Carlos Sainz - McLaren - GP Italien 2020 - Monza xpb
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McLaren jubelt in Monza: Sainz zaubert sich auf dritten Startplatz

McLaren jubelt in Monza Sainz zaubert sich auf dritten Startplatz

McLaren glänzte in der Qualifikation von Italien. Platz drei für Carlos Sainz, Platz sechs für Lando Norris. Der MCL35 ist ein guter Allrounder – und Sainz gelang eine echte Chaos-Runde.

Carlos Sainz kennt das Gefühl, vom dritten Startplatz einen Grand Prix anzugehen. Im zweiten Österreich-Rennen war der Spanier schon einmal in die zweite Startreihe gerast. In Monza wiederholte er das Kunststück in seinem McLaren. Diesmal allerdings nicht auf einer nassen, sondern auf einer trockenen Fahrbahn.

McLaren bestätigte den Trend, der sich ab dem zweiten Training abzeichnete. Ab da lag der Traditionsrennstall in jeder Sitzung mit beiden Autos unter den Top 6. Die Zielvorgabe war deshalb klar: Beide Fahrer sollten mindestens den dritten Qualifikations-Durchgang erreichen. Am Ende führte McLaren sogar das Mittelfeld an. Lando Norris bestätigte als Sechster das starke Mannschaftsergebnis.

Die McLaren-Fahrer waren neben Lewis Hamilton und Daniel Ricciardo die einzigen Piloten, die im letzten Versuch ihre schnellste Runde des Tages hinlegten. Es war bitter nötig im wie üblich umkämpften Mittelfeld. McLaren, Racing Point, Red Bull und Renault trennten in der Qualifikation nur 0,269 Sekunden. Die lagen zwischen Platz drei und sieben.

Sainz mit starker Schlussrunde

Es brauchte eine Chaos-Runde, um Teamführung und Ingenieure am Kommandostand und die Mechaniker in der Garage jubeln zu lassen. Fast wäre Sainz in der sechsten Kurve von der Strecke abgekommen. Doch lassen wir ihn seine Runde am besten selbst beschreiben. "Ich hatte in der ersten Lesmo-Kurve einen großen Moment. Da kam das Heck und ich hätte das Auto beinahe verloren. Normalerweise überhitzen die Hinterreifen nach so einem Quersteher. Zum Glück war das nicht der Fall. Die zweite Lesmo habe ich irgendwie überlebt. Danach bin ich geflogen. Erst durch Ascari, dann durch die Parabolica. Ich habe spät gebremst, viel Schwung mitgenommen und bin früh aufs Gas. Das war hohes Risiko, das sich ausgezahlt hat."

Sainz war in allen Sektoren durchgehend schnell. In allen Abschnitten legte er in der Qualifikation die viertschnellste Durchgangszeit hin. Seine letzte Runde lag gut eineinhalb Zehntel über der Idealzeit bei Kombination aller Sektoren von 1:19.550 Minuten. Das hatte nicht nur mit dem kleinen Malheur in Lesmo zu tun.

Der Spanier verpasste den perfekten Windschatten. Er war als Achter auf der Strecke einen Tick zu weit weg von Daniel Ricciardo. "Das hat mich auf jeder Gerade etwa ein halbes Zehntel gekostet", rechnet der Madrider vor, der am vergangenen Dienstag seinen 26. Geburtstag gefeiert hatte. Es ist eine Gratwanderung in Monza. Unterm Strich bringt der Windschatten ein paar Zehntel. Doch wenn man zu nah am Vordermann ist, verliert die Fahrzeugfront zu viel Anpressdruck. Dann geht in den Kurven mehr Zeit flöten, als man auf den vier Geraden gewinnt.

Lando Norris - Carlos Sainz - McLaren - GP Italien 2020 - Monza
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McLaren suchte in der Qualifikation bewusst den Windschatten.

Bremsstabilität als Schlüssel

Für Sainz war es ein Befreiungsschlag. Vor Monza hatte der WM-Elfte sein Pech mit der Technik und den Boxenstopps beklagt. "Das hat mich mindestens 30 Punkte gekostet." Nach der Nicht-Teilnahme am GP Belgien vor einer Woche wegen eines fehlerhaften Sensors, der bishin zu einem Auspuffdefekt führte, lief es endlich wieder nach seinem Geschmack. Teamchef Andreas Seidl applaudierte nach der Qualifikation seinen Fahrern. "Wir haben zwei Jungs, die ihre Leistung immer auf den Punkt bringen."

Und ein Auto, das ein zuverlässiger Allrounder ist. McLaren ist die Konstante im Mittelfeld. Racing Point und Renault mögen mal Glanzlichter setzen, sind unterm Strich aber nicht so beständig wie die Mannschaft aus Woking. Der MCL35 ist nicht so abhängig vom Streckenlayout, kann viel Abtrieb genauso wie wenig, und ist besonders in mittelschnellen und schnellen Kurven stark. "Und die findet man alle im zweiten Streckenteil", unterstreicht Sainz. Also ab den Lesmo-Kurven.

Im Vergleich zu Belgien haben die Fahrer ein bisschen mehr Vertrauen in ihr Auto. Der kleine Tick reichte für den Startplatz hinter Mercedes. "Kleinigkeiten reichen, damit du im Mittelfeld vorn bist und nicht mitschwimmst. Du brauchst hier ein stabiles Auto, wenn du aus voller Geschwindigkeit abbremst. Genau das haben wir. Das schafft Vertrauen. Im Vorjahr haben wir im Verhältnis mehr Abtrieb verloren, wenn die Flügel kleiner wurden", erzählt Sainz. Die Schwäche hat McLaren erfolgreich abgestellt.

McLaren mit weniger Topspeed

Im Rennen will Sainz den dritten Platz halten, rechnet aber mit einem zu starken Max Verstappen. "Red Bull ist im Renntrimm für gewöhnlich stärker. Ich schätze sie zwei Zehntel schneller ein als uns. Das reicht, um in Monza zu überholen." Und auch Racing Point und Renault wollen sich nicht geschlagen geben. Der Rennstall aus Silverstone überraschte sich laut Sergio Perez selbst mit dem vierten Startplatz. "Eigentlich haben wir das Setup voll auf das Rennen ausgerichtet. Wir haben Fortschritte gemacht, und ich bin zuversichtlich, dass wir morgen um das Podest kämpfen werden."

Renault erreichte nicht die Form des Trainingsfreitags. Daniel Ricciardo glaubt aber von der siebten Startposition an ein gutes Rennen. "Wir sind mittendrin und haben ein starkes Rennauto." McLaren muss achtgeben. Bei den Topspeeds fand man sich in der Qualifikation im Hinterfeld wieder. Ganz im Gegensatz zum Freitag, als man bei den Höchstgeschwindigkeiten vorne lag, und um 13 km/h schneller war auf der Zielgerade als am Samstag.

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