Carlos Sainz - McLaren - GP Türkei 2020 - Istanbul xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Sergio Perez - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Charles Leclerc - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen 21 Bilder

McLarens Achterbahnfahrt: Neustart am Rennsonntag

McLarens Achterbahnfahrt Neustart am Rennsonntag

McLaren drohte im Kampf um den dritten WM-Platz den Anschluss zu verlieren. Doch Carlos Sainz und Lando Norris retteten den Traditionsrennstall mit 15 WM-Punkten. Trotzdem trauerte McLaren ein wenig einer verpassten Podest-Chance hinterher.

Racing Point auf den Startplätzen eins und drei. Renault auf den Positionen fünf und sieben. Die McLaren selbst nach einer verhagelten Qualifikation und Startplatzstrafen gegen Carlos Sainz und Lando Norris nur auf den Plätzen 15 und 16. Das sah nach einer Pleite aus. Es drohte McLaren der vorzeitige K.o. im Kampf um den dritten Platz in der Teamweltmeisterschaft.

Doch nach 58 Rennrunden liefen die McLaren auf den Rängen fünf und acht ein. Norris garnierte eine starke Vorstellung mit dem Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde. Teamchef Andreas Seidl lobte seine Mannschaft. "Es war einer der schlechtesten Samstage, seit ich das Team leite. Aber wir haben den Reset-Knopf gedrückt und zurückgeschlagen. Es ist schön zu sehen, dass das Team den Rückschlag weggesteckt hat und den Rennsonntag mit neuem Mut angegangen ist. Das gehört zum Lernprozess und der Entwicklung dazu."

Gegensätzliche Grand Prix der Fahrer

Es gab nicht den einen Grund, warum McLaren am Sonntag auf einmal schnell war. Mehrere Faktoren spielten zusammen. Eine falsche Entscheidung in der Qualifikation. Der Aufwärmprozess der Reifen. Die Charakteristik des MCL35. Am Samstag hatte sich der Rennstall aus Woking selbst ein Bein gestellt. Man riskierte im zweiten Quali-Teil zunächst eine Ausfahrt auf den Intermediates und fiel böse auf die Nase. Der Wechsel zurück auf die Regenreifen kam zu spät. Als die Reifen warm gefahren waren, war die Uhr bereits runtergetickt. Erstmals in dieser Saison nahm kein McLaren-Fahrer an Q3 teil.

Einen Tag später war der papayagelbe Rennwagen wie verwandelt. Auf den Intermediate-Reifen war der McLaren eines der schnellsten Autos im Feld. Vor allem in der Schlussphase überrollten Sainz und Norris die Konkurrenz. Der Spanier kassierte noch Daniel Ricciardo, Lance Stroll und Alexander Albon. Norris fiel ebenfalls über Ricciardo und Stroll her.

Unterschiedlicher hätte der Grand Prix für die Piloten nicht sein können. Sainz gewann in der Startrunde sechs Position. "Ich bin gut weggekommen und konnte die Reifen sofort anzünden. Danach war die Geschwindigkeit auf beiden Reifentypen solide. Es war eines der härtesten Rennen meiner Karriere, weil es so rutschig war auf diesem glatten Asphalt. Ich bin sehr glücklich, zehn Positionen gutgemacht zu haben."

Sein Teamkollege kraxelte wie ein Käfer aus der Startbox. Der Renault-V6 im Heck wurde durch den nicht vorhandenen Grip auf der linken Seite der Startaufstellung und durchdrehende Hinterräder aus dem Konzept gebracht. Beinahe wäre der Sechszylinder abgestorben. Der Engländer lenkte sein Auto als Letzter durch die erste Kurve, kam aber als 15. wieder zurück über den Zielstrich, weil sich Valtteri Bottas und Esteban Ocon gleich zwei Mal trafen und die Williams aus der Boxengasse gestartet waren.

Lando Norris - McLaren - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
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McLaren überraschte sich am Rennsonntag in der Türkei selbst.

Knapp am Podest vorbei

"Bis auf den Start war das Rennen ziemlich gut. Leider war das Überholen sehr schwierig. Normal ist es so im Trockenen, aber selbst auf einer nassen Strecke gab es nur eine Rennlinie. Aber als die Bahn frei war, hatten wir eine sehr gute Geschwindigkeit", berichtete der Engländer. Norris war erst in der 27. Runde in den Punkten. Da war Sainz schon Siebter.

