McLaren - GP Abu Dhabi 2020 - Rennen xpb
Carlos Sainz - GP Abu Dhabi 2019
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McLaren belohnt sich mit Platz 3: Rosige Zukunft?

McLaren belohnt sich mit Platz 3 Alle Bausteine für erfolgreiche Zukunft

So gut stand McLaren lange nicht mehr da – zuletzt 2012. Im Schlussspurt kassierte der zweitälteste Formel 1-Rennstall noch Racing Point und hielt sich Renault vom Leib. Die Zukunft erscheint rosig. Alle Bausteine sind da, um zur Spitze aufzuschließen. Was McLaren jetzt nur braucht, ist Zeit.

Die ersten fangen schon an zu träumen. In Abu Dhabi eroberte McLaren den dritten Platz im Konstrukteurspokal und verfehlte die erste Pole Position seit dem GP Brasilien 2012 um nur zweieinhalb Zehntelsekunden. Die sollte der Wechsel von Renault- auf Mercedes-Motoren im nächsten Jahr doch bringen, rechnen die Optimisten vor. Doch bei McLaren sind sie realistisch, dass dieses Szenario unrealistisch ist.

Im Normalfall ist Mercedes noch immer eine Sekunde weg. In Abu Dhabi erreichten die Weltmeister nur nicht ihre Höchstform. Und Red Bull ist für gewöhnlich genauso außer Reichweite. Man muss sich nur das Rennergebnis vor Augen halten. Über 55 Runden verlor Lando Norris im besseren der beiden McLaren 60,729 Sekunden auf den Rennsieger Max Verstappen. Also gut eine Sekunde im Schnitt. Und eine Dreiviertelminute auf die Mercedes. Es wäre mehr gewesen, hätte es kein Safety Car gegeben, das das Feld nach zehn Runden zusammenstauchte.

Carlos Sainz - McLaren - GP Abu Dhabi 2020 - Rennen
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McLaren landete hinter Mercedes und Red Bull auf dem dritten Platz der Team-WM.

Teamchef Seidl bleibt realistisch

"Wir müssen realistisch bleiben", mahnt deshalb der Teamchef. "Die Lücke zu den Mercedes-Autos ist immer noch enorm groß. Und wir haben in der Organisation, bei den Prozessen, bei den Werkzeugen und unserer Infrastruktur immer noch große Defizite im Vergleich mit den Topteams. Die holst du nicht über Nacht auf. Wir haben zwar alle Bausteine zusammen, doch jetzt brauchen wir Zeit, um unsere Pläne umzusetzen."

McLaren hat sich nach Jahren der Träumereien und dem Absturz bis auf den neunten WM-Platz 2017 Pragmatismus verschrieben. 2018 ging es in einem ersten Schritt aufwärts, ab 2019 spürbar. James Key führt seither das Technikbüro, Andreas Seidl die rund 700 Mitarbeiter. Zak Brown ist als CEO das Oberhaupt von McLaren-Racing, begann 2018 die ersten Puzzlesteine zu setzen, und lässt jetzt dem Bayer in Woking freie Hand.

Der zweitälteste Rennstall der Formel 1 ist auch geduldig geworden. Man setzt sich Ziele, die man auch tatsächlich erreichen kann. Und man erfüllt sie. 2019 war der vierte WM-Platz in Reichweite. McLaren sicherte ihn souverän gegen Renault. 2020 begab sich Ferrari in den freien Fall, und plötzlich tat sich die Chance auf, noch einen Platz zu klettern. McLaren nutzte sie.

2021 wieder vier Gegner

Im Schlussspurt kassierte man noch Racing Point und wehrte Renault ab. Als es darauf ankam, die letzten Reserven zu mobilisieren, erstarkte McLaren. Man muss sich nur die letzten vier Saisonrennen anschauen, und wie Lando Norris und Carlos Sainz punkteten: 15-22-13-18. Ab der Türkei gab es immer doppelte Punkte. Die Konstanz war der Schlüssel. Nur in Russland ging McLaren leer aus.

