Lando Norris - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi
Lando Norris - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi
Verstappen - Hamilton - Sainz - GP Russland 2021 - Sotschi
Carlos Sainz - Ferrari - GP Russland 2021 - Sotschi 50 Bilder

Norris will zu viel: Regen klaut Sieg in Sotschi

Norris will zu viel in Sotschi Regen klaut McLaren den Sieg

GP Russland

Es wäre der zweite McLaren-Sieg in Folge gewesen. Lando Norris fuhr mit Kurs auf Platz 1, als ihm der Regen kurz vor Schluss einen Streich spielte. Der Engländer wollte auf Slicks bis zum bitteren Ende durchhalten. Das kostete den Sieg.

Diese Story wäre zu schön gewesen. McLaren wartet fast neun Jahre auf seinen 183. GP-Sieg. Und dann hätte der britische Rennstall fast zwei am Stück gewonnen. Lando Norris ging von der Pole Position aus ins Rennen und sah 50 Runden lang wie ein möglicher Sieger aus. Der Engländer führte den GP Russland 30 Runden lang an, teilweise mit einem Vorsprung von bis zu 13,7 Sekunden.

Auch nach seinem Boxenstopp von Medium-Reifen auf die harten Sohlen, hatte Norris noch ein Guthaben von 8,4 Sekunden auf Lewis Hamilton. Das schmolz zwar innerhalb von 16 Runden bis auf einen Abstand im DRS-Bereich dahin, doch kaum hatte es der Mercedes in das Heck des McLaren geschafft, wirkte Norris wieder souverän. Teamchef Andreas Seidl meinte: "Es ist im Nachhinein schwer zu sagen, ob Lando vorne geblieben wäre. Er hatte auf jeden Fall eine gute Chance. Hamilton hat es in der ersten Rennhälfte nicht geschafft, an Ricciardo vorbeizukommen, und Daniel hatte keinen Windschatten von vorne. Es ist also anzunehmen, dass er sich mit Lando genauso schwer getan hätte."

Carlos Sainz - Ferrari - Lando Norris - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi
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Mit einem Manöver gegen Carlos Sainz sicherte sich Lando Norris die Führung, die er lange hielt.

Das Überhol-Delta war zu groß

Die Mercedes-Ingenieure waren sich im Rückblick ziemlich sicher: "Lewis hätte Lando nicht mehr überholt. Das Überhol-Delta war mit 1,4 Sekunden zu groß." Doch Hamilton hatte an diesem verrückten Tag einen gewichtigen Mitspieler. In Runde 46 schickte der Himmel die ersten Regenschauer. Zuerst fiel der Regen nur zwischen Kurve 5 und 7, später im ganzen ersten und halben zweiten Sektor. Es begann mit Niesel und endete in starkem Regen.

Es war eine schwierige Entscheidung, die richtige Runde zum Boxenstopp zu bestimmen. "Die Wettervorhersage lautete auf gleichbleibende Intensität des Regens", erzählte Seidl. Bei dieser Prognose bestand durchaus die Gefahr, zu früh reingekommen. "Eine Runde zu früh, und du hättest dir das Profil der Intermediates im trockenen letzten Teil der Strecke abgefahren", erzählte Max Verstappen hinterher.

Lando Norris kam definitiv zu spät an die Box. Der optimale Zeitpunkt waren im Rückblick die Runden 47 und 48. Norris wartete bis zur 51. Runde. Da hatte sein größter Gegner schon zwei Runden lang Intermediates an seinem Mercedes. Hamilton hatte gesehen, wie Norris auf einem nassen Fleck in Kurve 5 fast das Auto verlor. Das war ihm eine Warnung. In der 50. Runde verlor Norris auf seinen Slicks schon vier Sekunden auf die Fahrer, die mit Intermediates auf der Strecke waren.

