Lando Norris - McLaren - F1 - Formel 1 - Testfahrten - Bahrain 2021 xpb
McLaren MCL35M - Formel 1 - 2021
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McLaren im Aufwind: Nummer 3 nach guten Tests?

McLaren im Aufwind Guter Testwinter, Nummer 3 im Feld?

McLaren gehörte zu den Gewinnern der Wintertests. Mit dem neuen Auto ist dem Traditionsrennstall ganz offenbar der nächste Schritt gelungen. Der GP Bahrain soll die Bestätigung bringen. McLaren wähnt sich näher am Spitzenduo und in einer guten Ausgangsposition im Mittelfeld.

Noch fehlt der Beweis, doch die ersten Indizien sprechen dafür, dass McLaren auf dem Weg zurück an die Formel 1-Spitze ein weiterer Schritt gelungen ist. Der neue MCL35M, der wegen der Corona-Regeln praktisch aus dem Home Office entwickelt wurde, bringt das auf die Rennstrecke, was die Ingenieure über den Winter errechnet hatten. Sie konnten den Schaden, den die neuen Regeln für die Aerodynamik angerichtet haben, schon minimieren.

Die Einschnitte an Unterboden, hinteren Bremsbelüftungen und Diffusor sollten die Autos etwa zehn Prozent Abtrieb gekostet haben. Autos mit einer flachen Anstellung, wie der Mercedes und der Aston Martin, trafen sie härter als die mit mehr Bodenfreiheit im Heck, wie den Red Bull. McLaren liegt mit seiner Anstellung ungefähr in der Mitte. Noch ist das neue Auto nicht ganz auf dem Niveau des alten. Das geht aber allen so.

Immerhin haben die tiefen Einschnitte den gutmütigen Charakter des Autos nicht verdorben. Die Fahrer trafen bei den Wintertests auf ein berechenbares Auto, das keinen großen Schwankungen beim Anpressdruck unterliegt. "Wir haben uns in einigen Bereichen verbessert. Wir werden mit den Updates über die Saison hinweg vermutlich ein schnelleres Auto haben als Ende der letzten Saison. Generell haben wir ein stimmiges Paket, das aber noch nicht perfekt ist", sagt Lando Norris. Stabilität schafft Vertrauen. Und der Papaya-Renner harmoniert auch mit den neuen Pirelli-Reifen. Daniel Ricciardo zeigte bei den Testfahrten, dass selbst die weiche Mischung am MCL35M zu einem Dauerbrenner werden kann.

Daniel Ricciardo - McLaren - F1 - Formel 1 - Testfahrten - Bahrain 2021
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Daniel Ricciardo soll McLaren sowohl in der Qualifikation als auch im Rennen beflügeln.

Mehr Leistung, kompakterer Einbau

Auch die Operation am Herzen funktionierte. Es war McLarens größte Baustelle über den Winter, weil der neue Motor eine andere Installation, eine andere Kühlung verlangte. Die Ingenieure blieben trotz der komplizierten Umbauten unter der Haube im Zeitplan. Mehr noch: Den Mercedes-V6-Turbo zündeten sie sogar ein paar Tage vor Soll.

Vom Motor aus Brixworth verspricht sich McLaren mehr Leistung. Zudem soll der Mercedes-Turbo kompakter bauen als der Renault-V6. Das freut die Aerodynamiker, weil sie die Verkleidung enger um die Eingeweide ziehen können. Das senkt den Luftwiderstand und erhöht den Abtrieb. Mit ein paar Kompromissen werden die Ingenieure zunächst leben müssen. Das strenge Reglement erlaubte nur Anpassungen, die direkt mit der Verpflanzung des neuen Motors in Zusammenhang standen. Die volle Freiheit haben die McLaren-Ingenieure erst mit dem 2022er Auto.

Experten sehen McLaren nach den Testfahrten als Nummer drei im Feld – hinter Red Bull und Mercedes. Es scheint, dass selbst die Lücke zu den beiden Branchengrößen kleiner geworden ist. Nicht klein genug aber, dass McLaren selbst ein schwächelndes Mercedes angreifen würde können. Damit rechnet zumindest die Teamführung nicht.

Keiner im Traditionsrennstall will sich zu weit aus dem Fenster lehnen, weil das nach nur drei Testtagen mit jeweils unterschiedlichen Verhältnissen auch als überheblich ausgelegt werden könnte. Teamchef Andreas Seidl spricht zwar von einem "super Winter für das Team", einen ohne große Probleme. Trotzdem übt sich der Bayer in Zurückhaltung. "Nach den Testfahrten ist es schwierig zu sagen, wo genau wir stehen. Wir haben eine gute Basis und hoffen auf einen guten Start. Ein gewisses Grundrauschen an Nervosität bleibt aber immer."

