Carlos Sainz - McLaren - Formel 1 - GP Steiermark 2020 - Spielberg - Rennen xpb
Vergleich Racing Point RP20 vs. Mercedes W10 - F1 2020
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McLaren begrüßt Renault-Protest: Konstrukteurs- oder Copy-WM?

McLaren begrüßt Renault-Protest Konstrukteurs- oder Copy-WM?

Mercedes gewinnt die Rennen, Racing Point bestimmt die Schlagzeilen. McLaren ist zwar kein Freund von Protesten, erachtet den Renault-Einspruch gegen den RP20 aber als wichtig. Weil es um die grundsätzliche Ausrichtung der Formel 1 geht.

Noch hat Racing Point nicht die Ergebnisse eingefahren, die im Auto eigentlich drinstecken. Ausfall und Strategiefehler im ersten Rennen, zu schlechte Startplätze im zweiten. Und trotzdem punkteten Sergio Perez und Lance Stroll beim Grand Prix der Steiermark doppelt. Racing Point hat zumindest ein Paket, um den zweiten Red Bull von Alexander Albon zu schlagen. Manche sehen im RP20 einen Mercedes von 2019 und mit Perez am Steuer einen Podest-Kandidaten.

Es war abzusehen, dass die Konkurrenz im Mittelfeld da nicht tatenlos zusehen wird. Renault fechtet deshalb die pinke Kopie des W10 an. Nach dem zweiten Rennen des Jahres reichte der französische Werksrennstall einen Protest gegen Racing Point ein. Renault hat sich auf die Bremsbelüftung eingeschossen und hofft, den Rivalen damit zu weitläufigen Umbauten zu zwingen.

Hinter dem Ergebnis steht nun ein Fragezeichen. Es steht aber mehr auf dem Spiel als die 22 WM-Punkte, die der Rennstall aus Silverstone bislang eingefahren hat. Nicht nur, weil das Mittelfeld sieht, dass in dieser Saison sogar der dritte Platz in der Team-Weltmeisterschaft hinter Mercedes und Red Bull in Reichweite liegt, weil Ferrari schwächelt. Sondern vor allem, weil es um die grundsätzliche Ausrichtung der Formel 1 geht.

Wohin geht die Formel 1?

Ferrari praktiziert es mit Haas, Red Bull mit Alpha Tauri: Doch nie waren die Ähnlichkeiten zwischen A- und B-Auto so frappierend wie zwischen dem Mercedes W10 von 2019 und dem Racing Point RP20 von 2020. Darf man so weit gehen oder wurden hier Grenzen im Reglement übertreten? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Sportkommissare.

Sie haben dafür die Bremshutzen von Racing Point beschlagnahmt und die von Mercedes aus dem Vorjahr eingefordert. Im letzten Jahr hätte sie Racing Point ganz einfach kaufen und ans Auto schrauben können. Seit 2020 allerdings gehört die Bremskühlung zu den sogenannten "Listed parts". Damit sind Teile gemeint, die jedes Team selbst konstruieren muss.

Renault protestiert, McLaren begrüßt es. Weil man selbst keine Energie verschwenden muss und trotzdem ein Grundsatzurteil bekommen wird. "Wir konzentrieren uns auf uns und wollen unseren Weg weitergehen, den wir letzten Jahr eingeschlagen haben", sagt McLaren-Teamchef Andreas Seidl. "Wir sind allgemein keine Freunde von Protesten, weil sie negativ behaftet sind. Aber in diesem Fall sollte der Protest zu einer Klarstellung der FIA führen. Wo wollen sie hin mit unserem Sport? Soll es eine Copy-Weltmeisterschaft geben mit zwei, drei Herstellern plus dem Rest, der kopiert? Für uns wäre das der falsche Weg und nicht nachhaltig."

Andreas Seidl - McLaren - F1 - 2019
Motorsport Images
McLaren-Teamchef Andreas Seidl wünscht sich, dass die Teams wie früher größtenteils auf sich allein gestellt sind.

Seidl glaubt nicht an Protest-Erfolg

McLaren appelliert vielmehr an die Konstrukteurs-Ehre. "Die Formel 1 sollte aus unserer Sicht ein Wettbewerb zwischen den Teams um die beste Konstruktion sein. Es sollte darum gehen, wer die größte Ingenieurs-Power aufbaut. Wir sollten mit der Formel 1 zurück zu den Wurzeln kommen. Design, Aerodynamik aber auch die strukturellen Bauteile wie Aufhängungen sollten von jedem Team selbst gebaut werden. Jedes Teil, das auf die Leistung einzahlt, sollte jeder selbst bauen. Dann kommt es auf deine Mannschaft an, die Ingenieure, Forschung und Entwicklung sowie Werkzeuge wie den Simulator", befindet Seidl.

Die Details des Renault-Protests gegen Racing Point kennt McLaren nicht. Seidl glaubt auch nicht, dass der Rennstall aus Silverstone zu Fall gebracht werden kann. "Sie sind so stolz auf ihr Auto. Wir wären überrascht, wenn sie die Limits des Reglements überschritten hätten."

Um genau die geht es eigentlich. Die Racing Point-Konkurrenten wünschen hier klare Grenzen für mehr Eigenverantwortlichkeiten. Vor allem auch im Hinblick auf 2022. Dann wird die Formel 1 mit einer komplett neuen Fahrzeuggeneration um die Welt reisen. Teams wie Renault und McLaren sehen im neuen Regelwerk eine Chance, wieder an die Spitze vorzudringen und um Siege und Weltmeisterschaften zu fahren.

Aufpasser für die Fabriken

Auf der anderen Seite fürchten sie um die Kooperationen zwischen den Herstellern und ihren Satelliten. Was, wenn die sich Entwicklungsarbeit teilen und so den Budgetdeckel von 145 Millionen Dollar unterwandern? Renault und McLaren hingegen stehen isoliert da. Deshalb fordern sie klare Grenzen zwischen den A-Teams und ihren Partnern.

Seidl plädiert sogar für Aufpasser in den Fabriken. "Wir unterstützen die FIA in ihrem Whistleblower-Konzept. Wir halten das für richtig, weil man damit Fehlverhalten auf die Spur kommt. Wir sind auch offen für weitere Initiativen, um der FIA zu helfen, unseren komplexen Sport zu überwachen. Eine Möglichkeit wären Stewards, die sich ständig in den Fabriken der Teams aufhalten. Wir müssen sicherstellen, dass wir ganz einfach einen fairen Wettbewerb haben."

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