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McLaren - Diffusor - Formel-1-Test - Bahrain - 2021
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McLaren-Technik: Regelschlupfloch beim Diffusor

McLaren Technik-Trick im Fokus Regelschlupfloch beim Diffusor

McLaren hat beim Test in Bahrain die Blicke der Konkurrenz auf sich gezogen. Die Ingenieure aus Woking nutzten beim Diffusor einen cleveren Trick, um die neu eingeführte Beschneidung der Diffusor-Finnen zu umgehen. Lange wird man die Idee aber wohl nicht exklusiv haben.

Wenn man wissen will, wo die Teams ihre größten Technik-Tricks eingebaut haben, muss man eigentlich nur schauen, an welchen Stellen die Präsentations-Modelle Details verbergen. So baute Mercedes zum Beispiel extra eine Blende für die seitliche Kante des Unterbodens. Bei den Computer-Fotos des McLarens wurde der Diffusor per Bildbearbeitung geschwärzt.

Bei den Testfahrten in Bahrain wurden nun alle Geheimnisse gelüftet. Der Blick auf das McLaren-Heck machte direkt deutlich, warum die Ingenieure das Hinterteil des MCL35M nicht zu früh zeigen wollten. Am Diffusor haben sich die Techniker eine individuelle Lösung einfallen lassen, die son kein anderes Auto zeigt.

Eigentlich hatte das Reglement die Finnen, die im aufsteigenden Bereich des Unterbodens die Luftströmung kanalisieren und nach außen lenken, dieses Jahr in ihrer Länge um fünf Zentimeter beschnitten. Doch beim McLaren ragten die vertikalen Leitbleche an der Innenseite des Diffusors deutlich weiter nach unten als bei der Konkurrenz.

Ein kurzer Blick ins Regelbuch zeigt, dass diese Anordnung tatsächlich erlaubt ist. Die vorgeschriebene Beschneidung der Finnen beginnt erst in einem Bereich 25 Zentimeter rechts und links der Mittelline. Das entspricht genau der Breite der sogenannten Planke, die als Schutz unter dem Unterboden montiert ist.

McLaren - Diffusor - Formel-1-Test - Bahrain - 2021
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Die Diffusor-Finne innen am McLaren zieht sich deutlich weiter zum Asphalt als die äußeren Leitbleche.

McLaren baut Diffusor um

Im inneren Bereich sorgt das voluminöse Getriebe an der Unterseite für eine Ausbeulung der Diffusorfläche. Bei McLaren wurden am äußeren Rand diese Ausbeulung einfach neue Diffusor-Finnen eingesetzt, die gerade noch innerhalb der erlaubten Zone liegen. So entsteht ein zusätzlicher Kanal, der den Expansionseffekt des Diffusors unterstützt.

Je schneller und sauberer sich die Luft hinten ausdehnen kann, desto besser wird die Strömung unter dem Auto beschleunigt. Dieser Absaugeffekt produziert dann den Abtrieb auf der Hinterachse. Und je tiefer die Finnen nach unten ragen, desto effizienter ist der Effekt. Im Gegensatz zu Flügeln auf der Oberseite des Autos muss der Anpressdruck, der vom Diffusor kommt, kaum mit einem erhöhten Luftwiderstand bezahlt werden.

Noch ist unklar, wie groß das Potenzial des McLaren-Tricks wirklich ist. Mit der Wirkung eines Doppeldiffusors, der Brawn GP in der Saison 2009 zum WM-Titel verholfen hat, ist die McLaren-Lösung sicher nicht zu vergleichen. Aber die Ingenieure der anderen Teams werden sich den MCL35M wohl ganz genau anschauen und die Lösung in den eigenen CFD-Simulationen nachbauen.

Mercedes - Diffusor - Formel-1-Test - Bahrain - 2021
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Die Teams versuchen mit neuen Diffusor-Formen den beschnittenen Abtrieb im Heck zurückzugewinnen.

Lässt sich der Trick kopieren?

McLaren-Technikdirektor James Key hatte im Interview mit auto motor und sport erst kürzlich erklärt, dass es im Idealfall einen Monat dauert, bis man einen ganzen Unterboden von einem Konkurrenten kopiert hat. Allerdings ist dieser Zeitrahmen für die Entwicklung und die Teileproduktion nur realistisch, wenn nicht auch noch weitere Elemente von der Maßnahme betroffen sind, die ebenfalls modifiziert werden müssen.

Die Frage lautet am Ende, ob die Konkurrenz den Unterboden im zentralen Bereich überhaupt noch nachträglich verschlanken kann, damit sich die zusätzlichen Finnen in der erlaubten Zone unterbringen lassen. Müsste für den Kunstgriff zum Beispiel das Getriebe-Gehäuse angepasst werden, wäre ein Entwicklungstoken fällig. Von denen haben die Top-Teams aber keine mehr übrig.

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