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Formel 1: Corona-Schutzmaßnahmen McLaren im Detail

Corona-Maßnahmen bei McLaren So bremst McLaren Corona aus

Corona kann die WM entscheiden. Nicht mehr die Titeljagd, aber doch den Kampf um Platz 3. Racing Point hat sich schon zwei Mal selbst geschwächt. McLaren betreibt großen Aufwand, damit das Virus keine Chance hat.

Corona fährt in dieser Formel 1-Saison als blinder Passagier mit. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen von Seiten der FIA und des Formel 1-Managements lässt sich das Virus bei einem Wanderzirkus mit 1.000 Personen, die im Wochenrhythmus aus der ganzen Welt anreisen, nicht aussperren. Viele hat es schon erwischt. Die prominentesten Opfer waren die Racing Point-Piloten Sergio Perez und Lance Stroll. Der Rennstall beklagte insgesamt sieben Fälle.

Auch Mercedes blieb nicht verschont. Am Nürburgring wurden zwei Mitarbeiter positiv getestet, daraufhin mehrere Kollegen sicherheitshalber isoliert. Seitdem ist die Stammbelegschaft der Boxenstopp-Crew nicht mehr komplett. Das kostet Zeit beim Reifenwechsel.

Die durcheinandergewürfelte Mannschaft kann nicht mit der gleichen Geschwindigkeit und Präzision arbeiten, wie ein seit Jahren eingespieltes Team, das ständig die Abläufe trainiert. Mercedes kann so eine Notlösung verkraften. Das Auto ist so überlegen, dass eine Sekunde mehr beim Boxenstopp nicht über Sieg oder Niederlage entscheidet. Jedenfalls bis jetzt nicht.

McLaren - Formel 1
McLaren
McLaren trennt sein 80-köpfiges Rennteam in 20 Blasen auf.

McLaren konferiert fast nur digital

Im Mittelfeld wäre jede Schwächung durch Corona-Fälle ein echtes Handikap. Racing Point ist das beste Beispiel. Das Team hat zwar mit Nico Hülkenberg den perfekten Feuerwehrmann, doch so ein Fahrerwechsel in letzter Minute bringt immer Unruhe in das Team. Perez und Stroll mussten insgesamt drei Rennen auslassen. Stroll knabbert immer noch an den Folgen seiner Virus-Erkrankung. Der Kanadier war in Portimao und in Imola nicht in Form. Technikchef Andy Green räumt ein, dass die Corona-Fälle dem Team möglicherweise Punkte gekostet haben.

McLaren-Teamchef Andreas Seidl geht so weit, dass er sagt: "Glück und Unglück mit Corona kann den Dreikampf um Platz drei in der Konstrukteurs-WM mit entscheiden." Deshalb gelten in der Fabrik und an der Rennstrecke strikte Sicherheitsvorkehrungen, die über die normalen Hygienevorschriften hinausgehen. Das Virus soll keine Chance haben. Im gesamten McLaren Technology Center gilt Einbahnverkehr. "So können sich die Leute in der Fabrik nie begegnen", erzählt Seidl. "Beim Schichtwechsel vermeiden wir Überlappung der beiden Schichten. Die eine geht, dann gibt es eine Pause, und die nächste Schicht fängt etwas später an."

Konferenzen gehören bei einem Formel 1-Team zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags. In normalen Zeiten kam es täglich in allen Abteilungen zum Gedankenaustausch. Der findet jetzt nur noch unter strengen Regeln statt. Von Angesicht zu Angesicht lediglich in kleinen Gruppen mit Sicherheitsabstand. "Die großen Treffen wie die Ansprache nach jedem Rennen vor dem Team wurde gestrichen. Das machen wir jetzt auf digitalen Plattformen."

Andreas Seidl - McLaren - Formel 1
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McLaren-Teamchef Seidl: "Glück und Unglück mit Corona kann den Dreikampf um Platz drei in der Konstrukteurs-WM mit entscheiden."

