Hamilton fuhr zur gleichen Zeit 1.18,945 mit unmarkierten Medium-Reifen. In der Mittagssonne schraubte Daniel Ricciardo die schnellste Testzeit mit Hypersoft-Reifen auf 1.18,047 Minuten. Das wäre 1,9 Sekunden schneller als McLaren mit dem gleichen Motor und den gleichen Reifen. Allerdings bei besseren Bedingungen.

McLaren setzt aus „technischen Gründen“ auf die weichsten Mischungen. Da man diese Gründe nicht im Detail erklären will, kann man nur vermuten, dass sich das Team noch keine Longruns zutraut und aus diesem Grund lieber die weichen Reifen zum Einsatz bringt. Sie sind schneller auf Temperatur zu bringen und liefern dann in den kurzen Sequenzen, die man auf der Strecke ist, belastbare Erkenntnis über Auto und Setup. Boullier räumt ein, dass man mittlerweile deutlich hinter dem Zeitplan liegt. „Wir werden deshalb die Prioritäten anpassen, und diese Prioritäten bis zum Testende abhaken.“

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