Carlos Sainz - GP Österreich 2019 Wilhelm

McLaren übernimmt Mittelfeld-Spitze

Sainz so gut wie Verstappen

McLaren hat sich vom Mittelfeld freigeschwommen. Zum zweiten Mal in Folge haben beide Fahrer gepunktet, zum zweiten Mal als Best of the Rest. Das Rennen von Carlos Sainz war ähnlich gut wie das von Sieger Max Verstappen.

Wer hätte das gedacht. Nach neun Rennen liegt McLaren auf Platz vier in der Konstrukteurs-WM, 20 Punkte vor dem Werksteam von Renault. Es wird jetzt immer deutlicher: McLaren ist die vierte Kraft im Feld. Renault wird sich anstrengen müssen, den Rückstand noch aufzuholen.

Auch weil der McLaren MCL34 mittlerweile der bessere Allrounder ist. Er hat nur noch da seine Schwäche, wo der Renault gut ist. In langsamen Kurven fehlt Abtrieb. In allen anderen Disziplinen schlägt McLaren seinen Motorenlieferanten. Top-Speed, schnelle Kurven, Kühlung, Boxenstopps und Strategie.

An der Standfestigkeit müssen beide Teams noch arbeiten. Renault und McLaren sind mit 1.014 respektive 973 zurückgelegten Runden und je 13 Zielankünften Schlusslicht. Der entscheidende Schritt war nach Meinung von Carlos Sainz das Entwicklungspaket zum GP Spanien. Es hat aber drei Rennen gedauert, bis es eingeschlagen ist.

„Wir verstehen das Paket von Barcelona Schritt für Schritt besser und reichern es jetzt mit kleineren Änderungen an. Es hat das Auto besonders in schnellen und mittelschnellen Kurven stark verbessert. Das Heck klebt jetzt, man kann sich darauf verlassen. Das haben wir aber erst in Frankreich rausgefunden, weil es in Monte Carlo und Montreal keine schnellen Kurven gibt.“

Start - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 30. Juni 2019
Jerry André
Carlos Sainz musste von hinten eine Aufholjagd starten.

Norris und die heikle erste Runde

In den letzten beiden Rennen hat McLaren jeweils mit beiden Fahrern gepunktet. Der bessere der beiden führte die Liga der Fahrer an, die nicht bei Mercedes, Ferrari und Red Bull unter Vertrag sind. In Paul Ricard wurde Carlos Sainz Sechster, in Spielberg Lando Norris. In beiden Fällen reichte es sogar, einen Red Bull hinter sich zu lassen.

Lando Norris hat jetzt schon den Titel des besten Einsteigers sicher. Der 19-jährige Engländer liegt mit 22 Punkten auf Rang 8 der Fahrerwertung. Norris fuhr auch in Spielberg wieder ein starkes und fehlerfreies Rennen. Wenn da nur nicht immer die erste Runde wäre. In den ersten acht Rennen hatte Norris in der Startrunde insgesamt 18 Positionen verloren.

Diesmal verteidigte der Neuling seinen fünften Startplatz. Aber nur, weil Max Verstappen schlecht weg kam. Der Start von Norris war gut, er duellierte sich sogar über drei Kurven mit Lewis Hamilton, doch dann rutschte ihm auch noch Kimi Räikkönen durch. Der Finne spielte da seine ganze Routine aus. Genau das fehlt dem Greenhorn bei McLaren noch.

Lando Norris sprach trotzdem von einer seiner besseren Startrunden: „Ich habe versucht vor Lewis zu bleiben, was mir leider nicht gelungen ist. In der ersten Kurve habe ich ein bisschen gezögert: Soll ich es tun, soll ich nicht? Ich wusste, Lewis würde mit Blickrichtung Titel nicht alles riskieren. Also bin ich außen vorbei. In Kurve 4 hatte er mich dann wieder.“

Der Youngster macht sich aber keine großen Sorgen: „Ich gewinne mit mehr Erfahrung und mit mehr Resultaten im Rücken mehr Selbstvertrauen für die erste Runde. Am Ende ist es mir aber immer noch wichtiger ins Ziel zu kommen. Ich muss noch lernen. Das ist nicht möglich, wenn ich in der ersten Runde abfliege. Ich wähle die sichere Option aus einem guten Grund.“

Lando Norris - GP Österreich 2019
Motorsport Images
Lando Norris hielt Gasly erfolgreich in Schach.