Im 51. Umlauf baute der Engländer einen Abflug in eine der großen Auslaufzonen ein und eierte auf seinen profillosen Reifen über die überflutete Strecke. Für die Runde in die Box brauchte Norris 1.07 Minuten länger als Hamilton zwei Runden zuvor. Der Spitzenreiter kehrte erst an achter Stelle wieder ins Rennen zurück, überholte dann noch Kimi Räikkönen und musste eine Stunde nach der Zielflagge zu allem Überfluss noch zur Rennleitung, weil er in der Boxeneinfahrt die weiße Linie gekreuzt hatte. Er kam mit einer Verwarnung davon. Die Sportkommissare führten zugunsten des Fahrers an, dass er mit Slicks auf der rutschigen Fahrbahn keine volle Kontrolle mehr über das Auto hatte.

Norris wollte auf der Strecke bleiben

Norris war am Ende selbst schuld für das falsche Boxenstopp-Timing. Das Team bat ihn an die Box, aber er wollte nicht. Seidl zeigte Verständnis: "Man muss Lando verstehen. Er hatte den Sieg vor Augen. Da wollte er die Führung natürlich nicht aufgeben. Und wir müssen uns bei so kritischen Bedingungen auf das Urteil des Fahrers verlassen. Er weiß besser als wir, in welchem Zustand die Strecke ist."

Norris übernahm die Verantwortung: "Es ist herzzerreißend, den Sieg zu verlieren. Das Team wollte mich reinholen, ich wollte draußen bleiben. Die Information, die ich hatte, war, dass der Regen nicht zunimmt. Unter den Umständen waren Slicks besser als Intermediates. Ich war mir sicher, dass ich unter den Umständen vor Lewis bleiben konnte. Ich bin ihm sogar etwas weggezogen. Wäre ich 20 Runden vor Schluss vor der Wahl gestandedn. hätte ich vielleicht anders entschieden. Am Ende war es falsch. Es war ein Poker an die Box zu gehen, wie es auch ein Poker war draußen zu bleiben. Am Samstag haben wir richtig reagiert, am Sonntag nicht."

Der Teamchef von McLaren führte auch an, dass Mercedes als Verfolger leichter eine Entscheidung treffen konnte: "Lewis konnte als Zweiter nichts verlieren. Er hatte das Boxenstopp-Fenster nach hinten. Wir haben am Funk gehört, dass er zuerst auch nicht an die Box kommen wollte, aber das Team hat ihn dann überzeugt, dass es besser ist das Gegenteil von uns zu tun." Norris sah trotz des verlorenen Sieges auch positive Seiten: "Bis der Regen kam, war es ein perfektes Rennen."

Daniel Ricciardo - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi
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Daniel Ricciardo erwischte den perfekten Zeitpunkt für den Tausch auf Intermediates.

Ricciardo macht alles richtig

McLaren ließ sich von Norris auch deshalb überzeugen, weil man mit Daniel Ricciardo ein zweites Eisen im Feuer hatte, der im Gegensatz zu seinem Teamkollegen einen klaren Plan hatte. Der Australier kam schon in Runde 48 an die Box. "Ich hätte das Auto in Kurve 7 fast weggeschmissen. Für mich gab es keine andere Option als reinzukommen. Die Reifentemperatur fiel dramatisch in den Keller."

Das Team fühlte sich dadurch auf der sicheren Seite, wie Seidl ausführte: "So konnten wir die Taktik splitten und uns nach beiden Seiten hin absichern. Für Daniel gab es keine Frage. Er wollte unbedingt reinkommen, weil er darin eine Chance sah, Plätze gutzumachen. Es war rückblickend das perfekte Timing."

Ricciardo belohnte sich mit dem 4. Platz. Solange die Strecke noch trocken war, lag er auf Rang 6. Seine harten Reifen hatten aber nach dem frühen Stopp in der 22. Runde bereits das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Ricciardos klare Ansage sicherte McLaren auch die Punktehoheit über Ferrari. Die Engländer konnten den Vorsprung in der WM um vier Punkte ausbauen.

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