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McLaren attackiert Ferrari

Zak Brown geht auf Mattia Binotto los

Die Formel 1 sucht im Hintergrund fieberhaft nach Lösungen, um die Corona-Krise zu überstehen. Dabei reiben sich die Teams. McLaren-Teamchef Zak Brown kritisiert Ferraris Rennleiter Mattia Binotto für widersprüchliche Aussagen.

Die Formel 1 streitet mal wieder. Es ist der Kampf zwischen Groß und Klein, zwischen den Topteams und dem restlichen Feld. Es geht ums Geld und ein ausgeglicheneres Feld. Die Topteams wollen sich selbst in der Krise nicht zu stark einschränken lassen. Sie würden sich vor der Realität verschließen und um ihren Wettbewerbsvorteil fürchten, befinden die kleinen Teams.

Red Bull und vor allem Ferrari wehren sich dagegen, die Budgetobergrenze drastisch zu reduzieren. Die kleinen Teams wünschen sich eine Absenkung auf bis zu 100 Millionen Dollar. Klassenprimus Mercedes liegt irgendwo dazwischen. Der Abonnementweltmeister fährt zwar nicht die harte Linie von Ferrari und Red Bull. Was angesichts des Gewinneinbruchs von Daimler von fast 80 Prozent im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresabschnitt auch nicht zu verkaufen wäre. Andererseits will man den Budgetdeckel nicht ganz so tief ansetzen wie die kleinen Teams.

Binotto will nicht voreilig handeln

Die Rädelsführer in der Öffentlichkeit heißen Mattia Binotto und Zak Brown. Ferrari gegen McLaren: 238 gegen 182 GP-Siege. Ein Zweikampf, der die Königsklasse prägte. Ferraris Teamchef bittet darum, keine voreiligen Beschlüsse zu fassen, die man später vielleicht bereuen könnte. Binotto wünscht, dass sich die Formel 1 nicht von der Corona-Krise treiben lässt. Die Entscheidungen sollten mit Augenmaß getroffen werden, und nicht aus der Panik heraus.

"Wir sind uns alle bewusst, dass die Formel 1 und die ganze Welt durch die Coronavirus-Pandemie besonders schwere Zeiten durchleben", sagt Binotto. "Es ist aber nicht die Zeit, voreilig zu handeln, denn dann geht man das Risiko ein, Entscheidungen in dieser Notsituation zu treffen, ohne alle Konsequenzen durchdacht zu haben."

Ein Interview, das die britische Zeitung "The Guardian" am Donnerstag (23.4.2020) veröffentlichte, sorgte für Aufsehen. Zwischen den Zeilen klang eine Drohung durch. Man konnte sie so lesen und interpretieren: Sollte die FIA die Budgetobergrenze zu weit absenken, müsste sich Ferrari nach Alternativen umsehen. Im schlimmsten Fall die Formel 1 sogar verlassen.

Mattia Binotto - Ferrari - Chase Carey - Liberty Media - GP China - Shanghai - Formel 1 - Freitag - 12.4.2019
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Ferrari-Teamchef Mattia Binotto und F1-Boss Chase Carey: Ferrari sträubt sich dagegen, das Budget-Cap noch weiter abzusenken.

Keine Alternative zur Formel 1

Ferraris Presseabteilung versuchte, Binottos Aussagen abzumildern. Man sprach von einem Missverständnis. In einem Statement stellte die Scuderia klar: "Mattia hat nie erwähnt, dass Ferrari die Formel 1 verlassen würde. Im Gegenteil, er sagte, dass wir nicht in die Lage versetzt werden möchten, neben unserem Engagement in der Formel 1 weitere Optionen in Betracht zu ziehen, um unsere Renn-DNA zu entfalten, für den Fall, dass die Budgetobergrenze noch drastischer reduziert würde, was Hunderte von Arbeitsplätzen gefährden würde. "

Diese Klarstellung wirkt etwas schwammig. Binotto möchte nicht in die Lage versetzt werden, andere Optionen neben der Formel 1 in Betracht zu ziehen. Doch warum sollte die Formel 1 darauf Rücksicht nehmen? Soll man deshalb ein Reglement nicht umschreiben? Ferrari steht es frei, in anderen Rennserien zu fahren und sein Personal einzusetzen.

Aber seien wir mal ehrlich: Wo will Ferrari seine Marke sonst hervorheben, als in der Formel 1? Einen besseren Werbewert gibt es für das Team nicht, das seit 1950 dabei ist und inzwischen 991 Grand Prix absolviert hat. Weit mehr als alle anderen.

Die Formel E ist keine Alternative. Zu wenig TV-Präsenz, zu wenig Glamour, kein Bezug zur Straße. Ferrari verkauft keine Elektroautos. Die WEC und Le Mans sind ein Schatten ihrer selbst. Die IndyCar-Serie? Die bietet zwar guten Rennsport, aber mit Einheitsautos von Dallara und Motoren von Chevrolet und Honda. Und genau das will Ferrari überhaupt nicht, selbst wenn man einen eigenen Motor beisteuert.

Brown kritisiert Binotto

Das Statement mag zwar abgeschwächt worden sein, doch im Kern lässt es immer noch Interpretationsspielraum. Bis zu einer Ausstiegsdrohung. Ferrari hatte bereits zugestimmt, die Budgetobergrenze von 170 auf 145 Millionen Dollar (135 Millionen Euro) zu senken. Die kleinen Teams wünschen sich mehr. McLaren brachte 100 Millionen Dollar (92 Millionen Euro) ins Spiel, die aber nicht ausnahmslos gelten würden. Die Fahrergehälter zum Beispiel sollen weiter herausgerechnet werden.