McLaren mit Momentum auf seiner Seite

Auf McLaren wartet wie auf die Konkurrenz ein extrem kompliziertes Jahr. Kein Topteam, kein Rennstall aus dem dichten Mittelfeld kann es sich erlauben, 2021 zu opfern, um 2022 am schnellsten aus den Startlöchern zu kommen. Weil keiner die Garantie hat, beim neuen Reglement wirklich richtig zu liegen. Deshalb bestünde die Gefahr, zwei Saisons ins Wasser zu setzen.

Für McLaren geht es auch darum, eine positive Serie aufrechtzuerhalten, die 2018 mit dem sechsten WM-Platz begann. 2019 kletterte das Team aus Woking auf Platz vier. Im letzten Jahr sprang im Konstrukteurs-Pokal der dritte Platz heraus. Schritt für Schritt will sich McLaren wieder zu einem Spitzenteam arbeiten. Bislang wurde jeder Zwischenschritt im Masterplan erreicht. Mit klarer Struktur, und dem Selbstvertrauen, dass man durch den Aufwärtstrend gewonnen hat.

In Woking gibt es jetzt eine eingespielte Mannschaft, die sich gegenseitig vertraut. Und eine Kultur, in der auch mal Fehler erlaubt sind, wenn sie dann erkannt und abgestellt werden. Diesen Weg nach oben will McLaren 2021 weitergehen. Es gilt, das Momentum aufrechtzuerhalten – als größten Boost sozusagen. Neuzugang Daniel Ricciardo soll dem Team dabei helfen, das Vorjahr zu bestätigen.

Der Australier kann mit seiner Erfahrung aus zehn Jahren Formel 1 den Ingenieuren neue Denkanstöße geben. Am meisten verspricht sich McLaren aber von seinen Leistungen auf der Rennstrecke. Ricciardo ist mit sieben Siegen und drei Pole-Positions ein ausgewiesener Top-Fahrer. An ihm kann auch der junge Lando Norris in seiner dritten Formel 1-Saison weiter wachsen.

"Ich bin zuversichtlich", sagt Ricciardo. "Ich bin ziemlich schnell auf Speed gekommen mit dem neuen Auto. Ich fühle mich in einer guten Position für den Saisonstart. An diesem Wochenende endet das Gerede oder der Quatsch. Ich werde sehen, wo ich stehe. Das Team wird sehen, wo es im Feld ist. Wir sollten wieder im Kampf um Platz drei sein." Der Teamkollege fühlt sich ebenfalls bereit. "Mit der Erfahrung der letzten beiden Jahre habe ich einen besseren Schlachtplan."

Andreas Seidl - McLaren - F1 - Formel 1 - Testfahrten - Bahrain 2021
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Andreas Seidl ist seit Mai 2019 McLaren-Teamchef. Die Zwischenziele im Masterplan wurden bislang erfüllt.

Wann für 2022 abspringen?

Die ersten Wochen der neuen Saison werden über die weiteren Entwicklungsschritte mit dem MCL35M entscheiden. McLaren will wie die anderen Teams erst einmal sehen, wo man tatsächlich steht. Bahrain könnte das Kräfteverhältnis verwässern. Für den Rennsonntag sind starke Winde von bis zu 75 km/h angekündigt. Stärker noch als bei den Testfahrten. Zudem ist der Asphalt speziell: auf keiner anderen Rennstrecke ist er so rau.

Es wird ein paar Rennen, ein paar unterschiedliche Strecken, verschiedene Reifenmischungen, unterschiedliches Wetter brauchen, um die wahre Hackordnung zu bestimmen. Je nachdem, wo man dann steht, wird entscheiden, wie viel der kostbaren Windkanalzeit man noch in das 2021er Auto steckt oder ob man bereits vollständig zum 2022er Projekt umschwenkt.

Die Regelrevolution fordert große Ressourcen. Sonst könnte man über Jahre hinweg hinterherfahren. Und ein Team wie McLaren sieht darin die große Chance, den Rückstand auf die Topteams Mercedes und Red Bull stark zu verkleinern. Die Regeländerungen allein reichen nicht. Auch die Infrastruktur muss weiter auf Vordermann gebracht werden.

Budgetdeckel und eingeschränkte Windkanalzeit erschweren allen Teams eine Parallelentwicklung. Warum? Wer zweigleisig fährt, läuft Gefahr, ineffizient zu sein. Arbeiten am einen Auto schmälern zwangsläufig die Ressourcen, die für das andere aufgebracht werden können. Die großen Teams genießen nicht mehr den früheren Vorteil. Sie können es sich nicht mehr leisten, alle Eventualitäten abzudecken und Entwicklungsrichtungen zu evaluieren. Weil dafür mit einer Obergrenze von 145 Millionen Dollar nicht mehr das Geld vorhanden ist. Und weil das Regelwerk die Nutzung von Windkanal und CFD limitiert. Die Ingenieure sind gezwungen, entweder die eine oder andere Richtung einzuschlagen.

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