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McLaren sucht Bauernopfer

Beginn einer neuen Ära

McLaren steht unter Druck. Der Rennstall, der zu den Top-Teams aufschließen wollte, sackt im Mittelfeld immer weiter ab. Die Krise verlangte nach einem Bauernopfer. Jetzt soll es ein neues Führungstrio richten, in dem auffällig viele Alonso-Vertraute arbeiten.

Zuerst Chassis-Projektleiter Tim Goss, jetzt Teamchef Eric Boullier. Auch Einsatzleiter Matt Morris taucht nicht mehr im Führungsorganigramm auf. McLaren tauscht seine Führungsriege aus. Die Krise fordert erste Opfer. Oder soll man besser sagen Bauernopfer? McLaren-Direktor Zak Brown stellt sich hinter seine Mannschaft, lobt ihre Qualitäten und behauptet, dass es nicht an den handelnden Personen liege, sondern an den Strukturen. Trotzdem stehen Personen auf der Abschussliste. Das ist irgendwie ein Widerspruch.

Die Strukturen, die McLaren zu einer Behörde wachsen ließen, haben andere zu verantworten als jene, die jetzt ihren Hut nehmen mussten. Die entstanden noch in der Ära von Ron Dennis. Und sie wurden nie richtig abgeschafft. McLaren lebt seit dieser Zeit auf einem eigenen Planeten. Auf einem, auf dem gilt: „Not invented here.“ Übersetzt heißt das: Gut ist nur, was im eigenen Haus erfunden wird. Jahrelang lebte man in dem Irrglauben, das beste Chassis zu bauen. Nur der Motor war schuld, dass es nicht zu den früheren Großtaten gereicht hat. Mittlerweile gibt selbst die Teamleitung zu, dass dies wohl ein Irrglaube war.

Auch McLaren-Chef Zak Brown gibt das mittlerweile zu: „Wir hatten letztes Jahr nicht das beste Chassis. Und das aktuelle Auto hat weniger Abtrieb als das von 2017.“ Der 46-jährige Amerikaner schließt daraus: „Wir müssen unsere Strukturen ändern. Wir haben viele gute Leute, die ihr Talent nicht zeigen können. Die Entscheidungswege sind zu lang. Die Kommunikation intern hakt. Und wir brauchen auch Expertise von außen, um neue Denkweisen kennenzulernen.“

Struktur ist schuld, nicht die Leute

Eric Boullier - McLaren - 2018
Aktuell

Zak Brown sieht das Versagen in seinem Team in einem Mangel an Stabilität. In den letzten zehn Jahren seien viele Teamchefs und Anteilseigner gekommen und gegangen. Auf dieser Basis könne keine Erfolgsstory geschrieben werden. Ist der erneute Wechsel im Management nicht eine Fortsetzung dieses Kapitels?

Eric Boullier wird nun durch ein Führungstrio ersetzt. Neuer Sportdirektor ist der Ex-Rennfahrer Gil de Ferran, der sich von 2005 bis 2007 bei BAR mit mäßiger Durchschlagskraft auf diesem Posten versuchte und sich dann im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Team trennte. Welch abgedroschene Floskel.

Die Leitung der Entwicklungsabteilung übernimmt Simon Roberts, der früher einmal für die Komponenten von McLaren-Kunden verantwortlich war. Neuer Technikchef an der Strecke ist Andrea Stella, ehemals Renningenieur von Fernando Alonso. Auch de Ferran ist ein Alonso-Vertrauter. Der Brasilianer hat den Spanier bei seinem Indy 500-Abenteuer gecoacht.

Brown kündigte an, dass noch weitere Personalwechsel folgen würden, intern wie extern. Die jüngsten Maßnahmen sind laut Brown der erste Schritt in eine bessere Zukunft. „Es werden weitere folgen.“ Die Frage ob ein Führungstrio mehr Durchschlagskraft hat als eine starke Persönlichkeit an der Spitze muss in diesem Zusammenhang erlaubt sein. McLaren leidet seit der Zeit von Ron Dennis unter einer Führungsschwäche. Es fehlt die ordnende Hand. Williams geht es ähnlich. Deshalb fährt auch der andere britische Traditionsrennstall hinterher.

IndyCar-Pläne auf Eis gelegt

Fernando Alonso - McLaren - IndyCar - 2017
IndyCar
Muss Alonso seine IndyCar-Pläne auf Eis legen?

Gute Teamchefs kann man nicht einfach so auf dem Markt einkaufen oder heranzüchten. Es gibt kaum noch Führungskräfte mit Format, Erfahrung und Durchsetzungskraft. Auch weil die meisten Teamchefs nur noch Angestellte sind. Der Teamchef, dem sein Team auch gehört, stirbt zunehmend aus. Ist es Zufall oder Absicht? Die neue Konstellation bei McLaren lässt den Verdacht aufkommen, dass der wahre Chef im Rennstall Fernando Alonso heißt.

Die jüngste Laudatio des Spaniers auf sein Team lässt nur den Schluss zu, dass hier ein Fahrer spricht, der mehr will als nur fahren. Alonso erinnerte jüngst die Kritiker von McLaren regelmäßig daran, dass man sich gegenüber Vorjahr um 400 Prozent gesteigert habe und quasi von null auf 44 Punkte durchgestartet sei. Besser hätte auch Zak Brown sein Team nicht verkaufen können. Wird da nicht unter den Tisch gekehrt, dass der MCL33 aerodynamisch ineffizient ist und nur dann einigermaßen funktioniert, wenn der Heckflügel voll auf Anschlag gestellt wird? Es wäre besser, hier eine klare Sprache zu sprechen.

Brown muss die Anteilseigner bei Laune halten und sich Zeit kaufen. Das tut er mit den Worten: „Diese Situation ist nicht über Nacht entstanden, und sie wird nicht über Nacht gelöst werden. Wie lange es dauert? Zwei Jahre, zehn Jahre, eher irgendetwas dazwischen.“ McLaren will in Zukunft nicht mehr Ankündigungs-Weltmeister sein. Zu oft ist man über zu hoch gesteckte Ziele gestolpert. Deshalb setzt Brown das modifizierte Saisonziel bewusst niedrig an: „Wir wollen im Kampf um Platz 4 mitmischen, aber wir wissen, dass es mit dem vorhandenen Material schwierig wird.“

Die Frage ist, wie viel Geduld die Geldgeber noch aufbringen. Wenn er die Misserfolge nicht abstellt, könnten ihm Mansour Ojjeh und der Staatsfonds aus Bahrain den Hahn zudrehen. Sie üben jetzt schon Druck aus. So ist der Plan von Brown, sich ab 2019 an einem IndyCar-Team zu beteiligen, vorerst auf Eis gelegt worden. McLaren solle sich auf die Formel 1 konzentrieren, so der Befehl von oben.

Das wiederum bringt McLaren in Bedrängnis. Die Teamleitung muss Alonso jeden Wunsch erfüllen, und sei es eine Auszeit bei den IndyCars. Alle Spitzenfahrer, die McLaren bislang kontaktierte, zeigten nur mäßiges Interesse. Kein Wunder bei einem Trend, der eher abwärts auf aufwärts zeigt. Also muss Alonso unter allen Umständen bleiben. Mit seinen Freunden im Chefbüro könnte das gelingen.

Motorsport Aktuell Eric Boullier - McLaren - 2018 Opfer der McLaren-Krise Teamchef Eric Boullier tritt zurück

Eric Boullier räumt den Posten des Teamchefs von McLaren.

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