Lando Norris - McLaren - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps Motorsport Images
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McLaren mit Doppelausfall in Spa

Renault-Motor vermasselt zehn Punkte

McLaren strauchelte in Belgien. Auf eine Runde überzeugte der MCL34 nicht. Dafür aber im Rennen. Lando Norris war auf dem Weg zu einem sicheren fünften Platz, als sieben Kilometer vor dem Ziel der Antrieb streikte.

McLaren erging es in Spa-Francorchamps wie Alfa Romeo, Haas und Williams. Zum vierten Mal in dieser Saison schrieb der Rennstall aus dem englischen Woking eine Nullrunde. McLaren muss sich trotzdem keine Sorgen machen. Verfolger Toro Rosso holte zwar mit Daniil Kvyat und Pierre Gasly acht Punkte. McLarens Vorsprung auf den fünftplatzierten der Team-WM beträgt aber immer noch stolze 31 Zähler. Ein schönes Polster bei noch acht Rennen.

Es hätte ein weiteres gutes Wochenende für McLaren werden können. Das Team war bis zur 43. Runde auf dem Weg zu einer zweistelligen Punkteausbeute. Bis Lando Norris hektisch funkte. „Ich verliere Leistung, ich verliere Leistung.“ Der Leistungsverlust trat kurz vor der Bus-Stop-Schikane auf. Norris rollte auf der Zielgerade aus. Sieben Kilometer fehlten für zehn WM-Punkte. „Wir haben eine großartige Gelegenheit verstreichen lassen, einen weiteren Schritt auf unser Ziel zuzugehen“, ärgerte sich Teamchef Andreas Seidl. Das Ziel ist der vierte Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft am Saisonende.

Motor nicht am Ende der Laufleistung

Die Analyse läuft. In Belgien wurden beide McLaren von ihrer Antriebseinheit schachmatt gelegt. Deshalb muss Motorenpartner Renault ran. Carlos Sainz schied bereits auf den ersten sieben Kilometern aus. Das Unheil hatte sich angekündigt. Am Ende der Aufwärmrunde fehlte plötzlich die Leistung. Erst kroch der Spanier wie eine Schnecke aus der Startbox, dann parkte er seinen MCL34 neben der Bahn. Dadurch verlängerte die Rennleitung die frühe Safety-Car-Phase.

McLaren verteilte in Belgien die Strafen. Sainz wurde mit Renaults überarbeitetem Sechszylinder bestückt. Das Triebwerk soll im mittleren einstelligen Bereich zugelegt haben. Das wären zwischen eineinhalb und zwei Zehntel auf einer Strecke wie Spa. Nach dem Freitagstraining wurde planmäßig der alte Spec-2-Motor wieder eingebaut, um Kilometer mit dem neuen zu sparen. Nach dem frühen Aus in Q1 entschied sich McLaren dazu, Sainz‘ Motorenpool weiter aufzustocken. Mit einer vierten Elektromaschine MGU-K und einer vierten Batterie.

Norris wird aller Voraussicht nach in Monza um zehn Startplätze zurückfallen. Dann will McLaren seinen Youngster mit Renaults C-Spec versorgen. In Belgien war Norris mit dem B-Spec-Motor unterwegs. „Der Ausfall hatte nichts mit der Laufleistung zu tun“, sagt Seidl. „Der Motor war noch weg von seinem Ende.“

Lando Norris - McLaren - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Wilhelm
Verstappen machte am Start den Weg frei für Lando Norris.

McLaren plötzlich schnell

Nach der Nullrunde versuchte McLaren, sich am Positiven hochzuziehen. „Unsere Geschwindigkeit war sehr gut. Wir hatten im Rennen das viertschnellste Auto. Lando hatte die Reifenabnutzung im Griff. Die Strategie passte. Wir wären sicher Fünfter geworden“, erzählt der ehemalige Porsche-Rennleiter.

Norris hatte in der Startphase Glück. Max Verstappen sprengte ihm den Weg frei. Der Vorjahrezweite der Formel 2 profitierte auf der Innenspur vom Startgetümmel. Nur einmal trat Norris den Platz hinter Ferrari und Mercedes ab. Für eine Runde nach seinem Reifenwechsel von Soft auf Medium im 19. Umlauf. Bis zu seinem Ausfall kreiste Norris 14 Sekunden vor Sergio Perez über die Strecke.

McLaren überraschte sich selbst. Wie aus dem Nichts war der papayagelbe Rennwagen plötzlich schnell. In den Trainings und der Qualifikation schaffte es McLaren nur am Freitagvormittag mit einem Auto in die Top 10. Fahrer und Team suchten nach der passenden Aero-Konfiguration, suchten nach dem passenden Setup. Und fanden es lange nicht.

Fokus großteils schon auf 2020

Der effiziente MCL34 harmonierte nicht mit der schnellen Strecke von Spa-Francorchamps. Die neue Vorderradaufhängung (geänderte Geometrie), die Norris am Trainingsfreitag testete, wurde abmontiert. Nur ein Teil des Aeropakets – Kleinigkeiten an Frontflügel und Unterboden – drangelassen.

Es fehlte Top-Speed. Deshalb mussten die Mechaniker Flügel wegnehmen. Als Quittung für die verbesserte Geschwindigkeit auf den Geraden litten die Fahrer in den langsamen Kurven. Die Qualifikation war trotz des Aus in Q1 und Q2 ein Lichtblick. „Da haben wir auf ein Zehntel verkürzt. Die Top 10 lagen in Reichweite“, erklärt der Teamchef. Im Rennen glückte die Wende. Die Ingenieure rätseln, warum. „Wir müssen uns ansehen, ob es mit den gefallenen Streckentemperaturen zusammenhing.“ Am Rennsonntag fielen sie von 41 (Quali) auf 26 Grad.

Nach den Erfahrungen von Belgien weiß McLaren nicht, was das Team in Monza erwartet. „Es ist so schwer vorherzusagen, wie das Kräfteverhältnis im Mittelfeld sein wird“, sagt Seidl. „Es hängt an der Streckencharakteristik, den Temperaturen, den Abtriebsleveln und den Reifen. Triffst du mit deinem Auto den Sweet Spot, bist du schnell. Sonst fliegst du schnell aus den Top 10. Ein, zwei Zehntel machen den Unterschied.“

McLaren hofft auf eine Rückkehr auf die gewohnte vierte Position im Feld. Und auf starke Ergebnisse in den nächsten Wochen. „Wir haben schon den Großteil der Arbeitskraft auf 2020 verlagert. Wir warten ab, wie es in den nächsten zwei, drei Rennen für uns läuft. Wir bringen für Singapur und danach noch ein paar Upgrades. Wir hoffen, dass wir so früh wie möglich uns komplett dem 2020er Auto widmen können. Das hängt davon ab, wie schnell wir den vierten Platz festigen.“

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