Nur Verstappen war schneller

Der Star im McLaren-Team war diesmal der schlechter platzierte Fahrer. Carlos Sainz musste wegen eines Motorwechsels aus der letzten Reihe starten und durfte nicht mit WM-Punkten rechnen. „Eigentlich ist es bei dem engen Mittelfeld gar nicht mehr möglich, von ganz hinten in die Punkte zu fahren.“

Es ging doch. Mit einer schlauen Strategie und einer beherzten Fahrt, die der des Siegers Max Verstappen kaum nachstand. Sainz fiel nur kaum einem auf. An der Spitze war so viel los, dass keiner auf das Mittelfeld geachtet hat.

Der Plan stand aufgrund der Startposition von vornherein fest. Möglichst lange mit dem ersten Reifensatz durchhalten, nach dem Boxenstopp der anderen die freie Fahrt nutzen und dann mit einem kürzeren zweiten Stint und frischeren Reifen Attacke machen.

„Im ersten Stint habe ich mich zurückgehalten, die Reifen geschont“, erzählt Sainz. „Mein Ziel war ein großes Reifen-Delta für den letzten Stint. Als ich auf Platz 15 lag, habe ich mich eingebremst. Lieber lang fahren anstatt die Reifen in sinnlosen Zweikämpfen zu verheizen.“

Sainz hielt bis Runde 41 durch. „Wir hätten vielleicht eine Runde früher stoppen sollen. Auf meiner Runde in die Boxen rein waren die Reifen schon am Ende. Aber es hat mir eine Runde mehr für den zweiten Stint geschenkt.“

Nachdem der Mann aus Madrid das Rennen an 14. Stelle wieder aufnahm, ging die Post ab. Eine Zeitlang hielt der Spanier sogar die schnellste Rennrunde. Mit einer Serie 1.08er Runden machte er schnell Boden gut. Nur Verstappen war schneller unterwegs. Zwischen den Runden 45 und 53 folgte die große Sainz-Show: Jede zweite Runde ein Opfer. Zuerst Stroll, dann Hülkenberg, Perez, Giovinazzi und Räikkönen. Das war Platz 8.

Carlos Sainz - GP Österreich 2019
xpb
In der zweiten Rennhälfte ging bei Carlos Sainz die Post ab.

Gasly als Zielscheibe

In Runde 53 fehlten Sainz noch neun Sekunden auf Gasly. Bei dem Tempo, das der McLaren-Pilot anschlug, hätte er den Red Bull-Piloten in Runde 64 eingeholt. „Ich habe auf Lando und Gasly eine halbe Sekunde pro Runde gut gemacht. Als ich schon auf drei Sekunden an Gasly dran war, ist der Frontflügel gebrochen. Keine Ahnung warum. Vielleicht einer dieser komischen Randsteine. Ich habe einen Flap verloren. Und damit die Aero-Balance. Am Ende hätte ich fast noch einen Platz gegen Räikkönen verloren.“

Lando Norris verteidigte sich tapfer gegen Gasly. „Ich wusste, dass es hart wird. Der Red Bull ist schnell, er geht schonend mit den Reifen um. Aber sie sind auf den Geraden nicht so schnell wie wir. Er war schon im ersten Stint an mir dran. Am Ende war ich auf Medium-Reifen, er auf den harten. Das hat mir einen kleinen Vorteil verschafft. Ich habe mich vor allem drauf konzentriert, aus Kurve 1 und der Zielkurve gut rauszukommen.“

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