McLaren vs. Ferrari - GP Brasilien 2021 Wilhelm
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
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Max Verstappen - Red Bull - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen 59 Bilder

Kampf um WM-Rang 3: McLaren hakt Ferrari-Duell ab

Vorentscheidung durch Ferrari McLaren hakt Rang 3 ab

Für Ferrari läuft es, für McLaren nicht. In Brasilien holte die Scuderia zum vierten Mal in Serie holte mehr WM-Punkte als der direkte Gegner um den dritten WM-Platz. Teamchef Mattia Binotto lobt seine Mannschaft und seine Fahrer. McLaren-Rennleiter Andreas Seidl sieht es realistisch: Ferrari ist fast sicher Dritter.

Es sieht stark danach aus, dass sich Ferrari nicht mehr aufhalten lässt. Vier Mal in Folge haben die Italiener mehr Punkte erobert als der Rivale um den dritten WM-Rang. Vier Mal hatte Ferrari das schnellere Auto: in der Türkei, in den USA, in Mexiko und in Brasilien. Vier Strecken, auf denen viel Anpressdruck oder gar maximaler Abtrieb gefragt ist. 71 zu 22 lautet die Punkteausbeute im direkten Vergleich in dieser Phase.

Nach dem zweiten Rückschlag innerhalb von einer Woche gibt man sich bei McLaren keinen Illusionen mehr hin. Wenn alles normal läuft, wird Ferrari den dritten WM-Platz in den letzten drei Rennen absichern. Es steht 287,5 zu 256. "Das ist ein schönes Polster für uns", freut sich Ferraris Teamchef Mattia Binotto.

Sein Gegenpart, Andreas Seidl, resümiert ernüchtert: "Wir müssen uns der Realität stellen. Auch wenn wir nicht aufgeben, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir die Saison als Vierter abschließen. Für uns ist jetzt wichtig, dass wir das positive Momentum in den letzten drei Rennen zurückgewinnen – mit Blick auf 2022."

Start - Formel 1 - GP Brasilien 2021
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Das Duell mit McLaren war schon am Rennstart entschieden, als sich Lando Norris den Reifen aufschlitzte.

McLarens Pech am Start

Zwei Mal in Serie landete ein McLaren nur auf dem zehnten Platz, und der andere scheiterte frühzeitig. Daniel Ricciardo kollidierte in Mexiko in der ersten Kurve mit dem Mercedes von Valtteri Bottas. In Brasilien verlor sein Motor an Leistung. Offenbar wegen eines Bruchs an der Schnittstelle zwischen Chassis und Power Unit. McLaren zog in der 49. Runde die Reißleine. Ein seltener Ausfall für das Team.

Der schlechte Lauf wurmt den Rennstall aus Woking. "Leider haben wir nicht die Punkte geholt, die in den letzten Rennen für uns drin gewesen wären." So ist der Kontakt zu Ferrari abgerissen. In Brasilien kämpfte Lando Norris im Sprint noch tapfer gegen die roten Autos und rang Charles Leclerc nieder. Im Hauptrennen rasselte der 22-jährige Engländer am Start mit Carlos Sainz zusammen.

Norris war nach einem Raketenstart auf der Außenseite der Platz ausgegangen. Die beiden Autos konnten sich überhaupt erst berühren, weil Sainz im Gegensatz zum Vortag aus seiner Startbox kroch. Damals hatte er den Softreifen drauf, am Rennsonntag den Medium.

"Es ist seltsam. Ich habe alles genauso gemacht wie am Samstag. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich stark durchdrehende Räder", grübelte der Madrilene. "Wir müssen das anschauen. Vielleicht hat etwas mit der Kupplung oder den Reifen nicht gepasst. Es ist ärgerlich, weil es mich meinen Platz unter den ersten fünf gekostet hat."

Charles Leclerc - Formel 1 - GP Brasilien 2021
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Charles Leclerc setzte sich im teaminternen Duell gegen Carlos Sainz durch.

Ferrari nur gegen Gasly

Man konnte es als normalen Startunfall abstempeln. "Wenn überhaupt, dann ist Lando ein bisschen zu früh für die erste Kurve reingezogen. Aber so ein Zusammenstoß kann passieren. Wenn ich etwas falsch gemacht habe, tut es mir leid. Aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht."

Immerhin konnte der Spanier problemlos weiterfahren, während Norris an die Box für einen Reifenwechsel humpelte. Auch der Unterboden rund um das linke Hinterrad war beschädigt. Das kostete Abtrieb. Und das wiederum beansprucht die Reifen über die Distanz mehr. Trotzdem arbeitete sich Norris noch in die Top 10 vor. Ein frühes Safety-Car half mit, wieder Anschluss an das Feld zu finden.

Ferrari musste am Rennsonntag nur ein Auge auf Pierre Gasly werfen. Alpha Tauris Speerspitze hielt sich zumindest in den ersten zwei Stints im Dunstkreis der roten Autos. Ferrari richtete seine Reifenwechsel auf Gasly aus. Jedes Mal, wenn er reinkam, zog der Rennstall aus Maranello mit seinen Fahrern nach.

