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So wurde McLaren gerettet

Finanzspritze aus Bahrain

Die britischen Traditionsteams McLaren und Williams hat es in der Corona-Krise besonders schwer getroffen. McLaren stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Der Rennstall brauchte dringend frisches Geld. Jetzt geben die Besitzer einen Kredit.

Im Winter galt McLaren noch als das Team der Zukunft. Der ursprüngliche Budgetdeckel von 175 Millionen Dollar schien wie maßgeschneidert für den zweitältesten Rennstall der Formel 1. McLaren lag komfortabel auf dieser Grenze, mit den Finanzen und dem Personal.

Die Großaktionäre aus dem Mittleren Osten hatten McLaren im Februar noch 300 Millionen Pfund überwiesen. Als Anschub für das Straßenauto-Geschäft, als Investition in einen neuen Windkanal und einen neuen Simulator für die Formel 1. Es sollte für die Startbahn sein, unter perfekten Voraussetzungen exakt am Limit der Kostendeckelung zu operieren.

Zwei Wochen nach der Finanzspritze schlug die Corona-Krise mit voller Wucht zu. Die Verkäufe der Straßensportwagen brachen um zwei Drittel ein. Rennen fanden nicht statt. Die monatlichen Raten von Liberty wurden um 40 Prozent nach unten korrigiert. Doch die Kosten liefen weiter.

Das Formel-1-Team in Woking beschäftigt rund 750 Personen. Auch wenn die Fabrik 63 Tage geschlossen blieb, hat der Apparat Geld verbrannt. McLaren musste die Einlage ihrer Anteilseigner zweckentfremden. Schadensbegrenzung statt Expansion. "Covid-19 hat uns wie viele andere Firmen auch in eine Schieflage gebracht. Als die Pandemie ausbrach, brauchten wir das Geld um zu überleben", gibt McLaren-Chef Zak Brown zu.

Zak Brown - McLaren - F1 - Formel 1
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Regierung lehnt Kredit ab

McLaren traf der Einschnitt besonders hart, weil sich die Firma gerade in einer Wachstumsphase befand. Dann häuften sich die Hiobsbotschaften. Als erster Rennstall meldete der WM-Vierte des Vorjahres Kurzarbeit an. Als erster verständigte er sich auf Kürzungen der Manager- und Fahrergehälter. Als erster verkündete er Entlassungen. 1.200 Mitarbeiter waren betroffen, 70 davon in der Formel 1.

Plötzlich war denkbar, was eigentlich unmöglich schien. Englands Gegenstück zu Ferrari, ein Urgestein des Sports, das bis 2012 noch zu den drei reichsten Teams im Geschäft zählte, kämpfte ums nackte Überleben. Es fehlte ganz einfach Cash in der Kasse.

Zuerst beantragte McLaren einen Kredit von der Regierung. Das wurde abgelehnt. McLaren erfülle nicht die Kriterien, hieß es. Man habe ja starke Anteilseigner. Eine Staatshilfe könne immer nur der letzte Rettungsanker sein, so der Bescheid aus der Parteizentrale. Man solle sich doch auf dem freien Markt bedienen.

Genügend Sicherheiten gibt es ja. Die alten Rennautos und die Fabrik sollten für eine Viertelmilliarde Pfund beliehen werden. Auch von einem Verkauf von Firmenanteilen war die Rede. Da ahnte man bereits: Das ist nicht nur eine kleine finanzielle Notlage. Das ist ein echter Engpass, wie es Zak Brown im Rückblick ausdrückte.

Carlos Sainz - McLaren - F1-Test - Barcelona - 28. Februar 2020
Stefan Baldauf
Dank der Finanzspritze aus Bahrain ist die Zukunft von McLaren erst einmal gesichert.

Bond-Manager gegen Verkauf des Tafelsilbers

Der Plan, das Tafelsilber als Sicherheit für einen Kredit zu stellen, scheiterte. Das lehnten die Anleihegläubiger ab, die vor dreieinhalb Jahren die Auszahlung des früheren McLaren-Chefs Ron Dennis finanziert hatten. Sie boten McLaren stattdessen an, Geld aus dem eigenen Fundus vorzustrecken, allerdings zu einem inakzeptablen Zinssatz.

Daraus entwickelte sich ein Machtkampf zwischen der McLaren-Geschäftsleitung und den Bond-Managern. Die Anleihegläubiger hofften ihren Schuldner mit dem Veto so in die Enge treiben zu können, dass er am Ende das Angebot doch annehmen müsse.

Um McLaren die Suche nach alternativen Geldquellen zu erschweren, verweigerten die Bond-Manager das Beleihen der Wertgegenstände. McLaren wandte sich daraufhin an ein Gericht, um herauszufinden, ob eine juristische Grundlage besteht, die Anleihegläubiger davon abzuhalten.

Noch bevor das Gericht eine Antwort gab, löste sich das Problem für den angeschlagenen Riesen. Jetzt streckt die National Bank of Bahrain 150 Millionen Pfund vor. Zu viel günstigeren Kondition. Die Bank gehört zu der Bahrain Mumtalakat Investment-Gruppe, der 56 Prozent an McLaren gehören.

Zak Brown atmet auf: "Wir sind zurück in der Spur. Es waren hässliche zwei Monate, aber das liegt hinter uns. Wir haben uns zu nichts zwingen lassen. Das Risiko war überschaubar, weil wir ja am Ende immer noch auf das Angebot der Anleihegläubiger hätten eingehen können. Wir wollten einfach den bestmöglichen Abschluss machen, und die Zinsen, die wir jetzt bedienen müssen, sind für uns fantastisch."

Damit kann McLaren mit kleinen Abstrichen seinen Plan zurück zum Erfolg so durchsetzen wie geplant. "Wir sind in der Lage, den Kostendeckel voll zu nutzen und das Team so laufen zu lassen, wie geplant. Zusammen mit einem starken Fahrerduo bringt uns das zurück auf die Straße, auf der am Ende Siege und Titel stehen sollen. Wir sind wieder im Geschäft", atmet Brown auf.

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