Die Fahrer hielten ihr Rennauto auf der Strecke, leisteten sich keine Fehler und überholten, wann sich ihnen eine Chance bot. Norris zwischendurch spektakulär zwischen der vorletzten und letzten Kurve gegen George Russell. Je weniger Wasser auf der Strecke, desto schneller wurden die McLaren. Weil sie die Reifen auf Temperaturen hielten und nicht zu stark verschlissen – eine Frage des Setups und des Fahrstils.

Ein paar Runden mehr noch, und Sainz hätte sogar auf das Podest fahren können. Er hatte Sergio Perez, Sebastian Vettel und Charles Leclerc schon eingeholt. Auf den Zweiten Perez fehlten im Ziel rund 2,5 Sekunden. Für den Moment schwankte Teamchef Seidl deshalb zwischen Freude und ein wenig Enttäuschung. 15 WM-Punkte waren weit mehr, als man vor dem Start erwarten durfte. Aber mit besseren Startplätzen hätte es das dritte Podest der Saison werden können.

"Es fühlt sich ein bisschen nach einer vertanen Möglichkeit an. Wir waren so nah dran an Ferrari. Vielleicht hätten wir mit Carlos als Team mehr attackieren sollen. Andererseits hatten wir nicht mehr viel Leben im Reifen. Da kannst du schnell mal mit null Punkten enden. Alles in allem war das ein sehr gutes Rennen mit starken Leistungen unserer Fahrer, guten strategischen Entscheidungen und schnellen Boxenstopps." McLaren war eines der Teams, dem der zweite Boxenstopp und ein frischer Satz des Intermediates nutzte.

Carlos Sainz - McLaren - GP Türkei 2020 - Istanbul
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Mit den Regenreifen harmonierte der McLaren nicht so wie mit den Intermediates.

Vierkampf um Platz drei?

Die Türkei bestätigte den Trend, dass McLaren ein besseres Rennauto hat als über eine Runde. In der Qualifikation fehlt es gegenüber Racing Point und Renault – manchmal auch gegen Ferrari. Der MCL35 ist ein Auto, das offenbar eine gewisse Last auf den Reifen braucht, um das Maximum herauszudrücken. Vollere Tanks helfen in dieser Beziehung. "Quali und Rennen fordern immer einen gewissen Kompromiss mit dem Setup. Was wir am Sonntag geschafft haben, hatte am Samstag nicht gekappt: die Reifen richtig zum Arbeiten zu bringen. Wir müssen aber vorsichtig bei der Analyse sein, weil die Voraussetzungen mit dem glatten Asphalt spezielle waren."

Und McLaren hat offenbar aus Portimao gelernt. In der Türkei überstrapazierte das Auto auf dem glatten Belag die Hinterreifen. In Istanbul war das Gegenteil der Fall. Ein Setup, das die Reifen schonte, war ein Trumpf auf abtrocknender Strecke. Eine Portion Glück war mit im Spiel, wie man aus Seidls Aussagen heraushört. Das Team überraschte sich am Rennsonntag selbst. "Wir hatten ehrlich nicht erwartet, so konkurrenzfähig zu sein. Vor allem auf den Intermediate-Reifen war die Pace plötzlich da. In freier Luft waren Carlos und Lando sauschnell." Diese hochkomplexen Autos führen manchmal ein Eigenleben. Die Reifen sowieso.

In der Weltmeisterschaft verlor McLaren nur fünf Punkte auf Racing Point und sammelte 14 Zähler mehr als Renault. Mit Ferrari schwingt sich ein neuer Konkurrent auf. "Wir sind weiter drin im Kampf um den dritten Platz, haben aber sicher nicht das dritt- oder viertschnellste Auto momentan. Wir haben aber zwei tolle Fahrer, ein gutes Team und sind mit unserem Auto konkurrenzfähig, um uns im Kampf zu halten. Am Beispiel Ferrari sieht man, wie schnell es gehen kann. Ein weiteres Rennen wie hier und es ist ein Vierkampf."

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