Carlos Sainz - McLaren - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Daniel Ricciardo - Renault - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Perez - Albon - Kvyat - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola 21 Bilder

McLaren begrenzt Schaden: Entwicklung statt Feintuning

McLaren begrenzt den Schaden Entwicklung statt Feintuning

Zehn Punkte hören sich nach mehr an als nach Schadensbegrenzung. Doch wenn ein Gegner auf dem Podest landet und der andere das schnellere Auto hatte, kann man von nichts anderem sprechen. McLaren bringt öfter neue Teile als Racing Point oder Renault, scheint sich in der Entwicklung aber zu vergaloppieren.

Ohne die Ausfälle von Max Verstappen und Pierre Gasly sowie den Dreher von Alexander Albon wären die McLaren um eine Position weiter hinten ins Ziel gekommen, als sie gestartet sind. Auf den Positionen zehn und elf. Dank des Unfalls des Red Bull und des Defekts beim Alpha Tauri wurden die Plätze sieben und acht daraus. Oder aus drei WM-Punkten, wie die Startplätze (9 und 10) versprochen hatten, deren zehn. "Schadensbegrenzung trifft es auf den Kopf", meinte Teamchef Andreas Seidl zum Ergebnis. Von hinten war den McLaren nur Sergio Perez durchgeschlüpft.

Mit ein bisschen mehr Risiko und einer geteilten Strategie hätte vielleicht mehr herausspringen können. Andererseits hätte mit Carlos Sainz mit etwas Pech und weniger ausgeprägtem Reaktionsvermögen des Fahrers auch ein Ausfall passieren können. Beim Restart in der 58. Runde drehte sich Albon ausgangs der Villeneuve-Schikane vor der Nase des Spaniers. "Ich musste voll auf die Bremse und mich gleichzeitig gegen die Fahrer hinter mir schützen." Das waren Teamkollege Lando Norris, Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi.

Mit Norris hätte McLaren ins Risiko gehen können. Die McLaren-Strategen holten den jungen Engländer erst in der dritten Runde hinter dem Safety Car zum Reifenwechsel. Zu diesem Zeitpunkt war er Sechster – vor Sergio Perez und Daniil Kvyat. Danach Neunter. McLaren hatte wohl die Furcht, dass sich Norris auf 40. Runden alten Reifen nicht würde verteidigen können. "Die neuen Reifen gaben uns Power für den Restart. Wir hatten uns das so wie bei Kvyat vorgestellt. Leider ist Perez aber nicht an Leclerc vorbeigekommen. Deshalb sind wir nicht mehr vorwärtsgekommen", sagt Seidl. Der Mexikaner hatte frische Reifen, Leclerc alte harte.

Lando Norris - McLaren - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
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McLaren holte in Imola mit beiden Autos Punkte.

Drei Teams, ein Punkt

Es war die Geschichte von McLarens Imola-Grand Prix. Die Fahrer hatten zwar das Gefühl, schneller fahren zu können als die meisten Autos vor ihnen, doch der Kurs bot ihnen keine Gelegenheiten. Eigentlich kann man in Imola nur vor der ersten Schikane überholen. Und das auch nur, wenn der Vodermann mitspielt. "Ich denke, wir hatten ein bisschen mehr Geschwindigkeit, konnten es im Verkehr aber nicht ausspielen", erklärt Sainz. Nur Racing Point war sichtbar schneller. Perez überflügelte das Mittelfeld mit einem späten ersten Boxenstopp.

Im Nachhinein war es ein guter Sonntag für den WM-Vierten. McLaren machte sich das Leben tags zuvor schwer. Da fehlten drei Zehntel auf Pierre Gasly und Daniel Ricciardo. Der Traditionsrennstall brachte zwar beide Autos in die Top 10 der Startaufstellung, was im Mittelfeld sonst nur Alpha Tauri gelang, doch man war langsamer als Red Bulls Schwesterteam, Renault und Ferrari.

"Der Samstag entscheidet, ob du in sauberer Luft fährst, oder im Verkehr steckst. Wir waren leider im Stau. Und angesichts dessen sind die doppelten Punkte ein gutes Ergebnis. Wir haben zwar auf Renault verloren, dafür auf Racing Point aufgeholt", bilanziert Seidl. In der Team-WM trennt die drei Rennställe ein Punkt.

