Daniel Ricciardo - McLaren MCL35M - Shakedown - Silverstone - 2021 McLaren
Daniel Ricciardo - McLaren MCL35M - Shakedown - Silverstone - 2021
Daniel Ricciardo - McLaren MCL35M - Shakedown - Silverstone - 2021
Lando Norris - McLaren MCL35M - Shakedown - Silverstone - 2021
Lando Norris - McLaren MCL35M - Shakedown - Silverstone - 2021 15 Bilder

Das McLaren-Geheimnis: Seidls Plan zum Erfolg

Das McLaren-Geheimnis Seidls Masterplan zum Comeback

Der letzte Sieg liegt neun, der letzte WM-Titel 13 Jahre zurück. Zwischendurch stürzte McLaren zwei Mal bis auf Platz neun ab. Doch seit 2017 zeigt die Formkurve wieder bergauf. Was ist das Geheimnis des WM-Dritten?

Der neue McLaren-Pilot Daniel Ricciardo hat sich für drei Jahre verpflichtet. Die ungewöhnlich lange Vertragsdauer ist auch ein Bekenntnis zu seinem neuen Team. Ricciardo glaubt, dass er auf das richtige Pferd gesetzt hat: "McLaren befindet sich auf einem guten Weg. In den letzten Jahren wurde viel in die Infrastruktur und in den Neuaufbau des Teams investiert. Ich hoffe, dass ich ein weiterer Stein in dem Puzzle sein kann. Ich habe mir genug Zeit gegeben, das Ziel zu erreichen."

Die Statistik gibt dem 31-jährigen Australier recht. Seit 2017 zeigt die Formkurve des zweitältesten Rennstalls der Formel 1 nur noch nach oben. Von Platz neun auf sechs, vier und drei. Von 30 auf 62, 145 und 202 WM-Punkte. Das ergibt pro Grand Prix einen Schnitt von 1,5 Punkte pro Start auf 2,95, auf 6,9 und auf 11,88.

Ein Podium war 2017 und 2018 noch Illusion. 2019 brach Carlos Sainz in Interlagos als Dritter den Bann. Im letzten Jahr kletterten McLaren-Piloten schon zwei Mal auf das Podest. Ein Sieg fehlt allerdings noch. Darauf wartet McLaren seit dem GP Brasilien 2012.

Erfolge der Vergangenheit zählen nicht

Der Umschwung wurde in der größten Krise eingeläutet. Mit neuen Leuten, neuen Strukturen, einer neuen Arbeitskultur. Nach Ansicht von Teamchef Andreas Seidl musste sich das Team erst einmal eingestehen, dass man sich für die Erfolge in der Vergangenheit nichts kaufen kann und dass ein Neustart dringend notwendig war.

"Es war wichtig, wieder mit einer gewissen Demut an die Arbeit zu gehen, auf den Tisch zu legen, wo wir Defizite hatten und haben und mit meinem Führungsteam einen klaren Plan auszuarbeiten, wie wir diese Defizite reduzieren oder eliminieren wollen."

Viele Puzzlesteine sind schon gesetzt. McLaren fährt an der Spitze des Verfolgerfeldes mit. Um Red Bull und Mercedes einzuholen, braucht es aber noch mehr. "Ganz klar haben wir unser Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft. Der Plan bedingt auch ein massives Aufrüsten auf der Seite der Infrastruktur. Sonst stößt du an Limits. Unsere Infrastruktur war zum Teil komplett veraltet. So lange die neue nicht am Start ist, hast du einen großen Nachteil. Der Windkanal zum Beispiel ist ein Schlüssel in der Fahrzeugentwicklung. Er wird aber erst in zwei Jahren fertig sein."

Investoren sichern Zukunft ab

Während der Rennstall aufrüstet, rüstet die Formel 1 ab. Die Budgetdeckelung kommt McLaren entgegen. Im Gegensatz zu Mercedes, Red Bull und Ferrari muss der WM-Dritte nur moderat abspecken.

Nach einer Finanzkrise Mitte letzten Jahres ist jetzt auch wieder Geld in der Kasse. Zuerst gaben die Anteilseigner einen Kredit, dann kauften sich MSP Sports Capital und UBS O‘Connor als neue strategische Partner bis Ende 2022 zu 33 Prozent bei dem Rennstall ein. Zusammen mit 40 Sponsoren kann man am oberen Ende des Kostendeckels operieren.

Seidl sieht darin auch einen psychologischen Effekt: "Mit den neuen Investoren haben wir die Mittel unseren Plan Schritt für Schritt umzusetzen. Das war zusammen mit den Ergebnissen eine gute Motivation für die Mannschaft. 2021 ist das erste Jahr unter der neu eingeführten Budgetdeckelung. Das ist ein wichtiger Schritt um die Ressourcen der Teams wieder mehr auszugleichen."

Abstand zu Mercedes noch zu groß

Trotz des klaren Aufwärtstrends hat McLaren auch noch Baustellen. Seidl warnt davor, bei den positiven Ergebnissen die Realitäten zu übersehen: "Beim Auto haben wir uns zwar verbessert, aber der Rückstand zu Mercedes ist immer noch groß. Wir konnten ihn 2020 um ungefähr drei Zehntel verkürzen, sind aber auch in vielen Rennen noch überrundet worden. Das darf man bei den Erfolgen, die wir in den letzten zwei Jahren gehabt haben, nicht aus dem Auge verlieren."

