Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Frankreich - 22. Juni 2019 Motorsport Images

Renault-Kunde schlägt Werksteam

McLaren fordert Red Bull heraus

Renault brachte drei von vier Autos ins Q3. Doch ausgerechnet beim Heimspiel der Franzosen stand der Motorenkunde McLaren vor dem Werksteam. Das kleine Upgrade von McLaren funktionierte besser als das große von Renault.

Es war das wichtigste Rennen des Jahres für Renault. Vor der eigenen Haustür wollte der französische Nationalrennstall zeigen, dass er besser ist als der Tabellenstand. Da steht Renault mit zwei Punkten Rückstand auf das Kundenteam McLareen auf Platz fünf. Zwei Dinge machten Renault Hoffnung in Paul Ricard an McLaren vorbeizuziehen. In Montreal hat der Autokonzern zum ersten Mal groß abkassiert. Und pünktlich zum Heimspiel zündete die Chassis-Fraktion ein großes Aerodynamik-Upgrade.

Daniel Ricciardo bekam dazu noch die zweite Ausbaustufe des Motors, die ungefähr 10 PS mehr abgeben soll. Auch für Nico Hülkenberg, Carlos Sainz und Lando Norris stand der neue Renault V6-Turbo bereit. McLaren schob den Einsatz auf die lange Bank. „Wir wollen unsere Strafen minimieren“, erklärte Teamchef Andreas Seidl.

Bei Hülkenberg wurde ebenfalls freiwillig darauf verzichtet. Ihn hätte schon in Paul Ricard eine Strafe erwartet. Renault entschied: Bitte nicht bei unserem Heimrennen. Es wird ihn in Österreich treffen. Der Unterschied zwischen altem und neuem Motor beträgt laut Hülkenberg ungefähr zwei Zehntel in der Rundenzeit.

Daniel Ricciardo - GP Frankreich 2019
Motorsport Images
Daniel Ricciardo schaffte es beim Renault-Heimspiel immerhin in die vierte Startreihe.

McLaren mit besserer Balance als Renault

Auch McLaren reiste mit einer Entwicklungsstufe nach Paul Ricard. Vorderachse, Frontflügel und Unterboden waren neu. Das Team sprach von einem „kleinen Upgrade“. Wenn man nach dem Trainingsergebnis geht, dann hat der kleine Aufwand den großen geschlagen. Lando Norris und Carlos Sainz hängten Daniel Ricciardo um vier Zehntel ab, ließen einen Red Bull und einen Ferrari hinter sich und hatten den anderen Red Bull vollformatig im Visier.

Ricciardo schaffte es immerhin noch ins Q3 auf Platz 8. Hülkenberg war auf dem Weg dorthin, als das Brake-by-wire System in seinem Auto einen Aussetzer hatte. „Ich lag schon ein Zehntel unter meiner eigenen Bestzeit. Beim Anbremsen der Schikane haben beide Hinterräder blockiert und ich schieße über die Kurve hinaus. Ich habe so spät gebremst wie vorher, ein bisschen härter vielleicht, aber ich habe bestimmt nicht zu viel gewollt. Die Ingenieure haben mir bestätigt, dass es nicht mein Fehler war.“

Ricciardo meinte zu seinem achtem Startplatz, dass er damit am Limit war. Bei McLaren ärgerte sich Norris, den vierte Startplatz von Max Verstappen nur um neun Tausendstel verpasst zu haben. Man kann das von zwei Seiten sehen. Entweder ist Red Bull ins Mittelfeld zurückgefallen. Oder McLaren hat rasant aufgeholt.

Hülkenberg hatte im Q3 Zeit die Aufnahmen der Bordkamera der beiden McLaren-Piloten zu studieren. „Du siehst sofort: Dieses Auto mag diese Strecke. Die Balance des Autos von Kurveneingang zu Kurvenausgang ist besser als bei uns. Das ist bei den langen Kurven hier in Paul Ricard wichtig. Die Fahrer haben Vertrauen in das Heck ihres Autos.“

Hülkenberg räumte ein, dass Renaults Upgrade auf Anhieb noch nicht das gebracht hat, was man sich davon erwarten durfte. „Wir müssen es noch lernen. Ich glaube schon, dass wir da noch mehr rausziehen können.“ Eines der größten Probleme ist nach wie vor, dass sich in langen Kurven die Aero-Balance ändert, abhängig davon wie stark die Räder eingeschlagen werden, wie stark das Auto rollt oder vorne eintaucht.

Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Frankreich - 22. Juni 2019
Jerry André
Lando Norris verfehlte den Platz in Reihe 2 um 9 Tausendstel.

McLaren sucht Abtrieb für langsame Kurven

Die Teamleitung von McLaren hatte vor dem Rennen in Frankreich Bauchweh. „Wir haben die Strecke nicht zu unseren Favoriten gezählt“, gab Andreas Seidl zu. Carlos Sainz widersprach: „Ich glaube, diese Strecke passt zu unserem Auto.“ Der Spanier hatte sich am Freitag wieder als Testfahrer für die neuen Teile zur Verfügung gestellt, während Lando Norris die Longrun-Arbeit erledigte.

„Ich opfere mich gerne, auch wenn ich dadurch etwas weniger Informationen über dass Auto im Renntrim habe“, erklärte der Spanier. „Die Testfahrten mit den Teilen sind wichtig für uns, auch wenn das eine oder andere Teil mal nicht so funktioniert. Auch das verbessert dein Verständnis vom Auto.“

Die jüngsten beiden Entwicklungsstufen zielten darauf ab, die Schwachpunkte des McLaren MCL34 abzustellen. „Wir haben immer noch Defizite in den langsamen und mittelschnellen Kurven“, warnt Teamchef Seidl. Er führt es auf einen Mangel an Abtrieb zurück. „Wenn du immer noch 1,5 Sekunden auf die Spitze verlierst, dann redest du hauptsächlich über Aerodynamik. Mit mechanischem Grip hat das nichts zu tun.“

Tatsächlich zählt McLaren zu den wenigen Teams, die nicht mit den Reifen hadern. „ Wir verstehen sie ganz gut. Eigentlich fühlen sie sich nicht viel anders an wie die Reifen vom letzten Jahr“, meint Sainz. Exakt den gleichen Satz hören wir von den Mercedes-Fahrern. Ganz offensichtlich ist McLaren wie Mercedes eher zufällig in das Arbeitsfenster gefallen, das in diesem Jahr höher liegt als 2018.

Während Norris von einem Podium träumt und auf jeden Fall die Red Bull schlagen will, ist man bei Renault erst einmal auf solide Punkte aus. „Das sollte auch von meinem Startplatz möglich sein“, erklärt Hülkenberg. Einsatzleiter Alan Permane sieht es genauso. „Unsere Longruns am Freitag waren gut. Und wir starten auf den Medium-Reifen. Mit den Soft haben wir zum Glück nichts mehr zu tun.“

Renault und McLaren trauten sich wie die großen Teams im Q2 mit Medium-Reifen auf die Strecke. Für Carlos Sainz war es ein kalkuliertes Risiko. „Wir haben schon am Freitag gemerkt, dass für uns beide Reifen ungefähr gleich schnell sind. Es ist nicht so, dass wir viel Spielraum gesehen hätten, mit den härteren Reifen schneller zu fahren als andere auf den weichen Reifen.“

Bei Renault kam man zu der Erkenntnis, dass der R.S.19 auf dem Medium-Reifen schneller fahren konnte. Trotzdem baute man im Q3 wieder auf die Soft-Reifen um. „Wir hatten keine extra Medium-Garnituren in der Hinterhand.“

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