Williams vs. McLaren - GP China 2018 sutton-images.com
McLaren - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 10. Mai 2018
McLaren - Formel 1 - GP Spanien - 2018
McLaren - Formel 1 - GP Spanien - 2018
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Blamage für McLaren & Williams

Der tiefe Fall der Dinos

Williams Letzter. McLaren Vorletzter. Für die beiden Dinos der Formel 1 war in der Qualifikation zum GP Frankreich schon im Q1 Endstation. Die Traditonsteams bewegen sich rückwärts statt vorwärts. Was läuft da schief?

In der Statistik stehen McLaren und Williams immer noch auf dem Podium. Das zweit- und drittälteste Team der Formel 1 liegen nach Siegen gerechnet hinter Ferrari auf den Plätzen 2 und 3. Doch das ist lange her. Williams gewann 2012 beim GP Spanien sein letztes Rennen, McLaren beim GP Brasilien im gleichen Jahr. Seitdem geht es nur noch bergab.

Der Tiefpunkt des Falls der Formel 1-Dinos war die Qualifikation zum GP Frankreich. Williams stellte wieder einmal die beiden langsamsten Autos im Feld. Daran hat man sich fast schon gewöhnt. Schlimmer ist, dass Sergey Sirotkin eine halbe Sekunde zum Vorletzten fehlte. Und das war McLaren. Im Rennen das gleiche Trauerspiel. WM-Punkte blieben in weiter Ferne.

Nur eine Woche nach seinem Le-Mans-Sieg kam Fernando Alonso in der Wirklichkeit an. Es reichte nur für den 16. Startplatz. Auch für Teamkollege Stoffel Vandoorne war schon im Q1 Endstation. Die Fahrer beschwerten sich nicht einmal: „Das Auto war eigentlich ganz gut ausbalanciert. Uns fehlt einfach Grip“, rekapitulierte Vandoorne.

Hätte Sauber-Pilot Marcus Ericsson seine Q2-Runde ohne Fehler durchgebracht, würde auch McLaren eine halbe Sekunde vom nächstbesten Team trennen. Das zeigt wie prekär die Lage der beiden britischen Traditionsteams ist. Man rangiert im Tabellenkeller, und das auch noch mit beträchtlichem Rückstand.

Williams aerodynamisch instabil

Lance Stroll - Williams - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2018
Jerry André
Die Williams-Piloten kämpfen mit dem instabilen Heck.

Was ist los mit den beiden Rennställen die in den 80er und 90er Jahren die Formel 1 beherrscht haben? Bei Williams ist die Sache klar: Die Ingenieure haben einfach ein schlechtes Auto gebaut. „Das Problem liegt in der Aerodynamik“, gibt Technikchef Paddy Lowe zu. Frontflügel, Leitbleche und Unterboden harmonieren nicht, das Kühlkonzept ist zu ambitioniert, was zur Folge hat, dass Williams die Verkleidung zu stark öffnen muss.

„Die Strömung unterhalb des Autos ist instabil“, beschreibt Williams-Einsatzleiter Rob Smedley. Vermutlich, weil der Unterboden seitlich nicht wirksam gegen verwirbelte Luft abgedichtet wird. Das sorgt bei Kurvenfahrt für Strömungsabriss. Schwankender Abtrieb führt dazu, dass sich die Reifen ungleich erwärmen, sich mal im Fenster befinden, mal wieder rausfallen. Die Fahrer haben kein Vertrauen in ihr Auto.

Das wiegt bei unerfahrenen Piloten wie Lance Stroll und Sergey Sirotkin doppelt schwer. Nur in Baku und Monte Carlo zeigte Williams einigermaßen Normalform. Sirotkin erklärt warum: „Da gibt es nur einen Kurventyp. Kurven mit kurzen Radien. Für eine bestimmte Kurve können wir das Auto einigermaßen abstimmen. Wenn wir aber auf eine Strecke wie Paul Ricard kommen, wo es Kurven aller Art gibt, haben wir ein Problem. Es passt in einer Kurve, in den anderen nicht.“

Williams glaubt eine Lösung für das Problem gefunden zu haben. „Wir wollen vor der Sommerpause noch ein Aero-Paket ans Auto bringen“, verrät Lowe. Laut Sirotkin sind die Daten auf dem Papier vielversprechend, was aber nicht viel heißen muss: „Wir wollen es erst auf der Rennstrecke sehen.“ Smedley warnt: „Erwartet keine Wunder!“ Der Rückstand ist so groß, dass selbst eine Sekunde den Williams nur ans hintere Ende des Mittelfeldes bringen würde.

Dazu passieren immer wieder Fehler in den Abläufen. In Monte Carlo arbeiteten die Mechaniker in der Startaufstellung zu lang an Sirotkins Auto. Die fällige Zehnsekunden-Strafe warf den Fahrer weit zurück. In Paul Ricard vergaß Sirotkins Renningenieur zu warnen, als der hinter dem Safety-Car zu langsam fuhr. Wieder setzte es eine Strafe.

Bei Lance Stroll übersah man offensichtlich an der Telemetrie, dass der linke Vorderreifen zu viel Temperatur verlor. Ein sicheres Zeichen für zu viel Verschleiß. Der Reifen platzte im dümmsten Moment. Beim Einlenken in die Signes-Kurve. Stroll konnte sich bei den riesigen Auslaufzonen bedanken, dass nichts Schlimmeres passierte.