Im Schlussteil des Rennens hatte Ferrari seine Ruhe. Leclerc und Sainz kamen vor den Alpine auf die Strecke zurück. Gasly steckte nach seinem zweiten Reifenwechsel hinter Esteban Ocon und Fernando Alonso fest, die sich mit DRS gegenseitig vor ihm schützten.

Im Schnitt war der Alpha Tauri zwei Zehntelsekunden langsamer als der Ferrari. McLaren bewegte sich auf Niveau von Red Bulls Juniorrennstall. Auf Strecken, auf denen viel Abtrieb gefragt ist, hat Ferrari das bessere Paket. McLaren braucht lange Geraden und eckige Kurven, wie in Monza.

Start - Formel 1 - GP Brasilien 2021
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Das Duell mit McLaren war schon am Rennstart entschieden, als sich Lando Norris den Reifen aufschlitzte.

Nächster Schritt mit Motor 2022

Hätten die Italiener in der ersten Saisonhälfte nicht so viele Punkte hergeschenkt, wäre das Duell jetzt nicht vor-, sondern bereits entschieden. Den letzten Schritt, um McLaren zu überflügeln, machte Ferrari durch das Hybrid-Upgrade in Russland. Den Fortschritt könnte man mit rund zehn PS beziffern. "Die Ferrari können von Anfang bis Ende der Gerade boosten. Man hat es im Sprint gesehen. Da hat sich Perez trotz DRS auf der Zielgerade Sainz nicht mal genähert", stellte McLaren-Teamchef Seidl fest.

Die bessere Power Unit freut auch die Chassis-Ingenieure. Ihnen werden kaum mehr Kompromisse bei der Fahrzeugkonfiguration auferzwungen. Ferrari muss nicht mehr zugunsten von mehr Topspeed weniger Flügel fahren. Binotto verspricht den Tifosi: "Wir arbeiten unermüdlich an der Power Unit für 2022. Bereits zum Saisonstart werden viele Komponenten neu sein. Dann müssen wir schauen, wie wir bis zum September verfahren."

Der Sechszylinder-Turbo muss an den E10-Sprit angepasst werden. Gleichzeitig will Ferrari die Lücke zu Marktführer Mercedes schließen. Das will man spätestens bis zum Einfrieren der Motoren geschafft haben. Dafür gibt es zwei Deadlines: Motor, Turbo und MGU-H werden mit Stichtag 1. März homologiert. Dazu Benzin und Motoröl. Mit MGU-K, Batterie und Leistungselektronik hat man bis zum 1. September Zeit.

Andreas Seidl - GP Mexiko 2021
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Auch wenn der Kampf um Rang drei verloren ging, wertet Andreas Seidl die Saison 2021 als Erfolg.

Auch Platz 4 für McLaren ein Erfolg

Beide Teamchefs loben ihre Mannschaften. Zuerst Binotto: "Strategie, Boxenstopps, Reifenmanagement, die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten. Als Team und mit den Fahrern. Da haben wir uns in dieser Saison weiterentwickelt." Ihn freut es besonders, dass seine Piloten zwar hart, aber stets fair gegeneiner fahren.

Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren waren sich Leclerc und Vettel in Brasilien gegenseitig ins Auto gefahren. Leclerc und Sainz kämpften in der Startrunde Rad-an-Rad, jedoch ohne sich zu berühren oder zu gefährden. "Ein toller Zweikampf, ohne dass die Gefahr bestand, dass sie sich gegenseitig schaden. Es ist einfacher, wenn man zwei Fahrer hat, die den Team-Sprit verstehen. Sie dürfen frei gegeneinander fahren. Aber die Priorität genießt das Team. Es geht darum, immer möglichst maximal zu punkten."

Jetzt Seidl: "Selbst, wenn wir Vierter werden, ist die Saison als Erfolg zu werten. Vor dem Saisonstart hätte ich diesen Platz dankend angenommen. Wir sind als Team den nächsten Schritt gegangen. Unser Auto ist besser geworden. Der Rückstand zu Red Bull und Mercedes ist klar gesunken. Bei den Boxenstopps sind wir nicht die schnellsten, aber sehr konstant. Wir wissen, wo unsere Defizite liegen. Daran arbeiten wir." Gemeint ist die Infrastruktur: Der neue Fahrsimulator und Windkanal werden im Verlauf von 2022 ans Netz gehen.

Bleibt noch der Ausblick auf Katar. Binotto mahnt seine Mannschaft, konzentriert zu bleiben. Es sei vor allem wichtig, weiter ein zuverlässiges Auto auf die Räder zu stellen. "Katar hat viele Kurven. Vielleicht wird es deshalb für uns schwierig mit dem Reifenverschleiß. Es kann also schon wieder anders aussehen."

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