In einigen Disziplinen konnte McLaren bereits mit den Top-Teams mithalten. In der Standfestigkeitswertung liegt McLaren nach Rennkilometern hinter Mercedes und Alfa Romeo auf Platz drei. Ein Jahr davor war man noch Neunter. Die zwei Ausfälle in der vergangenen Saison gingen auf das Konto des Motors.

Seidl kann deshalb ein positives Fazit ziehen: "Bei der Haltbarkeit hatten wir von der Fahrzeugseite keinen einzigen Ausfall. Da waren wir sogar führend. Wir haben über den Winter von 2019 auf 2020 extrem viel Energie in dieses Thema gesteckt und schon an den Testkilometern im Winter gesehen, dass wir uns da echt gesteigert haben. Das war für McLaren das mit Abstand größte Pensum seit vielen Jahren."

Für die Moral der Truppe war es wichtig zu sehen, dass man in Teilbereichen bereits mit den absoluten Top-Teams mithalten kann. "Die Rennstarts zählen auch dazu", führt Seidl als Beispiel an. "Oder die Rennstrategie. Da haben wir einen Top-Job erledigt. Im Vergleich zur Konkurrenz im Kampf um Platz drei haben wir viele Punkte durch richtige Entscheidungen an der Boxenmauer geholt."

McLaren-Statistik

Jahr WM-Platz Punkte Punkte/GP Standfestigkeit Boxenstopp-Wertung
2017 9 30 1,5 9 8
2018 6 62 2,95 6 6
2019 4 145 6,9 9 9
2020 3 202 11,88 3 7
Jahr WM-Platz Punkte Punkte/GP Standfestigkeit Boxenstopp-Wertung
2017 9 30 1,5 9 8
2018 6 62 2,95 6 6
2019 4 145 6,9 9 9
2020 3 202 11,88 3 7

Defizite bei den Boxenstopps

Verbesserungspotenzial gibt es noch bei den Boxenstopps, bei denen McLaren in der DHL-Wertung seit vier Jahren nur im hinteren Tabellendrittel landet. "Da sind wir besser geworden aber noch nicht auf dem Niveau wo wir sein möchten", mahnt der Teamchef. "Durch den Einsatz von neuem Boxenstopp Equipment haben wir zwar mehr Sicherheit, aber den Speed verloren. Da investieren wir sehr viel Energie, um den nächsten Schritt zu machen. Das ist ein Prozess, der dauert, weil du erst einmal jede Position optimal besetzen musst, bevor die Crew sich aufeinander einspielen kann."

Das Rennen im Verfolgerfeld verlief extrem eng. Wenn ein oder zwei Rennen anders gelaufen wären, hätte aus dem dritten Platz auch schnell ein Fünfter werden können. Man hätte im Rückblick nicht mal sagen können, dass das Team schlechter gearbeitet hätte.

Was hat am Ende den Unterschied gegen Racing Point und Renault ausgemacht? "Wir waren in Summe konstanter. Unser Auto war ein besserer Allrounder. Wir haben als Team an der Rennstrecke eine konstant super Leistung abgeliefert. Und wir hatten eine zuverlässige und schnelle Fahrerpaarung."

Daniel Ricciardo - McLaren MCL35M - Shakedown - Silverstone - 2021
McLaren
Beim Shakedown des neuen McLaren MCL35M wurden direkt Boxenstopps geübt.

16 Millionen mehr in der Kasse

Der dritte Platz hat mehr als nur Symbolkraft. Er bringt bei einer regulären Auszahlung auch 16 Millionen Dollar mehr aus der Formel-1-Kasse als Rang fünf. "Platz drei war eine super Belohnung für das ganze Team nach einer schwierigen Saison mit der finanziellen Krise, in der wir uns zeitweise befanden", resümiert Seidl. "Für mich persönlich war wichtig, dass wir als Team den nächsten Schritt gemacht haben Am Ende wollen wir irgendwann wieder um Siege kämpfen. Und dafür ist es notwendig, dass wir uns als Team kontinuierlich weiterentwickeln, unabhängig von der Platzierung."

Wenn der Weg fortgeschrieben werden soll, dann muss McLaren sein Saisonziel für 2021 neu definieren. Der Sprung auf einen der ersten beiden Plätze ist in einem Übergangsjahr, bei dem die Autos weitgehend gleich bleiben, unrealistisch. Deshalb haben die Chefs Zak Brown und Andreas Seidl nicht die Platzierung ins Auge gefasst, sondern die Stoppuhr: "Auf der Fahrzeugseite wollen wird den Abstand zu Mercedes weiter verringern. Wir wollen uns bei den Boxenstopps verbessern und auf der Seite der Haltbarkeit und der Strategie das hohe Niveau halten."

In der Galerie zeigen wir Ihnen einige aktuelle Fotos vom Shakedown des McLaren MCL35M in Silverstone.

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