Carlos Sainz - McLaren - GP Russland 2019 - Sotschi Motorsport Images
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McLaren knackt die 100 Punkte

Sonderlob für die Fahrer der Zukunft

McLaren ist Renault in den letzten zwei Rennen wieder enteilt. Der vierte WM-Platz ist zum Greifen nah. Teamchef Andreas Seidl lobt seine Fahrer: „Sie sind die Zukunft von McLaren.“

Es war ein Wochenende der guten Nachrichten für McLaren. Der Traditionsrennstall bestätigte am Samstagvormittag die Rückkehr zu Mercedes-Motoren ab 2021. Dann rasten beide Piloten in den dritten Qualifikationsdurchgang. Einen Tag später holten Carlos Sainz und Lando Norris zwölf WM-Punkte. So viele wie in Österreich und Ungarn.

McLaren hat als drittes Team der Saison mehr als 100 Punkte gesammelt. Es ist die zweitbeste Ausbeute seit Beginn der Hybrid-Ära. 2014 hatte McLaren-Mercedes 181 Zähler nach Saisonende auf dem Konto. Danach ging es bergab. 27 Punkte 2015, 76 Punkte 2016, 30 Punkte 2017 – jeweils mit Honda-Motoren – und 62 Punkte mit Renault-Motoren 2018.

McLaren ist auf dem besten Weg, dieses Mal den Partner zu schlagen. Und gleichzeitig das beste Ergebnis in der Hybrid-Ära einzufahren. 2014 war man auf Rang fünf gelandet. Das Kundenteam ist mit zwei guten Rennen in Singapur und Russland dem französischen Werksrennstall wieder entwischt. Fünf Rennen vor Saisonschluss steht es 101 zu 68. „Diese Rennen verschaffen uns Luft. Wir sind aber noch nicht auf der sicheren Seite. Ein schlechtes Rennen, und Renault ist wieder dran“, sagt Teamchef Andreas Seidl.

Teamchef Seidl schwärmt von Fahrern

Im Normalfall wird der Traditionsrennstall aus Woking auf dem Platz hinter den drei Top-Teams einlaufen. Die Ingenieure haben ein solides Auto gebaut. Die Fahrer liefern ab. Lando Norris überzeugt in seiner Rookie-Saison. Carlos Sainz brilliert.

Der Spanier ist wahrscheinlich der unterschätzteste Fahrer im Feld. Schnell auf eine Runde und über die Distanz. Praktisch fehlerfrei. „Carlos fährt eine beeindruckende Saison. Er beweist sich in jedem Rennen aufs Neue. Er hatte ein paar unglückliche Rennen mit Technik-Defekten oder anderen Pannen, ansonsten hätte er noch mehr Punkte. Wann immer wir ihm die passende Maschine in die Hände geben, liefert er ab“, lobt Seidl.

Sainz liegt in der Fahrerweltmeisterschaft an siebter Stelle nur drei Punkte hinter Pierre Gasly. Und der Franzose fuhr ein halbes Jahr in einem Red Bull. „Wir wollen mit Carlos den sechsten Platz holen, auch wenn das schwierig wird“, sagt der Teamchef. Ein Sonderlob gibt es auch für Youngster Norris. „Er war von Anfang an schnell und hatte die richtige Herangehensweise. Er hat keine verrückten Sachen angestellt, war in den Startrunden vorsichtig, und hat das Auto in einem Stück gelassen. So konnte Lando in den Rennen Erfahrung sammeln und dadurch das Selbstbewusstsein steigern.“

Lando Norris - McLaren - GP Russland 2019 - Sotschi
Motorsport Images
Lando Norris holte bisher 35 Punkte, der Teamkollege 66 Zähler.

Sainz und das Ingenieurs-Diplom

Seit ein paar Rennen tritt der Zweitplatzierte der letztjährigen Formel-2-Saison forscher auf. Man sieht es vor allem in den Startrunden. „Jetzt ist er bei den Starts aggressiver, ohne es zu übertreiben, gewinnt Positionen, fährt schnell und überlegt.“ Zum Beispiel in Singapur, als er in den letzten Runden Pierre Gasly DRS spendierte, damit der Franzose den weich-bereiften Nico Hülkenberg dahinter aufhielt. Ansonsten wäre der Renault-Pilot auch zur Gefahr für Norris geworden.