Liefert der Windkanal die falschen Zahlen?

Fernando Alonso - GP Frankreich 2018
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Das Rennen in Le Castellet holte Alonso nach dem Le-Mans-Sieg wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Bei McLaren herrscht dagegen Ratlosigkeit. Den Daten nach müsste der MCL33 im vorderen Teil des Mittelfeldes fahren. Teamleitung, Ingenieure und Fahrer beschwichtigen die Kritiker mit immer neuen Ausreden. Zuerst verschaffte musste die späte Fertigstellung des Autos wegen der Anpassung an den Renault-Motor als Erklärung für die bescheidenen Ergebnisse herhalten. Dann baten die Ingenieure um Aufschub, weil man die beim GP Spanien vorgestellte B-Version erst einmal verstehen musste. Jetzt soll auf einmal der Windkanal falsche Ergebnisse liefern.

In Montreal gab McLaren zu, dass man ein Problem in langsamen Kurven und mit dem Top-Speed habe. Rennstall-Boss Zak Brown nahm die Aerodynamiker in die Pflicht. Paul Ricard bietet genügend schnelle und mittelschnelle Kurven, in denen sich der McLaren eigentlich wohlfühlen sollte. Trotzdem standen die papaya-gelben Autos hinten.

„Ich bin nur der Fahrer“, zuckte Fernando Alonso mit den Schultern. „Wir kennen unsere Schwächen. Jedes Briefing dauert eineinhalb Stunden. Wir arbeiten hart daran, das Auto zu verbessern und müssen die Entwicklung jetzt beschleunigen, weil wir mit jedem Rennen, bei dem wir nichts ans Auto bringen, weiter abrutschen.“

Eine Woche nach seinem Le Mans-Sieg krebste Alonso chancenlos am Ende des Feldes herum. Weil WM-Punkte außer Reichweite lagen, entschloss man sich zu einer Verzweiflungstat. Alonso sollte mit einem frischen Satz Ultrasoft wenigstens die schnellste Rennrunde fahren. Auch das misslang. Es fehlten 9 Zehntel auf Valtteri Bottas. Dann knickte beim Überfahren von Wrackteilen auch noch die rechte Hinterradaufhängung ein. Der dritte Ausfall hintereinander.

Fünfter statt Neunter

Zak Brown - McLaren - GP Frankreich 2018
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Boss Zak Brown dementiert, dass die Stimmung innerhalb des McLaren-Teams schlecht sei.

McLaren redet sich die Welt schön. Zak Brown erinnerte daran: „Letztes Jahr um diese Zeit waren wir mit null Punkten Neunter in der Meisterschaft. Jetzt liegen wir mit 40 Punkten auf Rang 5.“ Alonso zählt auf: „Wir sind in den ersten 5 Rennen jedes Mal in die Punkte gefahren. Auch bei meinen beiden Ausfällen zuletzt lag ich immer in den Punkterängen. Unser Schwachpunkt ist die Qualifikation. Dafür sind wir am Sonntag stark. Und nur da gibt es Punkte.“

Stimmt alles, doch die Ansprüche waren andere. McLaren wollte in diesem Jahr mit dem Renault-Motor um Podiumsplätze fahren. Jetzt sehen sie am Beispiel Toro Rosso, dass der Honda-Motor nicht so schlecht war, wie er vom dem Ex-Partner immer gemacht wurde.

Auch intern soll es bei den ehemaligen Top-Teams krachen. In beiden Technikbüros gab es Umstellungen. McLaren-Projektleiter Tim Goss hat das Team verlassen. Williams-Chefdesigner Ed Wood gab auf eigenen Wunsch auf. Bei Williams wurde die Idee eines B-Teams von Mercedes diskutiert, was in Grove jedoch heftig dementiert wird.

Genauso weist McLaren Presseberichte zurück, wonach die Stimmung im Team vergiftet sei, Überstunden mit Schokoriegeln belohnt würden und die Basis gegen die Teamleitung mit Eric Boullier an der Spitze revoltiert. „Alles nicht wahr“, zog Brown einen Schlussstrich. „Einige wenige Angestellte sind offenbar verärgert. Wir sind mit den Resultaten auch nicht zufrieden, aber unser Team zieht an einem Strang.“

Wirklich? Bei beiden Sorgenkindern ist gehörig Druck auf dem Kessel. Williams wird in diesem Jahr als Schlusslicht mindestens 20 Millionen Euro weniger kassieren als 2017. Hauptsponsor Martini verabschiedet sich. Der Rennstall aus Grove hängt am Tropf seiner beiden großen Geldgeber. Der Vater von Lance Stroll und die SMP-Bank als Sponsor von Sirotkin wollen für das viele Geld Ergebnisse sehen.

Auch bei McLaren brennt der Baum. Den Anteilseignern wurden mit dem Motorwechsel blühende Landschaften gesprochen. Dafür greifen sie tief in die Tasche. Zwischen Werksteam von Honda und Kunde bei Renault liegen rund 70 Millionen Euro. Alonso wird sich 2019 vermutlich in die IndyCar-Serie verabschieden. Doch Ersatz ist Mangelware. McLaren und Williams sind für Fahrer nicht mehr die erste Adresse.

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