Weitere Upgrades in Pipeline

In diesem Kampf entscheiden die Tagesform, die Streckencharakteristik, die Temperaturen, die Reifen. Das Mittelfeld neutralisiert sich. Renault ist stark in langsamen Kurven, schwächelt dafür in langgezogenen Highspeedkurven. Bei McLaren ist es anders herum. Racing Point sieht Nachholbedarf in mittelschnellen Kurven, hat dafür in Summe den meisten Abtrieb. Alpha Tauri und Ferrari liegen mittendrin, hinken aber bei den Punkten hinterher.

Je länger die Saison fortschreitet, desto mehr hat man das Gefühl, dass McLaren den dritten WM-Platz erzwingen will. Während Renault und Racing Point die letzten Entwicklungsschleifen für das 2020er Auto in Windkanal schon lange gedreht haben, bringt McLaren weiter munter Upgrades. "Wir werden auch nach Imola weiter nachlegen", versichert der Teamchef.

Doch es wirkt fast so, als dass McLaren sich selbst manchmal verwirrt. Am Nürburgring probierte man im einstündigen Training neue Teile aus, statt das Bekannte zu optimieren. Prompt fehlte am Rennsonntag der Speed mit Sainz. Norris war mit dem alten Paket stärker. In Portimao fuhr man auf einer neuen Strecke weitere Vergleichstests im Training. McLaren sah sich danach auf dem richtigen Weg, die Upgrades entschlüsselt zu haben, die in Imola dann an beide Autos kamen. In Portimao hatte es noch an Teilen gemangelt.

Carlos Sainz - McLaren - Formel 1 - GP Emilia-Romagna - Imola - Samstag - 31.10.2020
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In der Qualifikation schöpften weder Norris noch Sainz das Potential aus. Der MCL35 ist nicht immer einfach zu fahren.

McLaren muss besser werden

Noch immer schaffen es die Fahrer allerdings nicht, das Paket zu 100 Prozent auszuquetschen. Dazu eine Aussage von Norris nach der Qualifikation. "Das Auto fühlte sich gut an. Wir haben gute Fortschritte zwischen Training und Qualifikation erzielt. Wir waren immer schnell, aber es war sehr schwer, das letzte Bisschen aus dem Auto zu holen." Seidl ergänzt. "Wir haben einfach nicht die Performance gesehen, die nach unserer Meinung im Auto stecken sollte. Unseren Fahrern fiel es schwer, schnelle Runden auf die Bahn zu bringen."

Die Piloten berichteten in dieser Saison schon öfter, dass der MCL35 nicht immer einfach zu fahren sei. Vielleicht sollte sich McLaren mal ein, zwei Rennwochenenden Zeit nehmen, um über Feintuning am Setup und ein besseres Verständnis für das Auto, das vorhandene Potential vollständig auszuschöpfen. So wie es Alpha Tauri mit Pierre Gasly vormacht. Fahrer, Team und Paket wachsen mehr und mehr zusammen und werden immer stärker. Mit Feintuning gewinnt man hier und da ein Zehntel, dass bei einem Upgrade vielleicht nicht immer sofort an der Strecke ankommt. Weil die Balance auf die neuen Teile erst einmal angepasst werden muss.

Ferrari verfährt zwar ähnlich wie McLaren, und brachte in den letzten Wochen in mehreren Schritten neue Teile. Doch da war die Basis eine viel schlechtere. Viel schlechter hätte man den SF1000 kaum machen können. Renault verfolgt die Politik des Feintunings seit Sotschi. In Russland hatten die Ingenieure die letzten größeren Änderungen vorgenommen. Und irgendwie gewinnt man das Gefühl, dass die Franzosen ihr Auto besser verstehen – und mehr herausholen. McLaren punktet hingegen mit der besseren Zuverlässigkeit. Beide hätten ein Problem, wenn sich Racing Point über die Strategie nicht selbst im Weg stehen würde. Seidl fordert für den Schlussspurt: "Wir müssen uns als Team in allen Bereichen verbessern. Es kommt auf die kleinsten Details an."

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