McLaren trickst mit der Hinterachse

Wie kann das legal sein?

Jenson Button - McLaren - Jerez - Formel 1 - Test - 29. Januar 2014 Foto: Baldauf / SB-Medien 38 Bilder

McLaren überraschte die Konkurrenz mit einer Hinterachse, wie man sie noch nie gesehen hat. Sie besteht oben wie unten aus je drei Querlenkern, die alle mit den Radträgern verbunden sind. Das Layout der vier hinteren Lenker ist ein riesiges Flügelprofil. Damit trickst McLaren das Verbot des unteren Heckflügel-Elements aus.

Das Verbot des unteren Heckflügels tat den Aerodynamikern weh. Force India-Technikchef Andy Green erklärt warum: "Das untere Heckflügelelement hat dem Diffusor geholfen, die Luft abzusaugen, und es hat den Diffusor aerodynamisch an das obere Element des Flügels angebunden. Es ist ziemlich schwierig dort mehr Abtrieb herauszuholen, ohne dass dieser Anpressdruck instabil wird."

McLaren mit 4 Flügeln unter dem Heckflügel

McLaren scheint eine Lösung gefunden zu haben, die dieses Verbot umgeht, ja sogar auf dem Kopf stellt. Von hinten betrachtet sind unter dem Heckflügel des MP4-29 vier mächtige Flügel montiert. Zwei auf jeder Seite. Beim genaueren Hinschauen sieht man, dass sie die Ummantelung von zusätzlichen Querlenkern sind, die den Radträger mit der Crash-Struktur verbinden. Aus der Vogelperspektive sieht es so aus, als hätte die Hinterradaufhängung je drei Querlenker oben wie unten. Tatsächlich aber soll der mittlere Lenker die Spurstange sein.

Am Ansatz zum Radträger sind die vier Lenker noch dünn. Innerhalb der Heckflügel-Endplatten wachsen sie zu gewaltigen Flügelprofilen in Wellenform. Die hintere Kante ist stark angestellt. Man muss kein Atomwissenschaftler sein, um sich auszumalen, welchen Zweck diese Zusatzflügel erfüllen. Sie dürften in Kombination mehr Abtrieb spenden als der alte untere Flügel, und sie werden dem Diffusor helfen, die Luft unter dem Auto abzusaugen

Nicht mehr als sechs Aufhängungselemente

Doch ist das alles legal? Red Bull-Technikchef Adrian Newey hatte seine Zweifel. "Ich habe noch keine Fotos gesehen, aber so, wie mir das beschrieben wird, hört es sich an, als wären das inklusive Pullrod und Spurstange acht Aufhängungselemente. Es sind aber nur sechs erlaubt. Außerdem gibt es klare Vorschriften für die Breite, wenn man die Aufhängung verkleidet."

Das Verhältnis Breite zu Höhe muss 3,5:1 betragen - darf aber nicht mehr als 10 Zentimeter breit sein. Die FIA hat McLaren schon im letzten Sommer grünes Licht gegeben. Das spricht für die Spurstangen-Theorie.

Newey wollte ein endgültiges Urteil erst abgeben, wenn er die Aufhängung im Detail gesehen hat. Es sieht so aus, dass die hinteren Querlenker an einem anderen Punkt am Radträger befestigt als die restlichen Elemente. So könnte McLaren den Passus mit den sechs Lenkern ausgetrickst haben. Und die Höhenvorschrift? Die Breite der Strömungshilfen wurde möglicherweise dadurch vergrößert, dass das Wellenprofil eine entsprechende Höhe vorgibt.

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