Ferrari will sich nicht in ein zu enges Korsett drängen lassen. Zumindest nicht sofort. Ein Stufenplan, der vorsieht, das Budgetcap nach 2021 im Jahr darauf ein weiteres Mal abzusenken, stößt bei den Italienern auf keine Gegenliebe.

Für McLarens Oberhaupt Zak Brown sind Binottos Aussagen eine Steilvorlage. Keine voreiligen Beschlüsse? "Ich bin fast ratlos, was ich dazu sagen soll", sagt der US-Amerikaner und geht dann ins Detail: "Wir erleben die größte Krise. Länder und Industrien sperren zu. Sich nicht zu beeilen, und nicht zu thematisieren, was passiert, ist ein Fehler. Das ist sehr schlechte Führungsstrategie. Als ob man es leugnen würde."

Die Aussagen tätigte Brown gegenüber englischen Medien, wie zum Beispiel der BBC oder Racefans.net. Der McLaren-Boss drängt darauf, dass die Formel 1 die Krise als Chance begreift, um den ungesunden Lebensstil abzulegen. In der Königsklasse des Motorsports verbrennt jedes Team Geld. Die Budgets der Topteams sind auf über 400 Millionen Euro angewachsen. Mercedes und Ferrari beschäftigen mehr als 1.000 Angestellte.

"Wenn die Formel 1 ihren alten Gewohnheiten weiter folgt, setzen wir die Zukunft der Serie aufs Spiel. Aber wenn wir unseren Blick nach vorne richten und mit der Zeit gehen, können wir nicht nur überleben, sondern der Sport kann gedeihen und wir alle gewinnen", befindet Brown.

Lando Norris - McLaren - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2020
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McLaren sieht die DNA der Formel 1 nicht in Gefahr - selbst wenn die Budgets drastisch nach unten gehen.

Verwässert die DNA der Formel 1?

Binotto fürchtet, die Formel 1 verwässere ihre DNA. Brown hält dagegen. Der 48-Jährige glaubt nicht, dass die Formel 1 ihren Status als Königsklasse des Motorsports verlieren würde, sollten die Ausgaben drastisch reduziert werden. Die Formel 1 bliebe auch mit 100 Millionen US-Dollar konkurrenzlos. Und die Spitze der Technik. "Ich kenne keine andere Rennserie, die auch nur im Ansatz diesem Level nahe ist, was das Geldausgeben und die Teamgrößen anbetrifft", führt er aus.

"Selbst, wenn sich manche Teams verkleinern müssten. In der Mehrheit der anderen Serien gibt es Einheitsautos und nur ein paar Motorenhersteller. Ich glaube deshalb nicht, dass ein Budget Cap die DNA der Formel 1 als Technologieführer schmälern würde."

Red Bull und Ferrari schwebt vor, dass sich die kleinen Teams lieber komplette Kundenautos erwerben sollten, statt das Budget zu verringern. Brown sieht darin einen Widerspruch. "In der Formel 1 geht es um Konstrukteure. Kundenautos gab es vor Jahrzehnten. Das kann nicht die Zukunft sein. Ich sehe nicht, wie die Idee von Kundenautos mit den Aussagen zum Erhalt der DNA passen sollen."

Brown plädiert für eine gerechtere Geldverteilung. Der US-Amerikaner versteht, dass die großen Teams Bauchschmerzen haben, Personal abzubauen. Er sieht die ethische Verpflichtung. Doch er sieht einen Widerspruch darin, das Personal in anderen Rennserien einzusetzen. "Keine andere Serie hat die DNA der Formel 1. Und selbst wenn man in jeder anderen Serie teilnehmen würde, hätte man immer noch zu viel Personal."

Und dann bringt Brown noch einmal die Ethik ins Spiel. Die FIA würde gerne offenlegen, was Ferrari mit seinem 2019er Motor getriebe habe. Doch der Rennstall der Herzen blockiert. Es bestehe ein Vergleich. Brown würde sich wünschen, dass Ferrari zu Transparenz übergeht.

Vorauszahlung an Teams

McLaren gegen Ferrari, ein Duell, das uns früher auf der Rennstrecke gefesselt hat, wird jetzt verbal ausgetragen. Es dürfte noch heißhergehen in den Gesprächen zwischen FIA, Liberty Media und den Teams. "Ich bin für eine gesunde Debatte, aber die Kommentare, die ich gelesen habe, bauen nicht aufeinander aus, sondern widersprechen sich und spiegeln nicht wider, was ich für die Wirklichkeit halte", sagt Brown.

Liberty Media scheint die Bedrohung begriffen zu haben, der die Formel 1 ausgesetzt ist. Um die Liquidität der Teams aufrecht zu erhalten, zahlte man als Soforthilfe an gewisse Rennställe bereits einen Teil der Preisgelder vorab aus. Und um den großen Dampfer Formel 1 durch die Krise zu bringen, verkündete Liberty am Donnerstag, die Formula One Group mit einer zusätzlichen Milliardenspritze flüssig zu halten.

Und auch die FIA hat ein weiteres Mal reagiert. Der Weltverband fügt eine neue Klausel als Schutzmaßnahme für seine Rennserien in das Internationale Sportgesetz. Unter Paragraf 18.2.4 ist jetzt definiert, dass es für kurzfristige Änderungen keine Einstimmigkeit mehr brauche, solange es um die Existenz des Sports geht. Es reicht dann eine einfache Mehrheit. Das könnte den kleinen Teams beim Streit um das Budget Cap einen Joker zuspielen.

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