McLaren bestätigte beide Fahrer früh für 2020. „Sie sind die Zukunft des Teams. Daran besteht für uns nicht der geringste Zweifel. Es liegt an uns, ihnen besseres Material zu geben, damit sie um Top-Positionen fahren können. Dann entwickeln sie sich von allein zu Top-Fahrern“, glaubt der ehemalige Porsche-Rennleiter Seidl. Norris dürfte mit den Jahren und der steigenden Erfahrung ohnehin besser werden.

Und Sainz ist mit seiner Zuverlässigkeit und dem Erfahrungsschatz aus den Jahren bei Toro Rosso und Renault ohnehin ein wichtiger Baustein. „Seine Rückmeldung zum Auto ist unglaublich. Manchmal denke ich, er hat ein Ingenieurs-Diplom. Seine Aussagen helfen uns ungemein bei der Weiterentwicklung des Autos.“

Ermutigende Daten zu 2020er Auto

2020 muss der nächste Schritt gelingen. McLaren will den Abstand auf die Top-Teams halbieren. Hauptkonkurrent ist auch in diesem Fall Renault. Beide Teams haben dafür mehr Ressourcen als die anderen Mittelfeldteams: technisch und finanziell. Der MCL35 soll auf der guten Basis des 2019er Modells aufbauen, und dessen Schwächen abstellen. Doch was heißt das?

Im Allgemeinen fehlt es dem papayagelben Auto im Vergleich zu Mercedes, Ferrari und Red Bull an Anpressdruck. Da müssen die Aerodynamiker ran. Das Fenster, indem das Auto arbeitet, soll breiter werden. In diesem Jahr schwankt die Leistung des Autos nach dem Empfinden der Ingenieure zu sehr, je nach Streckenlayout, Beschaffenheit des Asphalts, Temperaturen und Reifen. „Natürlich sind wir noch in einem frühen Stadium der Entwicklung. Aber die Werte aus Windkanal und CFD-Simulation sind ermutigend“, sagt Teamchef Seidl.

2019, und das ist einer der Gründe für McLarens Widerauferstehung, passt endlich wieder die Korrelation zwischen Windkanal, CFD und Strecke. Das war 2018 nicht der Fall. Da stagnierte die Entwicklung. In diesem Jahr kommt auf der Strecke das an, was die Werkzeuge an Fortschritt versprechen. Die Upgrades machen den MCL34 schneller.

McLarens neue Stärke

Dass das Fenster, in dem das Auto funktioniert, aber noch zu klein ist, zeigte der Trainingsfreitag von Russland. McLaren tat sich schwerer als angenommen. Das Auto verfiel in den Kurven von Untern- ins Übersteuern. Ohne die passende Balance fehlte den Fahrern das Vertrauen. „Plötzlich bist du zwei, drei Zehntel zu langsam, und nicht mehr an der Spitze des Mittelfelds, sondern mittendrin“, befindet der Teamchef. Um genau das zu vermeiden, soll das Arbeitsfenster 2020 breiter werden.

Dann bewies McLaren seine wiedergewonnene Stärke. Das Team lässt sich auch von einem gebrauchten Tag nicht nervös machen. Die Fahrer verbreiten keine schlechte Stimmung, sondern richten ihre Mechaniker auf. Und die Ingenieure ziehen die richtigen Schlüsse. Für den Samstag wurde das Auto umgebaut. McLaren packte mehr Flügel drauf. „Wir sind Richtung Singapur gegangen.“ Also Richtung maximaler Anpressdruck.

Im Qualifying war der erhöhte Luftwiderstand egal. Das gleicht der geöffnete Heckflügel aus. Im Rennen behauptete sich McLaren. Der größte Gegner schaltete sich selbst aus. Renault stolperte in der Startphase mal wieder über die eigenen Füße. Nico Hülkenberg startete schlecht. Daniel Ricciardo war in eine Kollision verwickelt.

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