Was gerade dann schwierig ist, wenn wichtige Entscheidungen verkündet werden müssen, die Auswirkungen auf die Mitarbeiter haben. Wie zum Beispiel Kurzarbeit. "Das willst du persönlich den Leuten kommunizieren, nicht über Zoom oder Mails. So etwas schmerzt", gibt Seidl zu.

Im Notfall ein Sitz für di Resta

Der Austausch unterschiedlicher Abteilungen wurde auf ein Minimum reduziert. "Dort, wo es nötig ist, machen wir es nur mit Mindestabstand und Gesichtsmasken." An Arbeitsplätzen, an denen vorher vier Leute gesessen sind, dürfen jetzt nur noch zwei Platz nehmen. Die Ingenieure arbeiten fast komplett im Home Office. Das Rennteam sieht die Fabrik seit März nur noch sporadisch. Die Renningenieure sind nur bei Simulator-Fahrten vor Ort. Die Mechaniker beim Vorbereiten der Fracht und wenn die Autos zwischen zwei Rennen überholt werden müssen. Das geschieht dann aber an einem separaten Ort in der Fabrik.

An der Rennstrecke gelten wie für alle Teams zunächst einmal die Protokolle der FIA und der Formel 1. Regelmäßige Covid-Tests vor Reiseantritt, während der Rennwochenenden und bei Rückkehr sollen das Risiko minimieren. McLaren teilt seine 80-köpfige Mannschaft vor Ort in ungefähr 20 Blasen ein. Jeglicher Austausch findet nur auf Distanz statt. "Das Ziel ist es, dass wir auch im Falle einer Infektion operativ bleiben und beide Autos an den Start bringen können", baut Seidl dem Notfall vor. Das hat natürlich Grenzen. Müsste eine komplette Auto-Crew ausgetauscht werden, wäre jedes Team am Limit.

Paul di Resta - Formel 1
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Stoffel Vandoorne wäre die erste Wahl. Paul di Resta könnte ansonsten bei einem Ausfall des Stammpersonals einspringen.

Seidl verrät: "Wir haben einen Pool an Leuten, die daheim auf Abruf stehen. Ehemalige Mitglieder des Rennteams oder von der Truppe, die im Fahrzeugaufbau arbeiten." Wenn es wie bei Mercedes die Boxenstopp-Crew betreffen würde, würde sich das auf die Boxenstopps auswirken. "Das sind alles Spezialisten, die du nicht auf die Schnelle in größerer Anzahl ersetzen kannst. Deren Erfahrung kannst du mit Trockentraining nicht wettmachen", bedauert der Teamchef.

Die Fahrer werden speziell geschützt. Mercedes geht sogar so weit, dass Lewis Hamilton und Valtteri Bottas an den Briefings nur noch digital teilnehmen. Auch McLaren versucht, Carlos Sainz und Lando Norris so gut wie es geht zu isolieren. Sie haben nur mit ihren zwei engsten Ingenieuren Kontakt. Die größere Gefahr lauert für alle zwischen den Rennen, wenn man daheim Freunde oder Familie trifft. Seidl lobt die Disziplin in seiner Truppe: "Unsere Leute sind da extrem diszipliniert und das Team macht einen super Job. Aber natürlich brauchst du auch Glück. Man kann sich so einfach anstecken und vieles liegt in Hotels oder an Flughäfen außerhalb unserer Kontrolle."

Für den Job des Ersatzfahrers hat McLaren einen Deal mit Mercedes. Da wäre Stoffel Vandoorne die erste Wahl. "Im absoluten Ernstfall hätten wir auch für Paul di Resta einen Sitz parat." Der Schotte ist als TV-Experte immer vor Ort. Seidl weiß aber auch: "Für jemand da kalt ins Cockpit zu springen und Punkte zu holen, ist schon schwer." Nicht jeder hat einen Hülkenberg in der Hinterhand.

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