Opfer der McLaren-Krise

Teamchef Eric Boullier tritt zurück

Eric Boullier - McLaren - 2018 Foto: sutton-images.com 24 Bilder

Eric Boullier räumt den Posten des Teamchefs von McLaren. Der Franzose war nach der andauernden sportlichen Talfahrt zuletzt immer stärker in die Kritik geraten. Eine neue Führungsriege soll das F1-Team wieder auf Erfolgskurs bringen.

Diese Trennung hatte sich angedeutet. Nach der Pleite mit Honda in den vergangenen Jahren, dem kostspieligen Wechsel zu Renault und der sportlichen Talfahrt in der aktuellen Saison war Teamchef Eric Boullier zuletzt immer stärker in die Kritik geraten. In der offiziellen FIA-Konferenz beim Rennen in Le Castellet wurde der Franzose regelrecht von den britischen Medienvertretern in die Mangel genommen.

Damals bekräftigte Boullier noch, dass er seine Position nicht in Gefahr sehe und das Team auch beim Heimspiel von McLaren in Silverstone leiten werde. Doch dem ist nun doch nicht so. Am Mittwoch (4.7.2018) gab der Rennstall offiziell bekannt, dass Boullier von seinem Posten zurücktreten wolle. Firmenboss Zak Brown habe diesem Wunsch entsprochen.

Boullier-Rücktritt vor Entlassung?

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„Ich bin stolz, dass ich über die letzten vier Jahre mit solch einem brillanten Team zusammenarbeiten durfte. Aber ich sehe ein, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, zurückzutreten. Ich wünsche allen bei McLaren das Beste für den Rest der Saison und die Zukunft“, erklärte Boullier zu seinem Abschied. Dass der 44-Jährige mit seinem Rückzug einer Entlassung zuvorgekommen ist, wollte McLaren nicht bestätigen.

Allerdings kam die Trennung offenbar nicht ganz überraschend. Der Rennstall hat nämlich direkt schon eine neue Führungsstruktur parat, mit der man den Traditionsrennstall wieder in die Erfolgsspur bringen will. Andrea Stella, der im Jahr 2014 zusammen mit Fernando Alonso von Ferrari kam und bisher als Chefingenieur gearbeitet hat, wird als neuer „Performance Director“ die sportliche Leitung des Teams an der Strecke übernehmen.

Mit dem ehemaligen Honda-F1-Sportdirektor Gil de Ferran hat McLaren zugleich einen hochkarätigen Neuzugang präsentiert. Der Indy-500-Sieger von 2003 war schon seit einigen Wochen als externer Berater angestellt, wird nun aber als Sportdirektor fest verpflichtet. Auch Simon Roberts bekommt eine neue Aufgabe. Der Chief Operating Officer wird künftig für Technik, Produktion und Logistik im Rennstall verantwortlich sein.

Zak Brown organisiert McLaren neu

Brown bezeichnete die Umstruktierung als Anfang eines längeren Prozess: „Wir standen alle unter Druck. Und wir haben uns selbst in diese Lage gebracht. Unsere Leistungen waren unterdurchschnittlich, wenn man die Ressourcen und die Ambitionen von McLaren betrachtet. Es war für uns genauso schmerzhaft wie für die Fans. Ich kann den Frust gut nachvollziehen. Wir werden aber jetzt nicht einfach aufgeben. Wir bitten nur um etwas Zeit und Geduld. In Silverstone werden noch keine Wunder passieren.“

Zak Brown - McLaren - Formel 1 - 2018 Foto: sutton-images.com
McLaren-Boss Zak Brown hat einige konkrete Problembereiche im Team ausgemacht.

„Es ist erst der Start des Umbruchs. Wir werden noch weitere Positionen neu besetzen – sowohl mit internen als auch externen Kräften. Wir müssen schneller werden. Alles ist zu langsam und zu umständlich. Die Kommunikation muss sich verbessern. Wir haben viele große Talente hier. Es passt aber alles nicht so recht zusammen. Wir müssen die Art, wie wir arbeiten verändern. Es ist meine Aufgabe sicherzustellen, dass alle 700 Leute in die gleiche Richtung rudern.“

„In den letzten sechs, sieben Jahren kam der Rennstall nie zur Ruhe. Es gab verschiedene Motorenpartner, Teamchefs und Anteilseigner. Die Probleme kamen also nicht über Nacht. Und wir werden sie auch nicht über Nacht lösen können. Aber jetzt haben wir eine stabile Basis geschaffen, von der wir uns wieder nach oben arbeiten können. Unsere Besitzer stehen voll hinter den Schritten. Und wir investieren weiter in die Bereiche, in denen wir noch die Notwendigkeit dazu sehen.“

Die Aufgabenbereiche seien mit den drei neuen Verantwortlichen klar geregelt: „Simon Roberts wird das Technik-Team führen. Er wird mir direkt unterstellt sein und soll dafür sorgen, dass wir ein schnelles Rennauto haben. Andrea Stella soll als Performance Director dafür sorgen, dass wir an der Rennstrecke auch das Maximum aus dem Auto herausholen. Gil de Ferran wird als Sportdirektor mit dem Team und den Fahrern arbeiten, damit wir als Mannschaft besser aufgestellt sind. Er wird neue Akzente aus der Sicht eines Racers setzen und frischen Wind reinbringen.“

McLaren macht zu große Ankündigungen

Auch in der Kommunikation nach außen gibt McLaren Fehler zu. Als das Team im Vorjahr noch mit Honda-Motoren unterwegs war, hörte man von den Verantwortlichen immer wieder die Behauptung, dass die Ingenieure aus Woking das beste Chassis im Feld gebaut hätten und nur der Motor verhindere, dass McLaren nicht um den WM-Titel mitfahren könne. Aber auch mit Renault-Power in diesem Jahr wurde es nicht besser. Ganz im Gegenteil.

„Wir haben nicht das beste Chassis“, stellte Brown nun klar. „Zumindest nicht dieses Jahr. Letztes Jahr waren wir da noch etwas besser aufgestellt. Aber wir müssen zugeben, dass wir in der Kommunikation Fehler gemacht haben. Es ist immer gefährlich, Vorhersagen und Ankündigungen zu machen. Aus der Sicht von heute hätten wir da wohl einiges anders gemacht. Wir werden aber aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.“

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