Lando Norris - GP Frankreich 2019 xpb

McLaren-Drama um Lando Norris

Hydraulik lässt Rookie im Stich

McLaren war in Frankreich klar die vierte Kraft im Feld. Dass die Briten nicht höher punkten konnten, lag an einem Technik-Defekt am Auto von Lando Norris. Der Rookie wurde für seinen Kampf im Cockpit am Ende immerhin mit zwei Zählern belohnt.

McLaren war die große Überraschung von Le Castellet. Im Qualifying konnte das Traditionsteam aus Woking auf dem Niveau von Red Bull mitgeigen. Und auch im Rennen sah es lange danach aus, als könnten Carlos Sainz und Lando Norris auf den Positionen sechs und sieben fette Punkte einfahren. Doch dann meldete sich 20 Runden vor der Zielflagge plötzlich der Kommandostand über Funk bei Norris.

Der Rookie wurde angewiesen, den DRS-Mechanismus nicht mehr zu benutzen. An den TV-Geräten glaubten zunächst viele, dass der Youngster damit eingebremst werden soll, um den direkt vor ihm fahrenden Teamkollegen nicht zu attackieren. „Das habe ich zunächst auch gedacht“, verriet Norris später. „Deshalb habe ich mich auch nochmal beim Team erkundigt. Offenbar hätte das DRS aber mein Problem verschlimmert.“

Der Ausfall des DRS war am Ende die kleinste Sorge des Nachwuchstalents. Nach und nach ging der Hydraulik-Druck immer weiter in den Keller. „Das hat das Bremsen, das Schalten und die Servolenkung beeinflusst“, erklärte Teamchef Andreas Seidl später. In welchem Bereich das Problem genau lag, muss erst eine genauere Untersuchung des Autos zeigen.

Carlos Sainz - Formel 1 - GP Frankreich 2019
Motorsport Images
Die beiden McLaren lagen lange auf Kurs sechster und siebter Platz.

Schwerstarbeit im McLaren-Cockpit

Der Pilot bekam die Auswirkungen im Cockpit aber deutlich zu spüren. „Die Servolenkung war zum Glück nicht komplett weg, sonst wäre ich wohl in der Mauer gelandet. Sie hat noch halb funktioniert. In Kurve 11, der langen Rechtskehre, war es trotzdem Schwerstarbeit, das Auto auf der Linie zu halten. Ich musste mich mit einem Arm im Cockpit abstützen um gegenzuhalten. Das war nicht gerade ideal“, berichtete Norris.

In der letzten Runde ging dann fast gar nichts mehr. Kimi Räikkönen und die beiden Renault-Piloten flogen kurz vor der Zielflagge noch vorbei. „Wir hatten noch Glück, dass uns Lewis überrundet hat. Damit mussten wir eine Runde weniger absolvieren. Es wäre aber schön gewesen, wenn man das Rennen noch eine weitere Runde früher abgewinkt hätte“, klagte Norris.

Der McLaren mit der Startnummer 4 fuhr schließlich auf Rang 10 über die Linie. Wegen der nachträglichen Strafen gegen Daniel Ricciardo rutschte Norris immerhin noch auf Platz 9 nach vorne. Neben den beiden WM-Punkten gab es vom Teamchef ein Sonderlob: „Es war beeindruckend, wie er in seinem jungen Alter, erst in seinem achten F1-Rennen, mit dem Problem umgegangen ist und wie lange er seine Position halten konnte.“

Lando Norris - GP Frankreich 2019
xpb
Der Ärger war Lando Norris nach dem Rennen anzusehen.

Norris zum Fahrer des Rennens gewählt

Auch die Fans zeigten ihre Anerkennung. Norris wurde zum Fahrer des Rennens gewählt – zum ersten Mal in seiner Karriere. „Das war das einzige, was mich heute zum Lächeln gebracht hat“, grinste der Teenager verkniffen. Doch der Frust saß tief. „Das ganze Wochenende lief perfekt, bis das Problem auftrat. Es ist etwas frustrierend, dass so etwas ausgerechnet bei einem Rennen passiert, wo wir so stark unterwegs sind.“

Teamchef Seidl wollte den Frust seines Schützlings nicht ganz teilen. Der Bayer hob lieber die positiven Punkte hervor: „Ein Wochenende wie dieses ist das Beste, was einem Rennstall passieren kann. Es zeigt allen, dass sich die harte Arbeit auszahlt. Wir dürfen jetzt aber nicht euphorisch werden. Das Kräfteverhältnis kann sich von Strecke zu Strecke ändern. Wir haben aber viel gelernt dieses Wochenende und noch einige Technik-Entwicklungen in der Pipeline.“

Dank der Ricciardo-Strafe konnte McLaren den Vorsprung auf Renault um sechs auf acht Punkte vergrößern und den fünften Platz in der Teamwertung festigen. „Unser Fokus liegt aber nicht auf Renault“, betonte Seidl. „Es ist ein enger Kampf im Mittelfeld und wir würden da natürlich am Ende gerne vorne landen, aber unser eigentlicher Fokus liegt auf dem Abstand zur Spitze. Da liegen wir immer noch 1,5 Sekunden hintendran. Das ist das einzig Wichtige für uns.“

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