In Abu Dhabi waren die papayagelben Rennwagen wie in der Weltmeisterschaft die erste Kraft hinter Mercedes und Red Bull. "Wir hatten das drittschnellste Auto. In der Quali und im Rennen", beschreibt der Teamchef. "Der Druck war nach Bahrain 2 groß. Wir wollten diesen dritten Platz noch holen. Und wir sind mit diesem Druck klargekommen. Obwohl es für viele im Team eine neue Situation war. Obwohl wir viele junge Leute an Bord haben. Sie haben im entscheidenden Moment abgeliefert. Das erfüllt mich mit stolz."

2021 will McLaren die Leistung konsolidieren. Und wenn möglich den dritten Platz halten. "Es werden wieder vier bis fünf Teams um diesen dritten Platz kämpfen." Neben McLaren, Racing Point und Renault auch Ferrari und Alpha Tauri. "Wir haben noch mehr Potenzial im Team. Das wollen wir herauskitzeln." Und McLaren hat das Momentum auf seiner Seite. Das will man jetzt über die kurze Winterpause retten.

Carlos Sainz - McLaren - GP Abu Dhabi 2020
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Mit dem MCL35 gelang McLaren der nächste Fortschritt.

Upgrades trotz Kurzarbeit

McLaren machte es wie Red Bull. Ein Update jagte das nächste. Highlight war die neue Nase zur Saisonmitte nach Mercedes-Vorbild. Auch wenn die neuen Teile nicht immer sofort einschlugen, so haben sie den MCL35 auf lange Sicht verbessert. "Die Korrelation zwischen Windkanal, CFD und Rennstrecke war gut. Es war nicht immer einfach, die Updates während des Rennwochenendes einzuführen. Die Trainingszeit ist beschränkt, du musst sie evaluieren und verstehen, dich gleichzeitig aber auf Setup- und Reifenarbeit stürzen. Schließlich willst du am Sonntag ja ein gutes Ergebnis. Diesen Spagat haben wir hinbekommen", lobt Seidl.

Es war kein einfaches Jahr für McLaren. Die Corona-Krise beutelte das Unternehmen und das Rennteam. Gehaltskürzungen, Kurzarbeit, Stellenabbau: Trotzdem ist die Stimmung nicht ins Negative gekippt. Was auch den Piloten gutzuschreiben ist. Lando Norris und Carlos Sainz harmonierten wie 2019 und trieben das Team voran. "Die Technikabteilung und Produktion hat Vollgas gegeben, trotz der Einschränkungen", sagt Seidl.

Mit Daniel Ricciardo hat man für das kommende Jahr und darüber hinaus einen gleichwertigen Ersatz für Sainz gefunden, der zu Ferrari abwandert. Mindestens. Der Australier zählt zur Spitzenklasse unter den Fahrern. Ein Ricciardo gewinnt Rennen, wenn er das Auto dazu hat. Das muss Sainz im richtigen Auto erst noch beweisen.

Alle Bausteine vorhanden

Mit dem Mercedes-Motor hat man ab 2021 den besten im Feld. Zwei starke Fahrer, eine produktions- und ideenfreudige Technikabteilung, eine gute Basis für das Auto – McLaren ist gut aufgestellt. Auch wenn man seine zwei Entwicklungstoken für den Umbau auf den Mercedes-Motor verbraten wird. In Summe sollte das aber kein Nachteil sein. Was man an anderer Stelle nicht gewinnt, sollte der Sechszylinder-Turbo aus Brixworth aufwiegen. Eine schwierige Aufgabe ist es dennoch. Die McLaren-Techniker müssen die neue Herz-Lungenmaschine mit ihren Steuergeräten und dutzenden Kühlern erst einmal passend unterbringen. Und dem MCL36 in drei Tagen Wintertests das Laufen und schnelle Rennfahren beibringen.

Die mittelfristige Zukunft und den Cash Flow sichert der Einstieg eines US-Sportinvestors. Da fließen in einem ersten Schritt 185 Millionen Pfund. Man kann nur hoffen, dass MSP Sports Capital der richtige Partner ist. Einer, der sich aus dem Sportlichen heraushält. Der Bau des Windkanals und eines neuen Fahrsimulators schreitet voran. Die Millionen aus den USA lassen McLaren problemlos an der Obergrenze des Budgetdeckels operieren. Mit dem Reglements-Kahlschlag 2022 soll die Lücke zu den Spitzenteams schrumpfen. Und wenn alles nach Plan läuft, will McLaren spätestens 2023 wieder um Rennsiege fahren.

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