Daniel Ricciardo - GP Imola 2021 Motorsport Images
Lando Norris - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Pierre Gasly - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Max Verstappen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Lewis Hamilton - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 22 Bilder

McLaren-Stallregie Imola: Podium dank Platztausch

Imola-Platztausch ohne Drama McLaren-Podium dank Stallregie

Wenn ein Team im Rennen einen Platztausch seiner beiden Fahrer anordnet, sorgt das normalerweise für Diskussionen. Nicht so bei McLaren. Lando Norris und Daniel Ricciardo stellten sich in den Dienst des Teams. Am Ende wurde die Entscheidung mit dem Podium belohnt.

Viele Experten hatten Lando Norris vor der Saison ein schwieriges Jahr prophezeit. Mit Daniel Ricciardo bekam der britische Youngster einen harten Brocken als Teamkollegen an die Seite gestellt. Doch nach zwei starken Rennen grüßt Norris aktuell von Rang drei der WM-Wertung. Und Ricciardo scheint momentan ernste Probleme zu haben, das Tempo seines Stallrivalen mitzugehen.

In Imola sah es im Qualifying lange nach einer klaren Sache aus. Norris konnte das ganze Wochenende schon eine deutlich bessere Pace anschlagen. Doch dann fuhr der 21-Jährige in der entscheidenden Runde einen Tick über die erlaubten Streckenlimits hinaus, was ihm seine persönliche Bestzeit und den dritten Startplatz kostete. Ricciardo gelang derweil eine ordentliche Runde, wodurch er zum zweiten Mal in Folge das Quali-Duell für sich entschied.

Auch im Rennen kam Norris nur langsam in Schwung. In der ersten Runde ging es von Startplatz sieben rückwärts bis auf Position neun: "Der Fehler im Qualifying hat mein Rennen deutlich erschwert, vor allem mit der Gischt am Start. Beim Hochschalten bin ich auf eine feuchte Stelle gekommen und habe kurz das Heck verloren. Dadurch wäre ich beinahe in Daniel gekracht. Da wäre Andreas (Seidl) sicher nicht happy", erinnerte sich der Brite später.

Lando Norris - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Wilhelm
Lando Norris holt für McLaren die Kohlen aus dem Feuer.

Von Position neun aufs Podium

Norris versuchte zunächst kein Risiko zu gehen und das Auto auf der Strecke zu halten. Trotzdem schnappte er sich einen Konkurrenten nach dem anderen. Nach neun Runden hatte er sich schon auf Platz sechs nach vorne gearbeitet. Nun lagen plötzlich beide McLaren-Autos direkt hintereinander. Norris merkte sofort, dass er eigentlich schneller könnte. Doch an Ricciardo gab es auf dem schmalen Asphaltband von Imola keinen Weg vorbei.

Deshalb rief das Supertalent den Kommandostand um Hilfe. Die Strategen schauten sich das Geschehen eine Weile an und entschieden sich in Runde 16 schließlich dazu, den Platztausch anzuordnen. Norris wusste, dass die Stallorder nicht selbstverständlich war: "Ich muss mich beim Team für diese Entscheidung bedanken. Das hat uns am Ende das Podium gebracht. Und ich muss mich natürlich auch bei Daniel für das gute Teamwork bedanken."

Kaum hatte der Teamkollege die Blockade aufgegeben, zeigte Norris seine wahre Pace: "In den Turbulenzen habe ich richtig gelitten. Meine Hinterreifen haben überhitzt. Ich bin nur noch gerutscht. Aber kaum hatte ich freie Fahrt, war ich weg. Ich konnte ein bis zwei Sekunden schneller fahren." Der Rest ist Geschichte. Norris zog schnell vorne weg und schnappte sich in der zweiten Hälfte auch noch den Ferrari von Charles Leclerc. Am Ende feierte er den zweiten Podiumsplatz seiner Karriere.

Daniel Ricciardo - GP Imola 2021
xpb
In Runde 16 muss Ricciardo den Teamkollegen auf Ansage des Kommandostands passieren lassen.

Ricciardo akzeptiert Stallregie

Bei Ricciardo war die Stimmung nicht ganz so gut. Der Australier ist es nicht gewohnt, die zweite Geige zu spielen. "Lando war definitiv schneller im Rennen – wie schon das ganze Wochenende", gratulierte der Routinier fair. "Ich muss jetzt meinen Stolz etwas beiseiteschieben und schauen, wo ich mich verbessern kann. Meine Einstellung ist nicht niedergeschlagen, sondern eher positiv und produktiv. Ich möchte jetzt keine negativen Gedanken ins Team bringen. Das war erst das zweite Rennen. Ich muss geduldig bleiben, weiter hart arbeiten und das Puzzle nach und nach zusammensetzen."

Normalerweise hört man von einem Stallregie-Opfer keine lobenden Worte ans Team. Bei Ricciardo war das etwas anders: "Ich hatte ja vorher genügend Runden, um meine Pace zu zeigen. Auf abtrocknender Strecke ließ dann mein rechter Vorderreifen nach. Ich konnte einfach nicht schneller. Das Team hat dann die Entscheidung getroffen. Das war richtig, das muss ich akzeptieren. Ich hatte meine Chance. Da muss ich mein Ego hinten anstellen."

Ricciardo zeigte ehrliche Freude für den Erfolg des Teamkollegen. Von Neid keine Spur: "Sein Ergebnis zeigt, zu was das Auto fähig ist. Es wäre schlimmer, wenn er Zwölfter gewesen wäre. Natürlich hätte ich auch gerne mehr aus dem Auto rausgeholt. Ich muss jetzt mal schauen, wie er das gemacht hat. In ein paar Monaten werde ich hoffentlich deutlich entspannter auf den Saisonstart zurückblicken."

Daniel Ricciardo - GP Imola 2021
Motorsport Images
Teamchef Andreas Seidl macht sich keine Sorgen um seinen Schützling.

Seidl-Lob für Ricciardo

Druck von der Teamführung gibt es keinen. Teamchef Andreas Seidl will seinem Schützling die nötige Zeit geben, um sich an das Auto zu gewöhnen. "Er hatte das ganze Wochenende nicht das Vertrauen, wenn es ans Limit ging. Man hat einige Piloten im Rennen gesehen, die zu viel wollten und dann abgeflogen sind. Daniel ist ohne Fehler durchgekommen und hat wichtige Punkte für Platz sechs gesammelt. Ich bin mir sicher, dass es mit seiner Erfahrung nur eine Frage der Zeit ist, bis er wieder das volle Vertrauen in das Auto hat."

Und auch Norris glaubt nicht, dass er den Teamkollegen lange so dominieren kann, wie in den ersten beiden Rennen. "Ich bin mir sicher, dass es mit der Stallregie auch mal umgekehrt der Fall sein wird und dass ich dann Daniel vorbeilassen muss."

Ricciardo ist die Situation nicht unbekannt. Schon nach seinem Wechsel von Red Bull zu Renault vor der Saison 2019 musste er sich zunächst hinter Nico Hülkenberg anstellen. Vor allem die Bremse seines Autos sorgte zu Beginn für Eingewöhnungsprobleme. Doch am Ende gewann er das Duell relativ klar.

"Man hat es ja auch letztes Jahr an Esteban (Ocon) gesehen, der sich auch schwergetan hat, meine Pace im Qualifying mitzugehen. Da hat mir sicher das eine Jahr Erfahrung bei Renault geholfen", blickt der Mann aus Perth zurück. "Ich bin nicht naiv. Ich wusste, dass der Teamwechsel ein paar Herausforderungen mit sich bringen würde. Aber ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass es etwas schneller geht."

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